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Der Israelit · 1877-02-07 · Heft 6 (7.2.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 6 (7.2.1877)
Date
1877-02-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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123 Fe « iIl « t - Der Königliche Nrsidciit. (Eine historische Erzählung.) VII. Am 17. Juni 1696 war Johann Sobieski, König von Polen, derselbe, welcher im Jahre 1683 so glorreich die Hauptstadt von Oesterreich entsetzt und die bis an die Mauern von Wien vorgedrungenen Türken vertrieben hatte, gestorben. Polen war ein Wahlreich; zehn Bewerber strebten nach dem erledigten Thron, unter ihnen die beiden Söhne SobieSki's und dessen Schwiegersohn, der Kurfürst Max Emanuel von Baiern; der wichtigste Nebenbuhler des Kurfürsten von Sachsen war der von Frankreich ausgestellte Throncandidat Prinz Ludwig von Conti, ein Vetter des Königs Ludwigs XIV. Polignac, der französische Gesandte hatte den polnischen Großen zehn Millionen Gulden anbieten lassen; ebensoviel hatte August geboten, für den sein Gesandter, Graf Flemming, eifrig agitirte. Doch schien die Wagschale sich für den Prinzen von Canti zu neigen, auf dessen Seite der Primas des Reichs, der Cardiual-Erzbischof von Gnesen, Rodzijvneski, stand. Graf Flemming konnte nur den Viceprimas, den Bischof von Cujavirn, DombSki, gewinnen. Den mächtigen Einfluß Frankreichs dagegen paralysirte Oesterreich, mit dessen Thronerben, dem römischen König Joseph, dem nachmaligen Kaiser Joseph I., Kurfürst August eng befreundet war; auch der päpstliche Legat, Daria, wirkte heimlich für August, wenn er auch aus Furcht vor Frankreich nicht offen für ihn auftreten durfte. Es war am 27. Juni 1697, als die polnischen Großen auf dem Wahlfelde Wola bei Warschau versammelt waren. Flemming war in Verzweiflung; der Primas hatte seine Stimme für den Prinzen Conti abgegeben; die übrigen Wähler waren schwierig, da zwei Millionen Gulden von den versprochenen zehn noch nicht zur Auszahlung gekommen waren. Es schien Alles verloren. Da plötzlich kam im rasenden Galopp eine vierspännige Kutsche herbei und hielt in der Nähe des Wahlfeldes. Flemming erkannte die sächsischen Farben; er ritt an die Kutsche hinan, auS der Rabbi Bärmann und sein Commis Asarjah gestiegen. „Ihr seid der Jude Behrend?" fragte Flemming. „Bringt Ihr Geld?" „„Zu dienen, Herr Generalfeldmarschall,"" antwortete Rabbi Bärmann. „Wie viel? doch die zwei Millionen Gulden voll?'- „„Noch etwas mehr; 1,800,000 Franken in gutem französischem Golde."" „Gott sei gedankt, jeßt ist Alles gewonnen!" Die Kisten mit dem Golde wurden abgeladen. Die Adeligen, nach Woywodschaften geordnet, strömten herbei; eine jede Woywodschaft empfing ihren Antheil. Ein donnerndes „Vivat Sas!" (es lebe der Sachs) ertönte bei jeder Vertheilung. Ein mächtiges Brausen erfüllte die Luft: „Vivat Sas!' ertönte es von allen Seiten; allsogleich proclamirte der Bischof von Cujavien den Kurfürsten von Sachsen zum König, die Priester stimmten auf dem Wahlfelde das Io Demi* an. Unter ungeheurem Geschrei und nicht enden wollendem Schießen ritten darauf alle nach der Hauptkirche von Warschau; auch hier ließ der Bischof von Litthauen, der Decan des Reichs, das te Deum anstimmen. Der Herzenswunsch des Kurfürsten August war erreicht, er war zum König von Polen erwählt. Eilboten brachten die freudige Mähr nach Dresden. August reiste,'in Begleitung von 8000 Mann sächsischer Truppen sofort nach Breslau; von hier begab er sich nach Tarnowitz an die Grenze des Reichs, wo ihn eine Deputation seiner neuen Unterthanen begrüßte. Am 12. September hielt August seinen Einzug in die Krönungsstadt Krakau. Es war ein glänzender Zug, so glänzend, wie er vielleicht — in Europa wenigstens — noch nie stattgefunden. Voran zogen die Krakauer Kaufleute, nach ihren Zünften geordnet, zu Pferd; dann folgten vierzig mit Gold und Silber beladene Kameele; darnach kamen die polnischen Garden, die Garnison von Krakau, zwei Regimenter Dragoner, vierundzwanzig Pagen, eine gleiche Anzahl königlicher Handpferde mit silbergestickten Decken, vierzig Maulthiere mit goldgestickten Decken, zweiundzwanzig prachtvolle Karossen, die königliche Leidkarosse mit acht perlfarbenen Pferden bespannt, deren Sartelzeug mit Edelsteinen besetzt war, einundzwanzig Trompeter und zwei Pauker mit silbernen Pauken und Trompeten, die sächsischen Minister und Cavaliere, ein sächsisches Eürassier-Regiment, ein polnisches Cürassier-Regiment, ein polnisches Husaren-Regiment, die Husaren mit Tiger- und Wolfshäuten behängen, die polnischen Cavaliere, die Senatoren und Großen des Reichs, der Kronmarschall, den mit Diamanten besetzten Marschallstab des Königs tragend; dann kam der König, in prachtvollem Gewände, von Diamanten strahlend, unter einem Baldachin, welchen die sechs Senatoren und Bürgermeister von Krakau trugen; ihm zur Seite schritte»

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