Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1877)
- Date
- 1877-02-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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146 rende Güte gewinnt Dir die größere Anhänglichkeit dessen, der gefehlt hat, erweckt in seiner Brust eirrr tiefere Reue. Brrfämue «icht, die Gelegenheiten zu benützen, die Dir rmsere heilige Religion zur Erfreuung der Deiuigen, zur Feier kleiner Familienfeste bietet. Nicht nur die Sabbate und hohen Feiertage seien Tage reiner, heiliger Freude, sondern sorge dafür, daß auch die Neumonde und andern halben Feiertage in Deinem Hause ausgezeichnet werden durch allerlei kleine Erholungen und Freudebereitung, durch einen Spaziergang, eine gesellige Unterhaltung, durch bessere Kost oder dergleichen — wie es den Verhältnissen oder der Jahreszeit angemessen ist. Das Außerordentliche oder Nicht- Alltägliche erhöht den Reiz des Genusses und die Stimmung zur Freude. Adel und Liebe herrsche in der Wahl Deiner häuslichen Vergnügungen. Bewahre Dein Haus, dessen stilles Glück Dir ein Heiligthum ist, vor Spielen und solchen Werkzeugen des Vergnügens, welche leicht mißbraucht werden können oder die Denkart verunreinigen. Verhüte sorgfältig jede Luft, jeden Scherz, der aus unreinen Quellen stammt! Man kann durch Spott und Neckereien wohl zum Gelächter gereizt werben, aber nicht zur Freude. Schadenfrohe Neigungen entstehen auf der einen, Verdruß und Rachsucht auf der andern Seite; die Liebe aber stirbt unter den Wunden, welche Verachtung und herzloser Muthwille schlagen. Nähre mit »armer Sorgfalt die häusliche Freude! Keine andere greift tiefer in alle Gefühle des Lebens ein, keine andere hat gleichen Reiz für gute, unverdorbene Seelen. (Fortsetzung folgt.) Eine sranMschc Stimme über das Austritts- Gesetz. Während in den jüdischen Gemeinden Deutschlands die Wogen des Kampfes hoch gehen und, nachdem es schon Gesetz geworden, die Frage zwischen Rabbinen und Laien hin- und yergezerrt wird, ob der Austritt aus den Gemeinden religiösberechtigt ist oder religiös geboten, dürfte eine unparteiische ausländische Stimme über die in Rede stehende Frage wohl von Interesse sein. Dort steht man der Sache ferne, wird nicht selbst davon betroffen, kann deßhalb auch nicht getrübt urtheilen, indem man durch keine persönlichen Vor- und Nachtheile bestimmt wird. Der „Univ.Jsr." schreibt: „Etwas Bedeutendes ist in vorigem Jahre in Deutschland vor sich gegangen. Der Kaiser hat den Beschluß der Volksvertretung bestätigt, wonach unsere gesetzestreuen Glaubensgenossen von einem traurigen, tyrannischen Zwange befreit worden: Sie brauchen keiner Gemeinde mehr anzugehören, die ihre religiösen Gefühle verletzt, sie sind nicht mehr gezwungen, Synagogen zu erhalten, die durch unjüdische Neuerungen entweiht sind, oder Prediger zu erhalten , die Nichts weniger als wahres Judenthum lehren. Aber dieser Sieg der Gewissensfreiheit ist in der Mitte der Gemeinden erst nach langen und heißen Kämpfen errungen worden, da die Mehrzahl der deutschen Juden, Rabbinen und Vorsteher, Doctoren und Professoren, das gute Recht heftig bekämpften. Böswillige Einflüsterungen, schimpfliche Anklagen — Nichts wurde von jener Seite gespart, um das Urtheil des Gesetzgebers zu trüben. Wir vernehmen jetzt, daß leider eine gute Zahl rechtgläubiger Juden sich von dem Joche, von der durch das Gesetz zerrissenen Kette noch nicht befreit hat, daß sie in der egyptischen Sklaverei bleiben, statt dem Sinai der Freiheit und Wahrheit zuzueilen. Eine gleiche Erscheinung zeigte sich unglücklicherweise schon zu Moses' Zeiten in Israel. Die Neigung zur thatlosen Ruhe, die man so gern als Friedensliebe bezeichnet, ist in uns so mächtig, daß wir Alles ertragen, um sie zu erhalten. Ja, das Austrittsgesetz hemmt die Neuerer nicht wenig; sie müssen jetzt einen Theil ihrer sektirerischen Absichten für sich behalten, um ihre Synagogen nicht von den Besserdenkenden verlassen zu sehen, um keinen Geldverlust zu erleiden: cpin n« ltoNi. Sie können kaum mehr auf ihre Parteigenossen rechnen, die sie auch verlassen werden, wenn sie ihnen nicht genug fortgeschritten sind." Aus dem hier Angeführten kann man das Urtheil unserer überrhemischen Nachbarn erkennen. Sie scheinen einen genauer» Einblick in unsere Verhältnisse zu Haben, als man doch Franzosen gewöhnlich zutraut — in jedem Falle aber zeigt sich auch, daß sie recht wohl wissen, auf welcher Seite der wahre Vortbeil für das Judenthum zu suchen ist: „Nicht in kopfsinkendem Jasagen, was unsere „Aufgeklärten" Friedensliebe nennen, sondern im entschiedenen Auftreten für die überkommenen Güter der Religion, und sollten wir damit in gewissen Kreisen auch noch so sehr Anstoß erregen. So nur kann der Glaube gerettet werden, während er, wenn wir .in unthätiger Ruhe verharren, ohne eine Stellung für und wider einzunehmen, gewiß zusammenbrechen müßte, wenn beim Judentum überhaupt vom „Zusammenbrechen" die Rede seüc könnte. Möchten solche Stimmen, wie die L'ageführte,