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Der Israelit · 1877-02-07 · Heft 6 (7.2.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 6 (7.2.1877)
Date
1877-02-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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122 halte ich mir über diesen Punkt unserer Festfeier Weiteren Bericht vor. Crefeld, 1. Februar. Wenn Ihr Correspondent in seinem Artikel in Nr. 4 Ihrer Zeitung, trotzdem es ihm unwürdig scheint, mit einem Gegner zu streiten, der bereits die Waffen gestreckt hat, dennoch weiter streitet, so finden wir, daß es ihm überhaupt nur um den „Streit" zu thnn ist. Seine Argumente, warum er den beleidigenden Artikel in Nr. 51 v. I. dieser Zeitung hat erscheinen lassen, sind ebenso unlogisch, wie nicht den Thatfachen entsprechend. Der § 3 unserer Synagogen- Ordnung. „Das Rauchen im Synagogenhof ist selbstredend untersagt," enthält keine Idee vom „Rauchen am na®" und wenn der Correspondent dies hinein interpretirt, so beweist er nur, daß es ihm darum zu thun ist, dem Publikum von der hiesigen Gemeinde falsche Begriffe beizubringen. Der hiesige Gottesdienst ist nach nie vor ein streng orthodoxer, indem sowohl am na® wie an Feier-§und Wochentagen der alte hergebrachte Ritus beibehalten wurde. In der neuen Synagogenordnung sind nur Veränderungen enthalten, die die Andacht, die Ruhe und Würde des Gottesdienstes heben und störende Mißbräuche beseitigen. U. A. ist das Abklopfen der nuyenn derart ausgeartet gewesen, daß man sich schämen mußte, solche'Gebräuche weiter bestehen zu lassen; das Publikum klopfte mit größter Anstrengung sämmtliche Blätter von den Stengeln, und wenn der Correspondent dies als eine heilige Institution betrachtet, so zeigt er, was wir von seinen Ansichten zu erwarten haben. *) Die Art und Weise, wie seine Gesinnungsgenossen ihre Ansichten verfechten, hat sogar bei unfern wahrhaft religiös-orthodoxen und schriftaelehrten Gemeindemitgliedern eine wahre Entrüstung hervorgerufen; denn streng orthodoxe Israeliten haben mehr Achtung vor der Heiligkeit des Gottesdienstes , als daß sie, um etwa die Synagogen- Ordnung wieder rückgängig zu machen, so weit gehen, ihre Demonstrationen während des Gottesdienstes in die Synagoge zu tragen.* 2 3) Auch die Art und Weise der Zeitungspolemik Ihres Correspondenten wird von den oben belegten Orthodoxen, die sich der neuen Ordnung gefügt haben, weil sie darin keine Gefahr für das Judenthüm erblicken, nur als von persönlichen, gehn sigen Motiven inspirirt, angesehen. Wir gönnen daher Ihrem Correspondenten Da hätte man doch nicht das Kind mit dem Bade ausfchütten sollen! Eine Belehrung von Seiten des Rabbinen hättr sicherlich genügt, dem Zuviel Einhalt zu thun. Keinenjalls wae man berechtigt, einen D'N'Zü JDJD abzuschaffen. — Red. 2) Ist uns unverständlich. — Red. 3) Wir fühlen uns veranlaßt, zu bezeugen, daß wir mit Bedie Einbildung, durch seinen Artikel in Nr. 51 v. I. unsere Gemeinde vor ihrem religiösen Untergang beschützt zu Habens) ob sein Gewissen aber seine Einbildung nicht übertönen wird, wollen wir dahingestellt fein lassen. 5) Z. England. London. Die „Nat.-Ztg." läßt sich von hier schreiben: Die Israeliten Englands sind plötzlich sehr rührig geworden, um die drückenden und schmachvollen Bestimmungen, unter denen ihre Glaubensgenossen in Serbien und Rumänien leiden, zur öffentlichen Kcnntniß zu bringen und eine ernstliche Gleichstellung der Juden jener Länder mit den übrigen Landeseinwohnern zu erlangen. Ich habe auf die vortreffliche, eindrucksvolle Rede hingewiesen, die das liberale Unterhausmitglied Simon bei der sogenannten Nationalconferenz über diesen Punct hielt. In den meisten Blättern, die für die „Greuel-Bewegung" eintraten, wurde der Bericht über die von Herrn Simon mitgetheilten, gegen die Juden verübten Greuel ganz verstümmelt gegeben. Dasselbe ist heute wieder in der „Daily News" mit dem Berichte über die israelitische Deputation der Fall, die gestern bei Earl Derby im auswärtigen Amte vortrat. Sie schloß eine Anzahl notabler Israeliten Londons in sich; darunter drei Parlamentsmitglieder. Ueber die längere Rede, die Herr Simon vor dem Minister hielt, geht nun die „Daily News" mit sechs Zeilen Hinwegs Aus der Ansprache des Baron Worms, der die Deputation einführte, sind alle Stellen ausgemerzt, die zu sehr an Bulgarien erinnern. Man sollte denken, wenn es der „Daily News" um wirkliche Verbesserungen in der Türkei zu thun wäre, so würde sie auch die gegen die Juden in Serbien und Rumänien begangenen Greuel gebührend bekannt werden lassen. Hier aber übt sie eine merkwürdige Censur, die um so tadelnswerther erscheint, da gerade Herr Simon im Uebrigen sich zur Partei der Nationalconferenz hält. stimmtheit wissen, daß den Herrn Correspondenten keinerlei persönliche Motive veranlaßt haben; es ist demselben lediglich um die Wahrung der religiösen Interessen zu thun. — Red. 4) Wir glauben kaum, daß der Herr Correspondent an solcher Einbildung laborirt. Die Gefahren, welche das Israel. Gemeindeleben zu Crefeld bedrohen, datiren seit länger her und sind noch nicht beseitigt. — Red. 5) Die Gewissensbisse, welche unser Herr Correspondent sich darob zu machen hat, werden ihm den Schlaf nicht rauben. Möchten die Herren an der Spitze der Gemeinde ein echt jüdisches Gewissen haben! Wie sieht cs, zum Beispiel, in Crefeld mit dem Koscher-Flench aus? Wie viele der dortigen jüdischen Metzger beobachten die Gottgebotene Sabbatruhe? Da wäre ein Feld gewissenhafter Thätigkeit für Rabbiner und Vorstand, da wären ganz andere Lorbeeren zu erringen, als durch Abschaffung heiliger Gebrauche! — Red.

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