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Der Israelit · 1877-02-28 · Heft 9 (28.2.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 9 (28.2.1877)
Date
1877-02-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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194 bis es sich die Hände gewaschen und den Mund ausgespült hat." Jetzt wird uns der Zusammenhang in den Worten der heiligen Schrift klar werden. Das Verbot, um das es sich hier handelt, erhält erst durch die mündliche Lehre, durch die Traditio», seine Bedeutung. Dreimal ist es erwähnt; das erste Mal soll uns durch dasselbe verboten werden, Fleisch und Milch mitsammen zu kochen; daß hier nicht nur vom Ziegenböcklein und der Milch seiner Mutter die Rede ist, sondern überhaupt von Fleisch und Milch, lehrt uns die Tradition. Die Wiederholung des Verbots lehrt vns, daß wir Fleisch- und Milch-Speisen, die mitsammen gekocht sind, nicht essen dürfen, und durch die dritte Wiederholung erfahren wir, daß wir von den eben näher bezeichneten Speisen keinen Genuß durch Verkaufen, Verschenken. Viehfütrern rc. haben dürfen. Dazu kommen noch die Einrichtungen der Weisen, die uns verbieten, Fleisch- und Milch-Speisen in nähere Berührung miteinander zu bringen, und uns gebieten, zwischen dem Genüsse beider zu warten, die Hände zu waschen, den Mund auszuspülen, nicht dasselbe Geschirr zu dem einen wie dem andern zu benützen und all' die andern, ja allgemein bekannten Vorschriften. Schon die kleinen Kinder müssen darauf aufmerksam gemacht und derart daran gewöhnt werden, daß es ihnen unmöglich scheint, das Butterbrod aus der Hand zu legen und ohne die Hände gewaschen zu haben, Fleisch-Speisen zu essen. Diese Einwurzelung der jüdischen Religionsgesetze in die jüdischen Herzen verdanken wir der mündlichen Lehre; dadurch wird der Abfall und die Abirrung verhütet. Israel, das vierzig Tage nach der Offenbarung am Sinai die Grundlehren der Thora verleugnen konnte. wird seinem Gotte noch nach Jahrtausenden treu bleiben in Folge der Tradition und der durch sie in der Familie tief wurzelnden religiösen Gepflogenheiten. „Du sollst nicht kochen das Böcklein in der Milch seiner Mutter." Dreimal wird das Verbot mit denselben Worten wiederholt; das fordert zum Nachdenken auf; das weist auf die Nothwendigkeit einer traditio ellen Erklärung hin. „Go schreibe denn," spricht Gott zu Moscheh, „diese Worte nieder, denn auf die mündliche Erklärung dieser Worte hin, habe ich einen Bund geschlossen mit Dir und Israel." Qdw "Ni 2N22V min 11 not* min u!? jru ->tcw .ns tya» min n w»5iro yuj Die ewige Dauer Israels ist durch die mündliche Lehre bedingt, deren Aufklärungen und Bestimmungen die nox min, die Lehre der Wahrheit heimisch machen in unsern Häusern, in unfern Familien. Daher hat jeder jüdische Vater, daher hat jede jüdische Mutter die heilige Pflicht, die nimmer rastende Sorge zu tragen, daß das jüdische Religionsgesetz mit allen seinen Verästungen und Verzweigungen heimisch sei und bleibe im Schooße der Familie, in den Herzen der Kinder. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Dentschland. Mainz, 18. Febr. Der in den weitesten Kreisen rühmlichst bekannte Dichter, der Kaiserliche Rath Salomon Hermann von Mosenthal, ist gestern im Alter von 56 Jahren in Wien gestorben. Berühmt wurde Mosenthal durch sein bekanntes Schauspiel „Deborah". Seine andern Productionen waren nicht bedeutend: Operntexte, Rührstücke und dergleichen mehr. In allerjüngster Zeit hat Mosenthal einige Skizzen aus dem jüd. Familienleben in der „Gartenlaube" und in „lieber Land und Meer" veröffentlicht, welche sich des allgemeinen Beifalls erfreuten. Die erste dieser Skizzen brachte uns mit dem verewigten Dichter in Berührung. Gleich nach dem Erscheinen derselben baten wir ihn telegraphisch um die Erlaubniß, dieselbe im „Israelit" wiedergeben zu dürfen. Der Dichter antwortete per Telegramm, daß diese Erlaubniß nur mit Zustimmung des Verlegers der „Gartenlaube", Herrn Ernst Keil in Leipzig, ertheilt werden könnte. Aus unsere telegraphische Anfrage bei diesem, erhielten wir eine ablehnende Antwort. Der liebenswürdige Dichter aber hielt es für nothwendig, sich deßhalb bei uns zu entschuldigen. Sein in vielen Beziehungen beachtenswerthes Briefchen wollen wir rm Nachstehenden wiedergeben; dasselbe lautet: „Herrn Or. Lehmann, Redacteur des „Israelit" in Mainz. "Hochgeehrter Herr! „Ihre freundliche Aufforderung hat mich geehrt und herzlich erfreut. Ich habe mich sofort an Keil gewandt, jedoch von ihm erfahren, daß er telegraphisch bereits erklärt habe, er bestehe auf seinen Schein. Sie wissen, daß dem Autor dem Verleger gegenüber die Hände gebunden sind und werden mich für das nothgedrungene Refus nicht verantwortlich machen. „Ich lasse dem kleinen Genrebildchen uoch 2 oder 3 größere derselben Gattung folgen. Wie

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