Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1877)
- Date
- 1877-02-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447705--13459-2469327- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Guben 1× ep/1044673
OCR text
XVIII. Jahrgang. Erste Beilage zu tlr. 9 -es Israelit. AeilungSnachrichlen Sr Gorresponbenzen. Deutschland. Franrfttrt a. M, 18. Februar. Hrn. vr. M. Hirsch, Sohn des Hrn. Rabbiner Hirsch, seit längerer Zeit interimistischer Direktor der Unterrichtsanstalten der isr. Religionsgesellschaft hier, ist definitiv zum Director der genannten Anstalten (Realschule II. Classe und höhere Töchterschule) ernannt worden. — Unter der bewährten Leitung des Hrn. Vr. H. werden sich die beiden vorzüglichen isr. Schulen, vielleicht die besten, die in diesem Genre existiren, sicherlich zu immer höherer Blüthe entfalten. Altona. Auf dem israel. Kirchhofe wurde hier in diesen Tagen ein aus Guben bei Frankfurt a. d. O. gebürtiger Kaufmann beerdigt, der nach ISjähriger Anwesenheit in Amerika, unter eben nicht günstigen Verhältnissen, auf der Rückreise in die Heimath, dadurch am Bord des Schiffes auf der Elbe seinen Tod gefunden chatte, daß. als er in Ermangelung anderen Getränkes, ein Glas kalten Wassers hinunterstürzend, in freudiger Erregung über die glücklich beendete Fahrt dem Wiedererblicken der deutschen Küste ein Hoch brachte, vom Schlage gerührt wurde. Feuilleton. Aus dem Mittelalter. Von Friedrich Rott. III. In dem Befinden des Knaben war inzwischen eine auffallend günstige Aenderung eingetreten, er war schon vor einiger Zeit erwacht, hatte, wie die Wärterin berichtete, einige Nahrung zu sich genommen und lag nun ruhig da, dem Anschein nach völlig fieberfrei. Er hatte wiederholt nach der Mutter verlangt und freute sich nun innig, daß fie heimgekommeu; aber wo war denn der Vater und die kleine Zirza? Dina wollte antworten, die Sprache versagte ihr; Alexander setzte sich daher an das Krankenbette und erzählte, daß der Vater mit dem Schwesterchen verreist, damit die Kleine nicht auch so krank würde wie der Bruder. Dann stellte er sich dem Knaben als den Vetter seiner Mutter vor, und wußte seine Aufmerksamkeit durch Erzählungen mancherlei Art jo zu fesseln, daß Dina dadurch Zeit gewann, ihre völlige Fassung wieder zu erlangen. Ihr inniger Blick dankte ihm. „Aber warum will's denn heute gar nicht hell Werder?" fragte Gabriel. „„Das kommt, weil Du schwach bist. Kindlieb,"" beruhigte Alexander, „„in einigen Tagen wirst Du wieder stärker sein und dann wird Dir auch Alles wieder hell Vorkommen."" Er hatte sich getäuscht; das Befinden des Kindes besserte sich zwar von Tag zu Tag, aber das Licht seiner Augen erlosch mehr und mehr; es umgab ihn völlige Nacht. Dina litt unsäglich; wohl freute sie sich der fortschreitenden Genesung ihres Kindes, aber steine Blindheit betrachtete sie als eine Strafe Gottes. Alexander suchte sie nach Kräften zu trösten, er zeigte sich ihr überhaupt in jeder Beziehung als treuer Bruder. Täglich kam er, sich nach'^ dem Befinden-des Kindes zu erkundigen; sorgte nicht nur für ihre Bedürfnisse sondern auch für größtmöglichste Bequemlichkeit und, war dem kranken Kinde ein stets willkommener Gesellschafter, der trefflich zu unterhalten und zu erheitern verstand. Dina dankte ihm oft mit Thränen im Auge, doch er wies jeden Dank zurück; mit Allem, was er thun könne, werde er doch nimmer die Wohlthaten vergelten, die er in diesem Hause einst genossen. Die Zeit schritt vor; Gabriel konnte daS Bett verlassen, seine Kräfte nahmen mit jedem Tage zu, und Dina sprach bereits in freudiger Erregung davon, bei Eintritt der milden Jahreszeit die Stadt mit ihm zu verlassen, um sich mit ihrem Gatten und ihrem jüngsten Kinde wieder zu vereinen. Wenden wir uns indessen zu Leah und ihrer Familie. Eine Stunde bevor der Ton der MittagSglocke die Juden in die Kirche rief, trat Simou, von einem Geistlichen begleite^ in die Wohnung der ihm gestern Verlobten. Sie trafen Leah im ersten Zimmer; so sehr sie Simon verachtete, so empfand sie feine Fürsorge, die es ihr ermöglichte, den kranken Vater nicht zu verlassen, doch als Wohlthat. Kniend, die klcine Hanna an ihrer Seite,