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Der Israelit · 1877-02-07 · Heft 6 (7.2.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 6 (7.2.1877)
Date
1877-02-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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124 fünfzig Trabanten in goldgestickter Livree; dann folgten die Gesandten der fremden Mächte mit großem Gefolge; den Beschluß machte die königliche Leibgarde zu Pferd. Am 13. September sollte nach altem Brauche die einbalsamirte Leiche des verstorbenen Königs beigesetzt werden. Aber die französische Partei hatte die Leiche gestohlen und sie nach Warschau bringen lassen; doch wußte man sich zu helfen: man bestattete einen leeren Sarg und warf zu diesem den Marschallstab Sobieski's, sein Sigel und seine Fahne — wie es Sitte war — in die Gruft. Am 15. September, Sonntags, wurde in der Hauptkirche zu Krakau die Krone ver Japellonen dem bisherigen Kurfürsten von Sachsen von dem Bischof von Cugarien auf das Haupt gesetzt. Als August die Kirche verließ, um sich in das Schloß zu begeben, da ertönte ein vieltausendstimmiges „Vrvat Rex" (es lebe der König.) August war glücklich; er theilte Gnaden und Geschenke in großer Menge aus, gab seinen Freunden Titel und Ehrenstellen. Auch den Juden Lehrend ließ er sich vorstellen. „Behrend/' sprach der König huldvoll, „ich bin Ihm zu großem Danke verpflichtet; Er hat meine Aufträge bestens besorgt, und daß ich heute König bin, verdanke ich theilweise der Umsicht, mit welcher Er bei all den schwierigen Geschäften verfahren ist. Ich will mich Ihm dankbar beweisen und außer dem wohl meritirten Geldverdienst Ihm ein Zeichen meiner Huld verleihen. Ich ernenne Ihn hiermit zu Meinem Königlichen Residenten, und gebe Ihm die Erlaubniß, mallen meinen Stauten, in Sachsen wie in Polen, zu wohnen, und, wo Er nur immer will, Geschäfte zu etabliren." „„Empfangen Eure Majestät meinen innigsten Dank. Es war mir eine große Freude, ein Geringes dazu beizutragen, daß die Königskrone meinem allergnadigsten Herrn zu Theil geworden; kein Haupt existirt auf Erden, das derselben würdiger gewesen wäre."" „Er spricht gut, Behrend; Ich werde wohl noch öfter Gelegenheit haben, mit Ihm zu reden. Er soll aber auch ein Andenken haben an diese schöne Zeit." Der König winkte, und ein Diener brachte einen prachtvollen Zobelpelz von hohem Werthe herbei. „Er wird jetzt oft in Polen zu thun haben. In diesem kalten Lande ist ein Pelz unentbehrlich. Nehme Er diesen Pelz und, wenn Er sich recht behaglich darin fühlt, so denke Er an seinen Ihm wohlaffectionirten König. Ziehe Er einmal den Pelzrock an; ich will sehen, ob er ihm paßt." „„Verzeihung, Majestät! Euer Majestät Gnade und huldreiches Geschenk sind mir unendlich werthvoll; allein, ich kann den Pelzrock nicht sogleich anziehen; das jüdische Religionsgesetz erlaubt uns nicht, Kleider zu tragen, in denen Wolle und Leinen vermischt sind. Das feine Tuch dieses Pelzrockes ist aus Schafwolle bereitet; ich muß erst untersuchen lassen, ob die Näthe und Einlagen nicht aus Flachsleinwand bestehen; dann muß ich sie durch Seide und Hanfleinen ersetzen lassen; erst dann darf ick das kostbare Geschenk Eurer Majestät benutzen." " „Ihr habt sonderbare Religionsvorschriften." „„Sie sind der Weisheit des Allmächtigen, des Schöpfers von Himmel und Erde, des Königs aller Könige entflossen. Verzeihung, Majestät, daß ich es wage, in dieser Beziehung Eurer Majestät nicht sofort zu gehorchen. Aber ick spreche mit David: „Ich werde reden von Deinen Zeugnissen in Gegenwart von Königen und mich nicht schämen!"" „Es freut mich, daß Er so streng sich an di: Vorschriften Seiner Religion hält; aber ich bin doch neugierig zu erfahren, ob Seine Vermuthung richtig ist; mein Garderobier soll einmal sogleich die Sache untersuchen." Der König winkte, und der Hof-Garderobier, ein Franzose Namens Franyois Duval erschien. „Ah," iagte der König, „der Mann versteht kein Deutsch, und ich weiß nicht, wie ich ihm die Sache auseinandersetzen soll." „„Gestatten Eure Majestät, daß ich . . . „Er versteht Französisch? Nun, dann sag'Er ihm, was nöthig ist." Rabbi Bärmann that also; der Garderobier zog eine feine Scheere hervor, trennte die Näthe auf und bestätigte die Vermuthung Rabbi Bärnrann's. Der König ertheilte sofort Befehl, daß der Pelzrock nach den Angaben des Königlichen Residenten geändert werde. Rabbi Bärmann hatte wohl keine Ahnung davon, daß dieser Vorgang für ihn später die überraschendsten Folgen haben würde; erdachte, als er so verfuhr, einzig und allein daran, das Gesetz Gottes nicht zu übertreten. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen.Hofbuchhandlung. I. GottSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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