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Der Israelit · 1877-02-28 · Heft 9 (28.2.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 9 (28.2.1877)
Date
1877-02-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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198 Türkei. Beyritt, 22. Jan. Trotz der großen militärischen Bewegung, die in unserer Stadt und unserem Hafen herrscht, indem fortwährend die aus dem Innern des Generalgouvernements Syrien eintreffenden Truppen hier nach Konstantinopel eingeschifft werden, hat man keinen unliebsamen Zwischenfall zu verzeichnen gehabt. Leider läßt sich nicht das Gleiche von Aleppo sagen. Nach den hiesigen Generalkonsulaten zugekowmenen Nachrichten aus Aleppo hat eS dort sehr aufgeregte Tage gegeben. Die Veranlassung bot der Umstand, daß Redifs ihr Papiergeld bei einem dortigen jüdischen Geldwechsler umwechseln wollten. Die Soldaten beanspruchten den Nennwerth ihres Papieres, während der Saraph sich nicht dazu verstehen wollte. Das Ende des Streites war eine Prügelei und flüchtete sich der unglückliche Jude in das Haus des österreichisch-ungarischen Generalconsuls Picciotto. Die wüthenden Redifs verfolgten den Juden in das Konsulatsgebäude, schlugen den Konsulats-Kavaß und mißhandelten schließlich Herrn Picciotto selbst. Das Konsulatscorps von Aleppo protestirte unverzüglich bei den Stadtbehörden und benachrichtete von dem Vorsalle die Vorgesetzten Generalkonsulate in Beyrut. Unmittelbar darauf reiste der hiesige österreichischungarische Generalconsul nach Damaskus, um von Jzzet Pascha, dem Corpscommandanten der in Damaskus und Aleppo stationirten Truppen, Genugthuung zu verlangen. Es ist kaum zweifelhaft, daß die Genugthuung in kürzester Zeit und in ausgiebigster Weise erfolgen werde. Aus Janina, Anfang Februar, wird der „Pol. Corr." geschrieben: Die Deputirtenwahl in unserer Provinz für das Konstantinopeler Parlament hat zu einem fast komischen Zwischenfall Veranlassung gegeben. Die Anzahl dervomVilajet von Janina zu entsendenden Deputirten ist auf 6 festgesetzt, von welchen 3 auf die Mohamedaner, die zweite Hälfte auf die andersgläubige Bevölkerung entfallen. Die Wahl, welche vom Administrationsrathe des Vilajets dieses Jahr vorgenommen wurde, fiel mit Majorität auf 3 Mohamcdaner und 3 Griechen. Einige jüdische Einwohner unserer Stadt, welche eine Judengemeinde von 5—6000 Seelen hat, erhielten einige Stimmen, blieben aber gegen die Griechen in der Minorität. In Folge dessen beklagte sich der Groß-Rabbiner beim General-Gouverneur Husni Pascha, daß kein Jude aus diesem Vilajet einen Parlamentssitz haben werde. HuSni Pascha meldet die Klage des Rabbiners nach Konstantinopel, von wo trotz der bereits vollzogenen Wahl der Befehl eintraf, daß Einer der drei nichtmohamedanischen Delegirten ein Jude sein müsse. Dem Befehle wurde unverzüglich Folge gegeben und der Jude Davitfchu Effendi wurde zum Deputirten proclamirt. Die Regierungsentscheidung, welche den Zweck hatte, alle religiösen Gemeinden des Vilajets zu befriedigen, führte zu einem Proteste des griechischen Metropoliten. Dieser Protest veranlaßte Husni Pascha neuerlich, in Konstantinopel Instructionen zu verlangen. Einstweilen bleibt die ganze Angelegenheit in der Schwebe, und man weiß nicht, wer endgültig der sechste Deputirte sein werde. Feuilleton. Per Königliche Resident. (Eine historische Erzählung.) XI. In Bialeh, einem kleinen Orte in Polen, der unter der Herrschaft des Fürsten Lubomirski stand, lebte damals ein berühmter Rabbiner. Rabbi Hirsch, dem man den ehrenden Beinamen „Charift, das ist „der Scharfsinnige" gegeben, war ein Sohn des Oberrabbinen von Lemberg, Rabbi Naphtali Herz, ein Nachkomme des weltberühmten Rabbi Moscheh Jsserlis, dessen Entscheidungen für das ganze deutschredende Israel maßgebend sind, und ein Schwager des später so berühmt gewordenen Rabbinen von Frankfurt am Main, des Verfassers des Werkes Pene Jehoschua. Rabbi Hirsch lebte an diesem Orte ungestört seinem Studium; sogar das Rabbinat nahm ihn nicht in Anspruch, da sein Schüler Rabbi Moscheh aus Brisk, der Bräutigam seiner einzigen Tochter Bella, alle rabbinischen Functionen für ihn versah, alle Anfragen für ihn entschied. Rabbi Moscheh, wie wohl noch sehr jung, war bereits ein großer Gelehrter, von dem man später sagte, daß er an Reichhaltigkeit und Fülle des talmudischen Wissens den alten Koryphäen (Rischonim) gleichkam. Rabbi Hirsch, von dem Jeder in Bialeh wußte, daß er zu den Ersten in Israel gehörte, der aber dabei eine unvergleichliche Bescheidenheit besaß, dienstfertig und zuvorkommend selbst gegen den Geringsten war, wurde von allen Mitgliedern seiner Gemeinde auf das Innigste geliebt. So lebte erj in der kleinen Stadt, ruhig und in Frieden, seinen tiefen Studien und seinen ernsten Forschungen. Er machte es sich namentlich

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