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Der Israelit · 1877-03-07 · Heft 10 (7.3.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 10 (7.3.1877)
Date
1877-03-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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218 Man darf jedoch nicht Sorge mit Besorgniß verwechseln. Die Sorge stählt den Muth, die Besorgniß schwächt ihn und benimmt die Kraft, möglichen Unfällen auf die zweckmäßigste Weise vorzubeugen, oder, wenn sie unvermeidlich sind, doch ihre nachtheiligen Folgen zu verkleinern. Auf Alles gefaßt sein, heißt schon, den meisten Gefahren entronnen sein. Sei mäßig in Deinen Wünschen, und Deine Besorgnisse werden sich von selbn mäßigen. Der Weise trägt Etwas in seinem Gemüth, was ihn von allem äußeren Unglück unabhängig macht, denn in ihm ist ein Glaube an Gott, eine Hoffnung auf ein besseres Sein. Er befiehlt dem Herrn feine Wege und weiß, Gott wird es wohl machen. So ist ihm selbst die begründete Besorgniß nur ein leichter Schatten, der im Gemälde seines Lebens die einfallenden Lichtstrahlen milder oder glänzender hervortreten läßt. Ihm ist es süß, für geliebte Wesen, die ihm Gott gab, sorgen zu müssen. In der Sorgfalt um sie liegt der schönere Theil seines Lebens. Wie sind doch die Freuden des jüdischen Hauses, des jüdischen Familienlebens all den rauschenden Vergnügungen vorzuziehen, aus die wir in Folge der Beachtung unserer heiligen Religionsgesetze verzichten müssen! Das stille Glück des Familienlebens ist das theuerste, weil es nicht erkauft, sondern durch Seelengute bereitet wird; das stille Glück des Familienlebens ist das edelste, denn Du verlierst Dich nicht selbst wie in geräuschvollen Freuden. Geräuschvolles Glück ist kein wahres Glück. Du findest es nicht in Dir, nicht in dem Geschmacks und in der heiteren Anordnung dessen, was Dich umgibt, sondern in dem Aufsehen, welches es erregt. Nicht einen Tag lang kann es Dich entzücken, nicht kann es anhaltend Dich beseligen; Ekel folgt dem übermäßigen Genüsse, und Leere wirst Du empfinden, wenn er vorüber ist. Geräuschvolle Genüsse entfremden Dich Dir selbst. Du lebst mehr außer Dir als in Dir und mit Dir. Wenig bedarf der Genügsame, sein Hab und Gut schön und behaglich zu finden, wenig, um durch das, was Andern als Kleinigkeiten erscheint, seine Freude vermehrt zu sehen. Die schönsten, nachhaltigsten Freuden gewähren die Früchte nützlicher Thätigkeit. „Genießest Du die Frucht von Deiner Hände Mühen, dann teil Dir und wohl Dir. — Heil Dir in dieser lelt und Wohl Dir in der künftigen Welt!" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Dentschland. In KwiNgeNberg a.d. B. wurde vor einigen Wochen der pens.Kreisarzt und Geh. Medicinalrath vr Weil unter der allseitigsten Theilnahme von nah und fern zur Erde gestattet. Der Verstorbene, ein hochgeachteter Arzt, war mosaischer Konfession und unseres Wissens der erste Jsraelite in Hessen- Darmstadt, der :m Staatsdienste Verwendung gefunden hatte. In neuerer Zeit sind, besonders im Lehrerfach, mehrfach Israeliten angestellt worden. □ München, 17. Jan. Das Kgl. Ministerium der Justiz hat vor Kurzem die Ergebnisse der Strafrechtspflege im Königreich Baiern im Jahre 1875 veröffentlicht. Bon den durch die Schwurgerichte und Bezirksgerichte verurtheilten Personen waren 77,40 Prozent Katholiken u. 21,50 Prozent Protestanten. Auf sämmtliche übrigen Religionen trifft daher nur 1,10 Prozent sämmtlicher Berurtheilte, welche dem Geschlechte nach 216,85! Personen männlichen und 50,553 Personen weiblichen Geschlechts umfassen. Mannheim, 28. Febr. Dieser Tage sollte hier einer armen Wittwe wegen 12 fl. 30 kr. rückständiger Zinsen aus 500 fl. Kapital ihr Häuschen versteigert werden, weil ihr von der Klägerin das Kapital gekündigt war und diese, trotz alles Flehens, sich nicht dazu herbeiließ, der Wittwe einen Ausstand zu bewilligen. Die Klägerin verharrte vielmehr darauf, daß die Versteigerung vor sich gehe, da sie bereits schon für das zu versteigernde Haus einen Miether angenommen hatte. Die Gerichtsdiener standen da, um die Vollstreckung nach dem Gesetze auszuführen; der Jammer der armen Frau, die sich von ihrem Häuschen trennen sollte, war grenzenlos. Da im letzten Augenblick erschien einer unserer israelitischen Mitbürger und gebot den Gerichtsdienern Einhalt, indem er sich bereit erklärte, die Schuld zu übernehmen. Die Klägerin aber bestand auf ihrem Gelde und heute wurde ihr dasselbe vor dem Notar von unserem Ehrenmann ausbezahlt. Dieses Beispiel, das in unserer Zeit gewiß vereinzelt dasteht, verdient wohl zur allgemeinen Kenntniß zu gelangen. Aus dem Reg.-Bez. Caffel. In diesen Tagen stand wieder einmal in unserem Regierungsbezirk der Mörder eines Israeliten vor den Schranken des Gerichts. Der Ausfall des Urtheils ist aber

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