Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1877)
- Date
- 1877-02-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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173 dene Gutmüthigkeit desselben ist zu RischuS nicht augelegt. Nur als die Kirche noch mit allmächtigem Einflüsse die Gemüther beherrschte, im Mittelalter, war hier RischuS möglich, welche sich in Juden-Austreibungen vielfach kundgab. Dem humanen Charakterzuge. der sich in allen Schichten des Thüringer Volkes in liebenswürdiger Weise bemerklich macht, kam und kommt, so weit er uns zu Gute gereicht, hierbei fördernd zu Hilfe, daß die Israeliten des Großherzogthums Weimar sich bis jetzt in ihrer übergroßen Mehrheit so ziemlich der Art von Geldgeschäften enthalten haben, welche früher vom Gesetze verpönt, in neuerer Zeit aber leider frei gegeben wurden und stets eine wahre Rischusquelle gewesen sind. Der gesellschaftliche Verkehr zwischen den verschiedenen Glaubensgenossen ist daher auch in Eisenach, wie im ganzen Lande, ein echt herzlicher und angenehmer, so daß der Israelit als solcher sich über irgendwelche Zurücksetzung nicht zu beklagen hat und das Wort „Jude" im feindlichen Sinne nur selten gehört wird. Erst als vor einiger Zeit von Israeliten einige Geschäfte der oben bezeichneten Art hier und in der Umgegend gemacht wurden, machte sich dieses auch alsbald in der öffentlichen Stimmung bemerklich, wenn auch nicht in allzuherber Weise. Es zeigte sich das recht deutlich wie sehr erschütterungsfähig die Stellung der Juden ist und wie sehr dieselben auf ihren Wandel zu achten haben. Jeder Jsraelite sollte doch stets bedenken. daß im geschäftlichen Verkehre Etwas juristisch gestattet, religiös und moralisch hingegen doch sehr verwerflich sein kann, sowie daß jede von einem Israeliten geübte unechte und unliebsame Handlung ihren Schatten auf Alle wirft, Tausenden von Unschuldigen ihre Stellung erschwert und das Leben derselben mit Bitterkeit erfüllt. Die Drusch-Uebersetzung vonJesaiah 49, i7 ws' *]DD -pnnoi TD-ino „Deine Zerstörer und Deine Verwüster stammen von Dir selbst", hat sich leider schon oft bestätigt und bestätigt sich täglich noch. Wir haben leider! gegen solcher Ausschreitungen Schuldige keine andere Waffe, als — Verachtung! Diese Leute wiegen sich in einer Sicherheit, die trügerisch ist. Wir kennen ein Städtchen in der Provinz Hessen, in welchem selbst in dem, gerade in dieser Provinz an „Judenkrawallen" so reichen Jahre 1848 keine Spur von Rischus vorkam, während jetzt in diesem Städtchen mehrere dergleichen Geschäfte betreibende Israeliten sich am hellen Tage nicht ohne Gefahr auf der Straße sehen lassen dürfen und in der Nähe am hellen Tage ein Israelit auf seinem Felde von einem OrtSnachbar erschlagen worden ist. Fenftereinwerfen in den Judenhäusern gehört jetzt dort zur Tages- oder vielmehr zur Nachtordnung. Wir haben in dem Verlause unserer zweitausendjährigen Leidensgeschichte solche Umwandlung in der Volksstimmung und in Folge dessen auch in der Gesetzgebung schon oft erfahren. Die Weltgeschichte liebt es, sich zuweilen zu copiren. Wenn während unseres früheren Volksbestandes solche Abweichungen vom Wege des Rechtes und der Billigkeit überhand nahmen, dann sandte Gort Seine Propheten, und diese erhoben ungescheut ihre Donnerstimmen dagegen. Die jüd. Kanzel, die jüd. Schule und die jüd. Journalistik müssen jetzt mit dem ganzen Aufgebote ihres sittlichen Ernstes und ihres religiösen Eifers die Grundsätze unserer heil. Religion zur Geltung zu bringen suchen Wenn irgendwo, so ist hier das jnaa «np an seinem Platze. Rur keine Bemäntelung! Nur keine Selbstvergötterung! Es dient zu nichts, es diesen Leuten ffnto in's Ohr zu flüstern; denn diese Sorte Menschen zeigen, so oft von diesem Gegenstände die Rede ist, sich auffalllend schwerhörig. Derlei Geschäfte sind um so verwerflicher, weil bei diesen' auch zugleich opd eine der schwersten Sünden. verübt wird. Uebrigens soll hiermit nicht gesagt sein, daß nicht überall auch Nichtjuden diese Art Geschäfte betreiben; aber bei einer Bevölkerungsmajoritat wird nie das Vergehen der Einzelnen der Gesammtheit zugeschriebeu! Doch kehren wir zu dem eigentlichen Gegenstände unserer Berichterstattung zurück! Die isr. Lehrer des Großherzogthums sinb den christlichen vollständig gleichgestellt und erhalten Gehaltszuschüffe und Pension gleich diesen aus der Staatskasse, so wie auch die Hälfte des Gehaltes des Landrabbiners — 120J Mark — aus der Staatskasse gezahlt wird. Die Errichtung von Simultanschulen ist dem Belieben der Gemeinden anheimgestellt. In Stadtlengsfeld sind die Schulen schon seit vielen Jahren Simultanschulen, ebenso in Gehaus, so wie auch der isr. Lehrer in Eisenach schon seit 14 Jaoren an der Bürgerschule unterrichtet. Die humane Gesinnung, welche die obern Staatsbehörden bekunden, findet sich auch in gleicher Weise in allen die Israeliten berührenden Amtsbeschlüssen des Stadtvorstandes in Eisenach ausgedrückt. Als vor mehreren Jahren von Seiten der Stadt ein neuer Friedhof angelegt wurde, überwies dieselbe alsbald der israel. Gemeinde unentgeltlich einen abgegrenzten Theil desselben. Vor einigen Jahren schon vermochte das Schullokal der hies. israel. Religionsschule die anwachsende Schülerzahl nicht mehr zu fassen, auf gestelltes Ansuchen wurde für die Stunden des israel. Religionsunterrichtes vom Stadtrathe bereitwilligst