Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1877)
- Date
- 1877-02-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVIII. Jahrgang. Erste Seilagc zu Ar. 7 des Israelit. Zeitungsnachrichten Sf Correfpondenze«. Deutschland. Offenbach, 2. Febr. Es dürfte vielleicht nicht uninteressant sein, über die Größe der hier bestehenden verschiedenen Religionsgemeinschaften Näheres zu erfahren, und theiien wir deshalb mit, daß bei der letzten Volkszählung am 1. Dezember 1875 die hiesige Stadt 26012 Einwohner und zwar 16417 Evangelische, 7160 Katholiken, 1027 Israeliten, 1099 Deutschkatholiken, 3 Menoniten, 1 Baptist, 1 Angehöriger der Brüderversammlung, 1 Disident und 3 Confessionslose hatte. □ München, 7. Februar. Der berühmte Palästinareisende, vr. Titus Tobler, von dem auch der „Israelit" in den Jahren 1874 und 1875 mehrere höchst interessante Artikel in Bezug auf das Tyropäon zu Jerusalem mitgetbeilt hat, ist nach kurzen Leiden hier verschieden. Seine hinterlassenen Werke und Zeichnungen dürften noch manches recht schätzbare Material für die Topographie Jerusalems enthalten. Würzbnrg, 4. Febr. Bei der heute dahier abgehaltenen, sehr zahlreich besuchten Gemeindeversammlung wurde unter 32 Bewerbern um die dahier erledigte Vorsängerstelle Herr I. Lowitz, Vorsänger an der L. Reis'schen Synagoge in Frankfurt a. M. einstimmig als Vorsänger dahier gewählt, und dürfte die Wahl als eine sehr glückliche zu bezeichnen sein, indem der Ruf des Herrn Lowitz ein in jeder Beziehung sehr guter ist. Frankfurt a. M., 1. Febr. In voriger Nacht ist Herr Bankier Isaak Königswarter gestorben. Sein Wohlthätigkeits-Sinn, der ihn erst vor wenigen Jahren die bekannten Stiftungen ins Leben rufen ließ, seine Humanität und Leutseligkeit, sowie der Ruf seiner geachteten Firma sichern ihm für lange Zeit ein ehrendes Andenken. □ Frankfurt a. M., im Febr. (Statistisches.) Die soeben erschienenen Mittheilungen des statist. Amtes der Stadt Frankfurt a. M. enthalten vergleichende Uebersichten über den hiesigen Civilftand in den Jahren 1866—75. Es möge daraus hervorgehoben sein, daß nach sorgfältigen Untersuchungen bei den Juden auf je 100 weibl. Geburten im alten Preußen 111 männliche, und in Oesterreich sogar 121.oo männliche Geburten kommen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Auf Grund der Dementis, welche die rumänische Regierung den Nachrichten über ftattgesundene Judenaustreibungen in Rumänien entgegensetzte, sah sich die „Israelitische Allianz" in Wien behufs Ermittelung der Wahrheit veranlaßt, eine spezielle Enquete zu veranstalten, deren Ergebnisse sie in einem Spezialberichte zusammenstellt. Demselben ist zu entnehmen, daß tatsächlich Austreibungen stattgefunden haben, welche seit dem November 1876 datiren, und zwar wurden fast im ganzen Districte Vaslui vier Fünftel der Judenbevölkerung verjagt. Die Austreibung geschah auf mündliche Ordre des Präfecten Neron Lupasco. Gewaltthaten waren fast überall, Gräuelscenen nur in einzelnen Communen. Der den Vertriebenen hierdurch verursachte Schaden ist vorläufig noch unberechenbar. Eine eigentliche Untersuchung wurde nickt eingeleitet. Der erwähnte Specialbericht veröffentlicht auch Auszüge aus einigen mit vertriebenen öst.Unterthanen aufgenommenen Protokollen. Der Bericht zählt namentlich 150 Familien auf mit einer beiläufigen Seelenzahl von 740, darunter im Minimum 433 Kinder, Familien, welche plötzlich aus ihrem Heim, das sie im Laufe vieler Jahre sich gegründet, verjagt und auf die Straße gesetzt wurden. Und als ob's dieser Schrecken nicht genug wäre, belehrt noch ein Postscriptum, daß in fünf Ortschaften des Jasser Districtes gleichfalls Austreibungen der Juden erfolgt seien und daß solche in Befsarabien bereits angekündigt wären, während im Districte Tecutsin wohl keine Austreibungen, aber beträchtliche Plünderungen an Habe und . Vermögen inscenirt wurden. Es ist eigenthümlich, daß dennoch das Wiener „Fremdenblatt", angeblich auf Grund amtlicher Untersuchungen, bei seiner Behauptung beharrt, die Behörden seien an den Mißhandlungen unschuldig und diese selbst stark übertrieben.