Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1877)
- Date
- 1877-02-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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197 r Ihnen eine Mittheilung machen, welche verdient, in Ihrem weitverbreiteten gesch. Blatte veröffentlicht zu werden und vielleicht dazu beiträgt, manchen strengreligiösen Glaubensgenossen zu animiren, sich zu besinnen, ob es ihm gestattet sei, an diesem oder auch anderem Platze der Schweiz so ohne Weiteres von den betr. nurrw zu essen. Vor circa einem Jahre wurde dem jetzt nur noch als ]in fungirenden am» die Schechitha aus religiösen Gründen abgenommen und einem Ausländer übertragen, welchem jedoch vor einiger Zeit gekündigt wu.de und der bereits ein anderweitiges Placement gefunden. Die Stelle wurde ausgeschrieben und sollen sich sehr viele Bewerber angemeldet hrben, aber was geschah? — die Gemeinde in Z. wählt als Brran wiederum denjenigen, welchen sie voriges Jahr abgesetzt und der??no N’Dmsa natp ist. daß er, nachdem er seine Func tionen in der Synagoge besorgt, seinen rat? jjy darin sucht, in seinem Geschäftslokale thätig zu sein. Sind das nicht traurige Zustände? Wie soeben vernommen, sollen sich aus Grund des hier Mitgetheilten bereits 28 Mitglieder der Gemeinde zusammengefunden haben, um für ihre Kosten einen diw von dem benachbarten Endingen nach Z. kommen zu lassen, von dessen Schechitah sie mit Beruhigung essen dürfen. H. H ' Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Dem dreiundzwanzigsten Bericht des allgemeinen österreichischen iLrael. Taubstummen- JnstituteS in Wien vom Jahre 1876 entnehmen wir: Im abgelaufenen Schuljahre 1875/76 zählte das Institut 71 männliche und 37 weibliche, also zusammen 108 Zöglinge, von denen 38 vollständig unentgeltliche Aufnahme und Verpflegung fanden. Erwägt man den Umstand, daß eine heuer grassirende Epidemie sich ihre zahlreichsten Opfer gerade aus den Reihen der Schuljugend holte, während in unserem Asyle, außer einigen sporadischen Ausnahmen, kein einziger erheblicher Krankheitsfall zu verzeichnen war, so wird man diese erfreuliche Wahrnehmung gewiß nicht unterschätzen und der Sorgfalt, so wie der Umsicht der Administration die Anerkennung nicht versagen dürfen. Ueber die pädagogischen und didaktischen Leistungen dieser Anstalt ist vor wenigen Wochen in offener Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses von der maßgebenden Persönlichkeit auf unterrichts-behördlichem Gebiete, von dem Cultus- und Unterrichtsminister, das schönste Lob in ebenso unumwundener, als für unseren Lehrkörper aufmunternder Weise verkündigt worden. Wie ergreifend die erfolgreiche Thätigkeit un-! serer Anstalt selbst auf Fremde und unbefangenere Gäste wirkte, bewies der Umstand, daß von einem nicht-iSraelitischen und nicht-österreichischen Gönner deS Institutes, einem edlen Menschenfreunde, der im Jahre 1873 das Institut besucht hatte, die namhafte und hochherzige Gabe von fl. 600 zugewendet wurde. Es ist dies Herr ThomaSCoats aus Baisley, in Schottland, der seiner vhilantropifchen Gesinnung solchen Ausd uck gegeben, und dem wir hiermit unseren wärmsten Dank dafür aussprechen. Um das Angedenken ihres Vaters dem Institute zu erhalten, haben die Kinder des selige» Herrn Kanitz fl. 6000 in Siebenbürg. Grundentlastungs-Obligationen zur Gründung eines Zöglings-Freiplatzes dem Institute gewidmet. Wien. Die erste österr. Sparkasse hat auch heuer, wie alljährlich eine Summe von 39,000 Gulden zu Wohlthätigkeitszwecken gesvendet. Darunter wurde das isr. Taubstummen-Jnstitut mit 500 und der isr. Frauenverein mit 200 Gulden bedacht. In Eiwanowitz (Mähren) starb dieser Tage Frau Pauline Spitz in einem Alter von 104 Jahren. Dieselbe war nie krank und hat nie Arzneimittel zu sich genommen. Sie hinterließ 7 Kinder, von denen das älteste 80 Jahre zahlt, 17 Enkel und 19 Urenkel; von letzteren ist einer verheirathet. Frau Spitz ging wie gewöhnlich um Abend zu Bette und ist für immer sanft entschlafen. (Wiener JSr.) Toikay, im Adar. Unter den zahlreiche» Vereinen der hiesigen Jeschiba nimmt die '-on einen hervorragenden Platz ein. Nach den Statuten derselben werden die einzelnen Tractate an die zahlreichen Mitglieder vertheilt, damit im Laufe eines Jahres ganz Duaf durchgelernt werde. Aus einer 'pddd wird allabendli«? von je einem Mitglieds vorgetragen. Jeden Adar wird ü’jdd D"r, bei welcher Gelegenheit auch ein Festessen stattfindet, welches auch Heuer gefeiert wurde. Bei der diesjährigen Feier wurden bei Tische mehrere inhaltsreiche, mit Beifall begleitete Reden von den Mitgliedern der Jeschiba vorgetragen. Den Reigen eroffnete unser hochverehrter Rabbiner, Herr Dav. Schück; er hielt eine mit fester Stimme vorgetragene, von tiefer Gelehrsamseit und echt jüdischem Geiste durchdrungene nzm, welche wie gewöhnlich den ungetheiltesten Beifall errang. Mit warmen Worten begeisterte er seine Schüler zum fleißigen Talmudstudium; aber nicht nur n rav), sondern auch nnry^ mozo. Diese Rede bildete selbstverständlich den herrlichsten Glanzpunkt des Festes. Nathaniel Landesmanu.