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Der Israelit · 1877-02-14 · Heft 7 (14.2.1877) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 7 (14.2.1877)
Date
1877-02-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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„Fürcht' Dich nicht, liebes Herz, auch den Wind schickt der liebe Gott. Aber Du warst vorhin so schläfrig, daß Du das Nachtgebet vergessen hast. Sag' es jetzt, da wirst Da besser schlafen." Gehorsam richtete die Kleine im Bette sich auf und sprach in flüsterndem Tone das Sch'ma. „Und nun noch einen Kuß, Leah." Sie reichte das Purpur-Mündchen der Schwester zum Kusse, die die Kleine innig an sich drückte, dann legte sie sie sorgsam wieder in die Kissen, breitete die wärmende Decke über sie und bald verriethen die leisen regelmäßigen Athemzüge des Kindes, daß es wieder schlummerte. Leah schlich zurück zum Bette des Vaters, dessen Athem oft röchelnd, dessen Schlummer immer unruhiger ward, doch er erwachte nicht. Sie ließ sich am Bette nieder und ergriff ein Gebetbuch, in namenloser Angst sprachen ihre Lippen ein Gebet. Da knarrte die Hausthür in den Angeln; Leah rührte sich nicht, sie wähnte, ein Windstoß habe sie aufgerissen; doch auch die Zimmerthür ging auf, ein junger Mann trat herein. „Simon!" flüsterte Leah und eilte ihm entgegen. Innig drückte er die ihm dargereichte Hand. „Leab, meine liebe, liebe Leah —" Der Kranke regte sich. „Wie geht es dem Vater?" fragte Simon. Ein schwerer Seufzer hob die Brust des jungen Mädchens. „Nicht gut", erwiederte sie. „ach, gar nicht gut. Der Äthem geht so kurz und so schwer — ach ich fürchte —" Simon wollte sie trösten, doch sie wehrte ihm. „Laß, laß, in diesen Tagen — weiß ich doch selber kaum, was ich wünschen soll. Ach," fuhr sie fort, „deute war's entsetzlich, keine Minute ist der Vater ohne schmerzen gewesen und dadei-sind immerfort Freunde gekommen, um uns noch einmal zu sehen. Und den ganzen Tag Hab' ich auf Dich gewartet, Simon, und Hab' schon gefürchtet, daß Du so fort bist." „„Das hast Du von mir glauben können, Leah?"" er sah ihr liebevoll in das zu ihm erhobene Auge. „Nein, o nein, geglaubt Hab' ick'cnicht. Aber Alle sind längst fort und nur Du allein hast Dich nicht sehen lassen. Warum hast Tu so lang gewartet, Simon? nun mußt Du ganz allein hinaus in dieser fürchterlichen Nacht. O Gott! wenn Du nur glücklich über's Wasser kommst Und es ist schon so spät! — Geh', Simon, geh' und Gott sei mit Dir." Mit sanfter Gewalt wollte sie ihn zur Thüre drängen, doch er ging nicht. „Leah, ich versteh' Dich nicht, glaubst Du im Ernst, ich könnt' fort ohne Dich?" Voll Entsetzen mit weit aufgerissenen Augen starrte sie ihn an. „Großer Gott, Du meinst, auch ich dürft' nicht bleiben!" sie rang verzweiflungsvoll die Hände, „aber ich kann nicht fort vom Vater, ich kann's nicht! ich darf's nicht!" „„Aber auch ich kann nicht fort von Dir, Leah, ich kann's nicht." „Du mußt, Simon, Du mußt!" „„Unmöglich, Leah. Fort von Dir in diesen schrecklichen Tagen, Dich allein lassen, allein mit dem kranken Vater — unmöglich, Leah, ich kann's nicht!"" Das bleiche Antlitz des jungen Mädchens war noch bleicher geworden, angstvoll wandte sich ihr Auge bald zum kranken Vater, bald zu dem jungen Manne, dessen Blick mit verzehrender Leidenschaftlichkeit auf ihr ruhte. „Simon," sprach sie endlich mit bebender Stimme, „Du hast mir noch nie gesagt, daß Du mich gern hast, aber in diesen schweren Stunden will ich's sagen. Ich weiß. Du hast mich gern, ich habe Dich auch gern, und ich schwöre Dir bei dem ewigen Heil meiner gottseligen Mutter, daß ich nie einem andern Mann gehören werd' als Dir. Aber nun geh', Simon, eil' Dich, daß Du noch vor Mitternacht über die Grenze kommst. Ich muß bleiben — ich muß das Entsetzliche über mich ergehen lassen. Gott wird mir's verzeihn, ich kann nicht fort vom Vater. — Aber ich glaub' —" die Sprache versagte ihr und nur mit äußerster Anstrengung fuhr sie noch leiser fort: „ich glaub', er wird bald fort von mir — und dann Simon — dann — wenn ich dem Vater den letzten Liebesdienst erwiesen — dannkommich zu Dir — wo Du auch sein wirst." „„Leah. liebes herziges Mädchen, wie soll ich Dir danken? jetzt bist Du meine Braut, aber jetzt werd' ich doch erst recht nicht fort von Dir."" „Simon, um Gott, bedenk', — was willst Du thun?" „„Was Du wirst überleben, davon werd' ich wohl auch nicht sterben."" Svrachlos starrte sie ihn an. jetzt erst verstand sie ihn. „Unmöglich, Simon!" stammelte sie, „wozu mich nur die entsetzliche Noth zwingen kann — das willst Du so — ohne Noth?" „„Für Dich. Leab, thu ich Alles." „Nein Simon, nein!" rief sie heftig, „für mich thu das nicht; denn so gewiß ich hoffe", daß

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