Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1877)
- Date
- 1877-02-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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147 doch von unfern deutschen Glaubensgenossen beherzigt werden, mögen sie sich nicht von unfern westlichen Nachbarn an klarer Erkenntniß ihres eigenen Besten ubertreffen lassen. L. R. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. Von dem Vorstände der Talmud- Thora-Schulen der Aschkenasim in Jerusalem ist uns ein längerer Bericht über den Zustand und die finanziellen Verhältnisse dieser Schulen zugekommen. Dieselben sind von 170 Schülern besucht, die in 14 Abtheilungen von 14 Lehrern in n->dj O'anBDi, die schwächer« in idid ’-bdi d-ik ’*n yan, im Schreiben und Rechnen unterrichtet werden. Die meisten der Schüler sind Waisen und Kinder armer Leute, für welche nicht nur kein Schulgeld gezahlt wird, sondern für deren Beköstigung und Bestreitung sonstiger Bedürfnisse der Vorstand außerdem noch häufig zu sorgen hat. Daß für die Unterhaltung dieser Talmud- Schulen enorme Summen nöthig sind, brauchen wir wohl nicht auseinanderzusetzen. Es hat auch bisher nie an den erforderlichen Geldmitteln gefehlt; allein die sich von Jahr zu Jahr steigernden Ausgaben haben die vorhandenen Kräfte ganz und gar absorbirt, so daß sich der Vorstand gezwungen sieht, an den nie versiegenden Wohlthätigkeitssinn seiner Glaubensgenossen in Europa, besonders derer in Deutschland, zu appelliren, um durch deren gütige Gaben den Fortbestand der Talmud - Schulen zu sichern. Wir hoffen, daß trotz der gegenwärtig mißlichen Geschäftsverhältnisse viele unserer geschätzten Leser zu diesem schönen Zwecke recht bald Beiträge senden werden, Dtoi-ro 'n -on min Nsn p'Lv o -wind v>om na NM D”n py. Wir erklären uns gern bereit, die Gaben in Empfang zu nehmen und nach Jerusalem zu senden. Offeitbach, 1* Febr. Es ist vielleicht wenig bekannt, daß in hiesiger Stadt ein Verein, „Die israelitische Männerkrankenkasse", sch<n 126 Jahre in segensreicher Wirksamkeit besteht. Dieselbe gewährt ihren Kranken eine wöchentliche Unterstützung von 8 Mk. 50 Pf., freie Heilmittel, Krankenwärter, Aerzte und Chirurg und trägt bei Sterbefällen die rituellen Kosten, Alles für eine» Wochenbeitrag von 25 Pf. Diese bedeutenden Leistungen sind indessen nur dadurch ermöglicht, daß der größere Theil der Mitglieder die Kasse nicht in Anspruch nimmt und der Gesellschaft verschiedene nicht unbedeutende Vermächtnisse und Geschenke zufielen. Diesem Verein, der auch ein eigenes Krankenhaus besitzt, sind auf Nachsuchen unterm 20. Januar d. I. von Sr. kgl. Hoheit dem Großherzog die Rechte einer juristischen Person verliehen worden.. Berlin, 22. Jan. Die Deutsche Reformpartei (Agrarier) tagte vorgestern Kommandantenstraße 71 und 72. vr. meä.Hübuer sprach über die Wucherfreiheit und deren Folgen. Der Vortragende sowohl, wie auch alle solgendeu Redner variirten den Satz, daß die traurigen wirthschaftlichen Verhältnisse lediglich den Juden und dem Liberalismus zur Last zu legen seien. In Deutschland, sagte Herr Hübner, habe der jüdische Liberalismus die gesetzliche Freiheit für Ausübung des verbrecherischen Wuchers bewirkt. Selbst die jüdische Religion verbiete den Wucher; dieses Gesetz beziehe sich aber blos auf die Glaubensgenossen. Der Talmud stelle es nicht nur als verdienstlich hin, sondern befehle den Juden direct, andere Nationen auszubeuten, zu betrügen und zu beschwindeln, wie und wo sie es nur können. (Wie oft soll diese nichtswürdige Verläumdung widerlegt werden?!!) Schon seit 40 Jahren genießen die Juden alle bürgerlichen Freiheiten (Rufe: Schlimm genug!) ja selbst Beamte können sie werden (Rufe: Leider!) und trotzdem thun sie nichts weiter als wuchern, handeln und die Christen betrügen. Der Krebsschaden dieser Zustände gipfelt in den freiheitlichen Gesetzen rc. Ein Herr Hoffmann äußerte: „Er habe in der Weihnachtswoche in seiner Heimath Thüringen einer Agrarier-Versammlung beigewohnt, in der dasselbe Thema behandelt wurde. Dort habe man aber nicht gesagt: Der Krebsschaden sind die Gesetze. sondern der Krebsschaden sind die Juden (Rufe: Sehr wahr, sehr richtig!). Wenn die Zustände besser werden sollen, da«» müsse man zunächst erwägen, wie man die semitische Race von der germanischen überhaupt entfernen könne." (Lebhafter Beifall.) (Ruf: „Das Beste ist, die Kerle alle verbrennen.") Herr M. Ant, Niendorf bemerkte jedoch diesem letzten Redner, daß die gänzliche Austreibung der Juden schwer ausführbar sei. Man müsse den Wucher nur mit langjährigem Gefängniß und im Wiederholungsfälle mit mindestens 5 Jahren Zuchthaus bestrafen, dann werden sich die Jude» und Judenfreunde schon zur redlichen Arbeit bequemem Di« Versammlung nahm schließlich verschiede» Resolutionen an. — So geschehen i« der Haupte- »nd Rest-