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Der Israelit · 1877-02-21 · Heft 8 (21.2.1877) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 8 (21.2.1877)
Date
1877-02-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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17« Simon war im Jrrthum; der Mann, von dem er wähnte, daß auch er der Prüfung erlegen, hatte eine ungleich größere zu bestehen und erlag dennoch nicht. Mit zitternden Händen hüllte er das Kind auf seinem Arm fester ein, um eS vor der rauhen Nachtluft zu schützen; neigte sich zu der weinenden Frau und wiederholte nocheinmal die Bitte, die er schon seit drei Tagen unablässig und stets vergebens an sie gerichtet. „Dina", flehte er, „S'ist noch nicht zu spät. Komm, sei mein starkes muthiges Weib, nimm das Kind in Deine Arme und laß' mich unsern Gabriel in warme Decken hüllen; ich steh' Dir gut dafür, es wird keine Luft zu ihm dringen, und ich trag' ihn sicher über die Grenze." „„Nein,"" schrie sie, „„nein, ich laß' ihn nicht hinaus und ich geh' selber nicht; willst Du Dein eigen Kind morden? — hastj Du's denn vergessen"", fuhr sie noch heftiger schluchzend fort, „daß alle gesagt haben, unser Jakob, Gott habe ihn selig, wär' nur gestorben, weil die SchabbeSfrau, als er so krank war, die Thür offen gelassen hat? — Und Gabriel hat dieselbe böse Krankheit und ich sollt' ihn hinauslassen!"" „Gott kann ihn schützen, Dina, Gott wird ihn schützen; laß nur uns unsere Pflicht thun. Denk' doch den entsetzlichen Frevel." Dina richtete sich auf, ihre Thränen waren versiegt. „Die erste Pflicht einer jeden Mutter ist, ihr Kind zu schützen. Quäl' mich nicht länger, David, 's ist umsonst." Er sah es ein, und wollte er nicht auch sich und seinem jüngsten Kinde den Weg zur Rettung abschneiden, so durfte er keine Zeit mehr verlieren; hatte er doch - in der Hoffnung, es werde ihm schließlich doch noch gelingen, seine Gattin zu bewegen, mit ihm und den Kindern zu flüchten, bereits allzulange gezögert. Nochmals wiederholte er im Fluge das bereits getroffene Uebereinkommen, nach dem er im nächsten Städtchen jenseits der Grenze verweilen wolle, bis Gabriel genesen und Dina dann mit ihm hinüberkommen wolle. Nochmals preßte er die Gattin an das wild klopfende Herz— nochmals umschlang sie in namenlosem Schmerz Mann und Kind — dann riß er sich los, stürzte hinaus mit dem zarten Kind in die dunkle stürmische Winternacht. — „Mutter! Mutter!" schrie das Kind und streckte die Aermchen nach der Zurückbleibenden aus — doch Der Vater schaute sich nicht mehr um, unaufhaltsam eilte er fort. — Gebrochen, dem Umsinken nahe, schloß Dina mit der größten Anstrengung die schwere Hausthür; dann begab sie sich wankenden Schrittes zurück ins Krankenzimmer. Ein ungefähr dreizehnjähriger Knabe lag hier im heftigsten Fieber, dunkle Rothe bedeckte sein Antlitz und den ganzen Körper. Als die Mutter ins Zimmer trat, setzte er sich im Bette auf und wandte sich zu ihr, schien sie jedoch nicht zu erkennen. „Jakob!" rief er, „wo bist Du denn so lang gewesen? willst mich jetzt holen, ich komm' schon, ich komm'," und damit wollte er sich vollends aufrichten. Dina eilte herzu und hielt ihn zurück. „Nicht so, Gabriel, mein Kind, nicht so — ich bin's ja, Deine Mutter —" „Mutter", wiederholte er mit irren Blicken um sich schauend. „Mutter — welche Mutter? die von den sieben Söhnen?" Dina flößte ihm einen kühlenden Trank ein und that alles Mögliche, ihn zu beruhigen; doch das Fieber ward immer heftiger, die Phantasien immer wilder. Die Mutter erkannte er durchaus nicht, bald nannte er sie den bösen Feind, den Versucher und schlug nach ihr, bald wähnte er sich in der Schule, plauderte munter mit den Kameraden und dann recitirte er einzelne Gebete der Stellen aus dem Pentateuch. Dina glaubte vergehen zu müssen in unsagbarer Qual. — Plötzlich setzte er sich auf und sprach, jedes Wort betonend. „Und Du sollst lieben den Ewigen Deinen Gott mit Deinem ganzen Herzen, mit Deiner ganzen Seele und mit Deinem ganzen Vermögen." „Ich thu's ja", murmelte Dina, „ich thu'S ja — Alles geb' ich hin — alles — nur mein Kind nicht — mein Kind! —" Der Kranke stieß ein unheimlich heiseres Lachen aus, lag einige Minuten still und begann dann von neuem und noch lauter: „Da war es, nach diesen Begebenheiten, hat Gott Abraham geprüft und sprach zu ihm: Abraham! und er sprach: Hier bin ich. Da sprach er: Nimm doch Deinen Sohn, Deinen einzigen, den Du liebst, den Jizchak, und gehe Dir zum Berge Morija, und bringe ihn dort zumQpfer auf einem der Berge, den ich Dir zeigen werde." Dina schrie laut auf, schlug die Hände vor's Gesicht und stürzte zu Boden; der Kranke aber fuhr fort: „Da erhob sich Abraham früh am Morgen und sattelte seinen Esel und nahm seine beiden Leute mit sich, und Jizchak, seinen Sohn. Darauf spaltete er Opferholz, machte sich auf und ging zu dem Orte, welchen Gott ihm gesagt." „„Erbarmen!"" stöhnte Dina, „„großerGott, Erbarmen! — ich bin ja nur ein schwaches Weib!" " „Sch'ma Jisrael!" rief Gabriel „höre Jisrael

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