Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1877)
- Date
- 1877-02-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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152 aber man hatte noch keinen großen und bedeutenden Rabbiner, nach dem man sich so sehr sehnte, acquirirt. Rabbi Barmann tröstete seine Gemeindegenoffe». „Ich reise nach Polen," sagte er. „Da gibt eS viele, große, gelehrte, scharfsinnige Talmudkenner; ich werde Euch einen Rabbiner mitbringen, der, wenn möglich, den Maharich noch übertrisft, der unsere Gemeinde berühmt machen wird." An dieses Versprechen dachte Rabbi Bärmann, als die Krönung vorüber und seine Geschäfte in Polen vollendet waren. Aber er sollte noch lange nicht dazu kommen, diesen Herzenswunsch erfüllen zu können. Die Nachricht, daß sich im Gefolge des neuen Königs ein vornehmer, reicher, von dem Könige hochgehaltener und mit Auszeichnung behandelter Jude befinde, hatte sich mit Blitzesschnelle durch ganz Polen verbreitet. Zahlreiche Gesandtschaften von vielen Gemeinden des großen Reiches kamen nach Lemberg, um sich dem Königlichen Residenten vorzustellen, seine Vermittelung, seinen Schutz, seine Unterstützung in Anspruch zu nehmen. In Polen wohnen bekanntlich viele Juden. GroßentheilS um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, als in Deutschland die schrecklichen Verfolgungen wütheten, eingewandert, erging es ihnen in diesem nordischen Reiche recht gut, bis im Jahre 4648 der Kofackenhettman Chamil ihr Polen mit Krieg überzog und entsetzliche- Elend über die Juden brachte; viele Tausende wurden ermordet, noch mehrere verloren ihre Häuser und Eigenthum. Zur Zeit unserer Erzählung warein halbes Jahrhundert seit jenen Schreckensjahren verflossen, und «och hatte sich die Judenschaft nicht aus dem Elend emporgearbeitet, in das Chamil und seine leuflichen Schaaren sie gestürzt hatten. Mit der größten Geduld und Liebenswürdigkeit empfing Rabbi Bärmann alle diese Deputationen und half, wo immer er nur konnte. Von allen Großen des polnischen wie des sächsischen Hofes gern gesehen, legte er wieder und wieder sein gewichtiges Fürwort ein, um seine Glaubensgenossen vor Unbill zu schützen, aus der Gefahr zu erretten. Da hatte der Starost vom Dembinsli den feiner Herrschaft unterstehenden Gemeinden eine unerschwingliche Steuer auferlegt. Rabbi Bärmaun brachte es durch Ueberredung und Drohung dahin, daß der Starost auf die Steuer verzichtete. Der Graf von Smolenski hatte, durch seinen fanatischen Schloßkaplan veranlaßt, die Juden zwingen wollen, entweder zum Christenthum überzutreten oder die dem Grafen zugehörenden Städte und Dörfer zu verlassen. Rabbi Bärmann erwirkte einen königlichen Erlaß, welcher dem Grafen auf das Strengste verbot, die Juden zu beunruhigen. DaS nur von Juden bewohnte Städtchen Schirwindt in Litthauen war gänzlich medergebrannt; die obdachlosen Bewohner gingen einem für sie schrecklichen Winter entgegen. Rabbi Bärmann schenkte ihnen fünftausend polnische Gulden, eine für sie ganz coloffale Summe, die geeignet war, den größten Theil des Elends abzuwenden. Zu diesen Hilfeleistuugen im großen Maßstabe, kamen noch tausend kleinere. Den ganzen Tag wurde es in Rabbi Bärmanns Wohnung von Bittstellern nicht leer. Tausende drängten sich an ihn; ein Jeder stellte ihm die eigene Noth als die größte dar und verlangte ausreichende Hilfe. Mit wahrhaft himmlischer Geduld hörte Rabbi Bärmann jeden Bittsteller an und half, wo immer er konnte. Sein Name ging als der eines Helfers und Retters durch das ganze Polenreich. Namentlich waren es auch literarische Unternehmungen, die Rabbi Bärmann reichlich und glänzend unterstützte. Wo ein bedeutender Mann ein verdienstliches Werk herausgeben wollte, zahlte Rabbi Bärmann gern und freudig die Druckkosten. Unterdeß wurde Rabbi Bärmann vom Könige zu neuen Geschäften verwendet. Noch immer war die französische Partei mächtig im Ldnde; an ihrer Spitze stand, wie wir bereits erwähnt haben, der Cardinal-Erzbischof von Gnesen, der Primas des Landes; Prinz Conti selbst war mit französischen Schiffen im Hafen von Danzig gelandet. Da gelang es Rabbi Bärmann, die Geliebte deS Cardinals, die Gemahlin des Castellans von Lencziz, durch einen werthvollen Diamantschmuck zu gewinnen. Der Cardinal machte nun seinen Frieden mit dem Könige; Prinz Conti mußte wieder abziehen, und am 15. Januar 1698 hielt König August seinen glänzenden Einzug in Warschau. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen-Hofbuchhandlung. I. ÄottLleben'r Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).