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Der Israelit · 1877-02-07 · Heft 6 (7.2.1877) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 6 (7.2.1877)
Date
1877-02-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVIII. Jahrgang. Erste Seilage Ar. 6 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und (Korrespondenten. Dentschland. Mainz, 2. Februar. Bis jetzt sind fünf Israeliten in den Reichstag gewählt worden: Bamberg er aus Mainz (Wahlkreis Alzey-Bingen), Frankenburger, Nürnberg, Max Hirsch, Berlin, Vr. Lasker, Meiningen, und Wolfson, Homburg. Der Abgeordnete vr. Lasker ist auch in Breslau gewählt, wird aber für Meiningen acceptiren. Der bisherige Abgeordnete für Frankfurt a. M., Leopold Sonnemann, hatte eine Wiederwahl abgelehnt. Aus Westphalerr. Ich erlaube mir hierdurch, Ihnen und den Lesern dieser geschätzten Blätter einen Act wahrhafter Toleranz und Menschenfreundlichkeit mitzutheilen. Bei der diesjährigen, an der Realschule 1. Ordnung zu Iserlohn abgehaltenen Prüfung erhielt auch ein Israelit das Zeugniß der Reife und zwar hatte derselbe das schriftliche Examen so glänzend bestanden, daß ihm seitens der Prüfungscommisfion die mündliche Prüfung erlassen wurde. Trotzdem erschien derselbe am Tage der Prüfung wieder im Prüfungssale und hielt aus dem Stegreif eine Rede in französischer Sprache, die auf das Auditorium einen so guten Eindruck machte und einen so glänzenden Peifall fand, daß sich die Kunde davon alsbald durch ganz Iserlohn verbreitete. Da nun der junge Mann ein außerordentliches Talent besitzt und große Lust zum Studiren an den Tag legte, die Eltern desselben aber zu arm sind, um die Mittel dafür aufzubringen, so veranstaltete die isr. Gemeinde in ihrer Mitte eine Collecte, bei der recht ansehnliche Summen, sowohl für ein, als mehrere Jahre gezeichnet wurden. Auch ein nicht genannt sein wollender, den höheren Ständen angehörender christlicher Wohlihäter, Mitglied des Curaiorums der Realschule, auf den die Rede einen so guten Eindruck gemacht hatte, ließ den in Rede stehenden jungen Mann zu sich kommen, unterhielt sich längere Zeit mit demselben auf's Huldvollste, munterte ihn auch zum Besuche der Universität auf und schenkte ihm schließlich eine beträchtliche Summe Geldes — irren wir nicht, so waren es 900 Mark — mit dem Versprechen, diese Summe bis nach zurückgelegten Studien iedes Jahr erneuern zu wollen.! Unter Thranen der Rührung dankte der junge Mann seinem Wohlthäter und versprach, in späte- | ren Jahren das Geld mit dem größten Danke wieder zurück erstatten zu wollen. Der Wohlthäter aber antwortete: „Ich will weder einen Dank, noch etwas wieder haben, das Geld ist Ihnen, nicht vorgeftreckt. sondern — geschenkt. Jetzt studirt der junge Mann auf der Universität zu Leipzig mit dem besten Erfolge Philologie. Solche edle Handlungen verdienen die größte Anerkennung. Möchten sie vielfache Nachahmung finden! Unsere früher gebrachte Nachricht, nach welcher der Lehrer einer größeren jüdischen Gemeinde Weftphalens sein Mittagsmahl aus einem christlichen Gasthofe bezieht, muß dahin berichtigt werden, daß derselbe sowohl seine Wohnung, als auch vollständige Beköstigung in dem betreffenden Gasthofe hat. ^ehr bezeichnend für die jüdischreligiösen Zustände Weftphalens!!! Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Aus Sbaras (Galizien) wird uns mitgetheilt: Unlängst erkrankte der Lehrer der2. Klasse - der hiesigen Schule und schickte einen Stellvertreter, um den Unterricht zu ertheilen. Letzterer, Namens Rudolf, als Fanatiker bekannt, befahl den jüdischen Kindern, unter Androhung einer strengen Strafe, am Samstag zu schreiben und zu rechnen. Aus Furcht erfüllten die Kinder den Wunsch ihres Lehrers. Doch ein Schüler, Namens Sch. Stromwaffer, widersetzte sich mit bewunderungSwerthem Religionseifer, wofür er vom Lehrer geprügelt und auf 24 Stunden eingesperrt wurde. Das Einschreiten der Eltern war erfolglos, da die Schul-Berwaltung eine Polnische ist. (Wien. JSr.) Frankreich. Herr Handle, Präfekt von Bonne, wurde zum Präfekten des Departements Saoneet-Loire e! normt. Diese Ernennung ist ein bedeutendes Avancement. In ihrer letzten Sitzung hat die geographische Gesellschaft aus den Subsidien für ferne Reisende dem Rabbiner Mardochee 500 Fr. bewilligt. (Un. Isr.)

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