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Der Israelit · 1877-02-07 · Heft 6 (7.2.1877) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 6 (7.2.1877)
Date
1877-02-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Türkei. Konstanlinopel An dem großen türkischen Nationalrath, welcher in Konstantinopel stattfand, um über Krieg und Frieden ju beschließen, haben auch fünf Israeliten, darunter der Oberrabbiner von Konstantinopel, theilgenommen. Man sieht daraus, daß die türkische Regierung stets die Rechte der Juden anerkennt. Palästina. Jerusalem. Der seit drei Monaten so heiß ersehnte und höchst nothwendige Regen ist bis jetzt ausgeblieben. In Folge dessen ist der Preis des Waizens enorm gestiegen und großer Wassermangel entstanden. Das Trinkwasser, das von den Bauern zum Verkaufe in die Stadt gebracht wird, ist viel theurer geworden. Die Juden aber müssen den höchsten Preis bezahlen; denn die Bauern verlangen für ein bestimmtes Quantum Wasser von den Juden ö'/a, von den Christen 4Vr und den Muselmännern ä1/* Piaster. (Libanon). Feuilleton. Prosktytco. Von Friedrich Rott. (Schluß statt Fortsetzung.) XXXVIII. „Wer mir's gesagt hat?" sprach Helene tief aufathmend. mehr zu sich selbst, als zu dem Kinde, denn die Kleine hatte ihre volle Aufmerksamkeit bereits den Schwanen wieder zugewandt. „Wer mir's gesagt hat," wiederholte sie' leise. Der einsame Wanderer, der, ohne daß sie es ahnte, an ihrer Seite sich befand, suchte mit der Hand nach dem Herzen, als empfinde er dort plötzlich einen heftigen Schmerz, und ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust. Erschreckt wandte Helene sich um und schaute in das erregte Antlitz des neben ihr Stehenden; einen Moment war sie im Zweifel, ob es wirklich Derjenige, dessen sie soeben gedacht, oder hatte nur ihre allzu lebhafte Phantasie das theure Bild ihr vorgezaubert? Einige Augenblicke starrten beide wortlos einander an. „Helene!" flüsterte Werner endlich. „„Leo!" erwiederte sie bebend. Es waren die einzigen Worte, die sie wechselten. Schon hatte Werner seine Fassung wiedererlangt, er griff nach seinem Hute, grüßte und! eilte davon, als säßen die Furien ihm auf den Fersen. Sie war es ja, sie, die er geliebt, und der er entsagt hatte, weil die Pflicht es ihm geboten. Die Pflicht? — in diesem Moment zweifelte er, daß die Pflicht es ihm geboten. Wahnsinn war's gewesen, Wahnsinn, eine solche Perle von sich zu schleudern. — O, was hatte er verloren! — Und sie gedachte seiner noch — seine Worte lebten noch in ihrem Herzen. —Aber sie war die Gattin eines Andern — was nützte es ihm, daß sie seiner gedachte? — es vermehrte nur noch seine Qual, brachte ihm noch mehr die Erkenntniß, was sein Leben hätte sein körnen und was es war. Doch als er endlich wieder ruhiger ward, da kam doch auch die Ueberzeugung wieder, daß er n'mmer hätte anders handeln dürfen. Hatte er auch des Lebens höchstes Glück verloren, das Bewußtsein, recht gehandelt zu haben, versöhnte ihn mit seinem Geschick, und wieder ward es still und sanft in seinem Herzen. Und was er im ersten Moment egoistischen Schmerzes so hart empfunden, daß sie, die er trotz allem noch immer liebte, daß sie trotzdem an eines Andern Seite sich glücklich fühlen konnte — denn sie war glücklich, das sagte ihm ihr frisches blühendes Ämlitz, das erkannte er an ihren heitern Scherzen mit dem Kinde — bei ruhiger Ueberlegung gewährte ihm diese Ueberzeugung denn doch die innigste Genugthuung. Aber meiden mußte er sie, er durfte ihr nimmer begegnen, sein Herz schlug allzu heiß für sie. Der Sommer nahte, der Commerzienrath war von seinem Uebel doch so weit genesen, daß er ohne Bedenken die Reise in's Bad, von dem die Aerzte sich und ihm so viel versprachen, antreten konnte. Helene war recht von Herzen froh, hatte auch die Begegnung mit Werner sie mächtig erschüttert, ihr reges Pflichtgefühl gestattete ihr nicht, sich diesem Eindruck länger hinzugeben. Die Pflege des Gatten, die sie als Pflicht betrachtete, hatte diesen allmählich ihrem mitfühlenden Herzen wieder näher gebracht und innig fühlte sie sich beglückt, als die Aerzte und er selbst seine zunehmende Kräftigung als Folge ihrer aufopfernden Pflege betrachteten. Es war im Juni, die Bade-Saison auf ihrer Höhe. Eine lange, fast unabsehbare Reihe Waggons harrte der Reisenden, die aus den geöffneten 28artesälen strömend auf den Zug zueilten. Eben läutete es zum zweiten Mal. Helene befand sich bereits mit dem Kinde und dessen Wärterin im Coupäe, der Commerzienrath, der sich lange nicht so frisch gefühlt hatte, stand noch draußen am

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