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Der Israelit · 1877-02-28 · Heft 9 (28.2.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 9 (28.2.1877)
Date
1877-02-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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200 „Halts Maul, Rabbi!" schrie der Fürst. Dann trat er auf die Braut -u, umfaßte sie und sprach: „Komme mit mir,I mein süßes Püppchen. Draußen wartet mein Wagen; ich führe Dich auf mein Schloß. Sollst's besser haben bei mir, als bei dem schmutzigen Juden!" „„Zurück, Herr!" schrie der Rabbiner, sich auf seine Tochter stürzend und vergebens sich bemühend, sie dem Arme des Fürsten zu entreißen. „Zurück, Herr!" schrien hundert Stimmen. Der Fürst aber nahm das halbohnmächtige Mädchen auf den rechten Arm; mit der linken Hand hatte er die Pistole aus der Tasche gezogen. Er spannte den Hahn und rief: „Wer mir naht, ist des Todes!" Scheu wich Alles vor ihm zurück. Der Bräutigam hatte sich davongeschlichen; er hatte nach einer Waffe gesucht und einen großen Stein gefunden; mit diesem nahte er sich dem Fürsten von hinten und schlug mit aller Wucht auf dessen Haupt. Der Fürst stürzte ohnmächtig nieder. Ein furchtbarer Tumult entstand. „Wehe uns," rief Alles, „Rabbi Moscheh Brisk hat den Fürsten erschlagen! Was wird daraus werden? Man wird uns mit Weib und Kindern zu Tode schleppen!" Rabbi Moscheh aber ergriff die Hand seiner Braut und führte sie zum Synagogenhof hinaus. Dort stand der Wagen des Fürsten. Als der Kutscher, der vom Bocke gestiegen war, die Beiden in Todtengewändern erblickte, schrie er laut auf und ergriff die Flucht. Rabbi Moscheh hob seine Braut in den Wagen und setzte sich zu ihr. „Rabbi Lob!" rief er einem Manne zu, der mit ihm den Synagogenhof verlassen hatte, „lemaan Haschvm (um Gotteswillen), Ihr seid des Fahrens kundig, lemaan Haschem, setzt Euch auf den Bock und fahrt uns von dannen; gleichviel wohin, nur an einen Ort, wo wir uns verbergen rönnen!" R bbi Lob zögerte nicht; galt eS doch Menschenleben und mehr alS dies, zu retten. Er bestieg den Bock, ergriff die Peitsche, die an ihrem Platze steckte, und trieb die Pferde an. So entführte das eigene Gespann dem Fürsten die Beute. Als der Fiujt sich von seiner Ohnmacht erholte, war der synagogenhof leer; Alle waren entflohen und verbargen sich in ihren Häusern. Fürst Georg konnte sich anfangs nicht darauf besinnen, was mit ihm vorgegangen. Der Kopf schmerzte ihn; allmählich kehrte ihm das Gedacht- «iß zurück. „Rache, Rache!" rief er. Er trat vor den Synagogenhof, um sich in seine Kutsche zu setzen; doch auch diese war verschwunden. Zu Fuß mußte er sich in sein Schloß begeben. Allsogleich ließ er seine Diener sich bewaffnen, und an ihrer Spitze begab er sich in das Städtchen nach dem Hause des Rabbiners. „Wer hat nach mir geschlagen?" herrschte er den zitternden Rabbinen an. „ .»Ich weiß es nicht, gnädigster Herr!"" „Wo ist Eure Tochter?" „„Ich weiß es nicht, gnädigster Herr!"" „Wohin ist meine Equipage gekommen?" „„Ich weiß es nicht, gnädigster Herr!"" „Ha, ha, Ihr wißt ja gar nichts? Wie könnt Ihr Rabbiner sein, wenn Ihr nichts wißt? Nun, Ihr seid's die längste Zeit gewesen. Ich werde sehen, ob Ihr im Verließe meines Schlosses Euch nicht besinnen könnt. Heda, Ihr Leute, bindet den Mann, ihn, feine Frau und seine Kinder und werft sie in das unterste Gefängniß." Der Rabbiner, seine Frau und vier seiner Söhne wurden mit gebundenen Händen davon geführt; der älteste Sohn, Salomo, hatte sich beim Eintritte des Fürsten in das Haus seiner Eltern, davon geschlichen. Als der Rabbiner und die Seinen gefesselt durch die Straßen des Städtchens geführt wurden, erhob sich ein allgemeines Wehklagen. Viele warfen sich dem Fürsten zu Füßen und baten unter strömenden Thronen, um die Befreiung des geliebten Rabbinen und seiner Angehörigen. Der Fürst stieß die Bittenden mit den Füßen fort. „Aus dem Wege, Gesindel!" schrie er. „Schafft mir d.n Hund herbei, der nach mir geschlagen, und die Tochter dieses Mannes, so werde ich diese da in Freiheit setzen. Sonst sollen sie in meinen Gefängnissen vermodern!" Herzzerreißend war der Jammer der Unglücklichen. Rabbi Hirsch aber sprach mit lauter Stimme: „Weinet nicht, meine Lieben! Danken wir Gott für das Gute, wie für das. was uns schlimm erscheint. Bei ihm ist die Hilfe, Er wird uns nicht verlassen." (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schcn Hofbuchhandlung. I. Gottrleben'» Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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