Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1877)
- Date
- 1877-02-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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195 in meinem ersten Drama Deborah, so versuche ich auch hier, das Judenthum in seiner GemüthStiefe zu erfassen und zu schildern. Daß mein erster bescheidener Versuch schon Ihre Aufmerksamkeit und freundliche Theilnahme erregt hat, gereicht mir zur wahren Befriedigung. „Genehmigen Sie den Ausdruck meiner aufrichtigsten Hochachtung, mit der ich zeichne „Wien, 17. Jan. 1876. Ew. Wohlgeboren ergebenster vr. von Mo senthal, Kaiserl. König!. Regierungsrath." Wie man aus dem vorstehenden Schreiben ersieht. hatte der Dichter die Absicht, in seiner „Deborah" das Judenthum in seiner Gemüths» tiefe zu erfassen, was ihm auch in gewisser Beziehung gelungen ist. Nichtsdestoweniger gereicht das Schauspiel dem Judenthume nicht gerade zur Verherrlichung. In den Skizzen, über die er so bescheiden urtheilt, hat er das Judenthum viel tiefer erfaßt, und, manches Ungehörige abgerechnet, Schöneres und Besseres geleistet. Der Dichter stammte aus Cassel, der Hauptstadt des ehemaligen Kursürftenthums Hessen. Im Jahre 1850 trat er in den österreichischen Staatsdienst ein, wurde geadelt und mit Orden und Ehren überhäuft. In seinem Testamente vermachte er 500 fl. an das Taubstummen-Jnstitut in Wien und 5l0 fl" für arme Wöchnerinnen zum Andenken an seine vor ihm verstorbene Frau, Lina von Mosenthal. M. hinterließ keine Kinder; seine geistigen Produktionen werden noch lange unvergessen bleiben. Mainz, 23. Febr. Wir erhalten über die Controverse zwischen Herrn Rabbiner vr. Feuchtwang und Herrn Radbinatsassessor M. L. Kohn in Nicolsburg von den verschiedensten Seiten ausführliche Besprechungen, deren Resultate theilweise für das Verfahren des Herrn Rabbiner vr. Feuchtwang günstig sind und theilweise gegen dasselbe Gründe anführen. Die Literatur über die vorliegende Frage ist eine überaus reiche und in den nawro nftfiw der bedeutendsten Lehrer unsres Volkes nach allen Seiten hin besprochene und erörterte. Der Kundige kann sich in Q’pDisi duv leichtlich darüber orientiren; für den Unkundigen bleiben die Verhandlungen, selbst in deutscher Sprache geführt, unverständlich. Wir sehen uns daher in die Nothwendigkeit versetzt, sämmtliche in Bezug auf die vorliegende Frage uns zugekommene Artikel zurückzuweisen; wir bedauern diese Nothwendigkeit um so mehr, da — auf beiden Seiten — es gerade gelehrte und bewährte Freunde unseres Blattes sind, welche uns mit ihren geschätzten Meinungsäußerungen beehrt haben. Wir hatten erst die Absicht gehabt, die verschiedenen Aufsätze in der „Wissenschaftlichen Beilage" zum Ausdrucke zu bringen; aber auch das ist nicht möglich, da derartige, zu weit führende Abhandlungen den uns zu Gebote stehenden Raum weitaus überschreiten würden. Aus der Bayerischen Pfalz. Unsere Zeit ist reich genug an Widersprüchen aller Art und besonders auf dem Gebiete des religiösen Lebens treten heute die wunderlichsten Erscheinungen zu Tage. Folgende leider nur zu traurige Thatsache dürfte dem Leserkreise des „Israelit" zur besondern Kenntnißnahmemitgetheilt werden. In unserer Provinz wird neo j" noch dazu riss o"' von Leuten angeboten, bei denen von strengreligiöser Lebensweise keine Spur vorhanden, die sich vielmehr über die wichtigsten und heiligsten jüdischen Gebote gleichgiliig hinwegsetzen. Daß derartige Personen vom orthodoxen Standpunkt aus betrachtet, kein Vertrauen in religiösen Dingen beanspruchen können und dürfen, liegt auf der Hand. So ist es in unserer Provinz leider vorgekommen, daß ein Weinhandler. der auch "uto i" verkauft,, sich mit der Wittwe seines Bruders verheirathet hat, wiewohl der Bruder Kinder hinterlassen — ein fortlaufender rro a*-’n. Darum Vorsicht! Wer echten ^rc'v Wein verlangt, der überzeuge sich erst und lasse sich einen "heoh ©rief von einem bewährten Rabbiner vorzeigen. Laitpheittt. Der hiesige Rabbinatsstuhl, welcher schon 3/* Jahre lang, seit dem Tode unseres sel. Rabbinen A. Wälder, verwaist steht, ist nunmehr definitiv durch Herrn L. Kahn von Baisingen, bisherigen Rabbinatsverweser, besetzt. Zwei Monate sind's ungefähr, daß die isr. Oberkirchenbehörde das hiesige Nabbinat zur Bewerbung ausgeschrieben, doch außer Herrn Kahn, der sich in der kurzen Zeit seines Hierseins die Achtung und Liebe aller Gemeindegenossen erworben, hatte sich blos der sattsam bekannte Rabbiner Stern von Buttenhausen gemeldet. Auf dieses hin wurde ein Bittgesuch, unterzeichnet von allen Mitgliedern der Gemeinde, an das isr. Kirchenvorsteheramt eingereicht, daß es bei der höchsten Behörde die geeigneten Schritte thun möge, damit Herr Kahn uns belassen bleibe. Unser Wunsch fand nach allen Seiten hin Berücksichtigung und vor 14 Tagen brachte der Staats-