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Der Israelit · 1877-02-14 · Heft 7 (14.2.1877) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 7 (14.2.1877)
Date
1877-02-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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156 ich mit meinem ganzen kommenden Leben die schwere Schuld wieder gut machen werd', so gewiß werd' ich nie den Mann nehmen, der das — das ohne Noth thun könnt'. Geh' Simon, geh, ich beschwöre Dich! Mir könntest Du hier ja doch nichts nützen. Ich werde thun, was ich thun muß, und dann — dann wird ja kein Mensch mir mehr etwas zu Leide thun. — Hier werd' ich b'eiben auf meinem Platz, so lang' es Gott gefällt, und dann — dann kommen wir, ich und meine Schwester, als hilflose Waisen zu Dir in's fremde Land." „Um mit mir zusammen zu verhungern", entgegnete bitter der junge Mann. „„Nein, Leah, nein, Du weißt nicht, was Du willst. Meinst Du, ich möcht' Dich heirathen, um Dich hungern zu lassen? und Du weißt's doch, daß wir nur fort können, wenn wir Alles, was wir haben, hier lassen; nur das nackre Leben könnten wir retten."" Ein heftiges Zittern überfiel das junge Mädchen, aber sie richtete sich auf zu ihrer vollen Höhe; drohend schcutte ihr düster glühendes Auge auf den Mann, dem sie noch vor wenigen Minuten ihre Neigung bekannt. „Also das ist's!" stieß sie endlich hervor, „das ist's, — jetzt zeigst Du's endlich, wie Du bist. Aus Liebe zu mir, sagst Du, willst Du nicht fort und s'ist doch nur aus Liebe zu Deinem Hab und Gut. Geh' geh! ich verachte Dich!" „„Leah! um Gott!"" „Schweig'!" rief sie, „schweig der Name Gottes ist Lästerung, wenn Du ihn nennst." „„Leah, Du verkennst mich —"" „Nur bis heut' Hab' ich Dich verkannt, aber in dieser Stund Hab' ich Dein wahres Gesicht geschaut nnd ich schäme mich —" Ein heftiger Hufienanfall des Kranken unterbrach sie; sie eilte zum Bette, den Vater zu unterstützen; auch Simon trat hinzu. „Laß mich, Leah", bat n, „ich bin stärker als Du, der Vater hat mehr Stütze an mir als an Dir." Sie erwiederte nichts und vermied auch, seinen Blicken zu begegnen, aber der Kranke selbst lehnte sich auf den jungen Mann, und als der Husten endlich nachließ, reichte er ihm dankend die abgezehrte Hand. „Dank Dir, Simon," sprach er leise und mit großer Anstrengung, „Du mühst Dich um mich, als wärst Du mein Sohn." Sein Auge suchte bei diesen Worten das der Tochter, aber diese hatle das Gesicht abgewandt. „Arme Leah," fuhr er mühsam fort, „ich mach Dir so viel Last und Müh' — und doch — ich weiß, Du möcht'st noch gern recht lang für mich sorgen — aber es wird nicht lang' mehr sein, nein, gar nicht mehr lang." Leah neigte sich über seine Hand und bedeckte sie mit ihren Thränen und Küssen, liebkosend glitt seine Hand über ihre bleichen Wangen. „Wein' nicht, Leah mein Kind — wein' nicht. Gott wird Dich schützen — aber bevor ich von Dir geh', wär'S mir doch eine Beruhigung, wenn ich Dich nicht so ganz allein müßt, allein mit Deiner kleinen Schwester " „„Red' nicht so, mein Vater"", flehte Leah; „„hundert und zwanzig Jahr sollst Du leben!" ..Möcht' ich's nicht, Kindlieb? — aber ich furcht', meine Zeit ist um. „Simon", wandte er sich an diesen, „Du hast mir oftmals gesagt, daß Du meine Leah zum Weibe möcht'st, Und ich weiß, sie ist Dir auch nicht gram — so nimm sie denn und werd' ihr ein braver Mann." Simon's Antlitz strahlte vor Wonne, und in warmen tief empfundenen Worten sprach er seinen Dank aus und gelobte alles was der Vater nur wünschen könnte. Dieser nahm die Hand feiner Tochter und leate sie in die des Mannes, den er ihr bestimmt. Leah wagte nicht zu widerstreben, doch als Simon ihre Hand innig in der leinen drückte, da ballte sie sie krampfhaft zusammen, er konnte es nicht mißverstehen, gab sich jedoch den Anschein, als habe er nichts bemerkt. Die vorgerückte Abendstunde nöthigte ihn indesien, sich zu entfernen; Leah geleitete ihn aus dem Zimmer. „Du hast mich doch verstanden, Simon," sprach sie draußen, „Du weißt, daß ich Dich nimmer nehm', denn ich hasse, ich verachte den MaNn, der sein Heiligstes verkauft, und nur wegen meines armen Vaters Hab' ich Dir meine Hand nicht gleich weggerissen — aber Dein Weib werd' ich nie." „„Du bist aufgeregt Leah"", erwiederte er milde, „ „und so weh mir Deine Worte thun, so kann ich Dir doch nicht bös sein, denn ich weiß, wenn Du ruhig darüber denkest, wirft Du sie zurücknehmen.""' „Nie! nie!" „„Ich denk' doch. — Und was ich noch Hab' sagen wollen, Leah; morgen Vormittag um elf müssen alle Juden in der St. Michaelskirche sein, aber Du kannst doch nicht Weggehen vom kranken Vater; ich Hab' das einem Priester, den ich gut kenn', vorgestellt; sieh'ft, wie ich für Dich sorg'; und er hat mir versprochen, hierher zu kommen, um Dich zu taufen. Halt' Dich bereit, um zehn Uhr werd' ich mit ihm kommen."" Sie schlug die Hände vor's Gesicht und ein lautes Stöhnen entrang sich ihrer Brust. „Gute Nacht, Leah!" rief Simon und trat aus dem Haufe. (Fortsetzung folgt.)

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