Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1877)
- Date
- 1877-02-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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121 WÜvzburg, 15. Schebat. Gerne, geehrter Herr Redacteur, komme ich meinem Versprechen nach, Ihnen über den Verlauf der Feier des 50jähr. Jubiläums des Vereins Dibbuck-Chaverim dahier zu berichten. Die Feier fand gestern, als am Gründungstage des Vereins, statt, und war für dieselbe ein gedrucktes Programm ausgegeben. Vormittags trafen Festtheilnehmer aus Nah und Fern ein, und wurden dieselben durch Mitglieder des Fest - Comitö's am Bahnhofe empfangen und in's Festlocal (Restauration Goldschmidt) geleitet. Dort hielt Mittags der derzeitige Vereinsvorstand, Herr vr. Braunschweiger eine Ansprache an die Versammelten, worin er dieselben willkommen hieß. Um 2 Uhr begaben sich die Festtheilnehmer in die Wohnung ihres hochverehrten Lehrers, Herrn Distr.-Rabb. Bamberg er, woselbst derselbe eine ntem hielt. Das große Local war dicht gefüllt, da auch noch mehrere hiesige mir» 'ja sich hierzu eingefunden hatten und möchte die Zuhörerschaft aus mehr als 100 Personen bestanden haben. Diese fast zwei Stunden währende, mit kräftiger Stimme vorgetragene nann bildet sicher den schönsten Glanzpunkt unseres Festes. Der hochverehrte Redner rnuan vv' *in&o ntem trug in begeisterter und begeisternder Rede uns die herrlichsten Ideen und Erläuterungen vor. Der tief wissenschaftliche Theil derselben war des Meisters werth, wie überhaupt dessen Erläuterungen von Bibelstellen und Midraschim auf Grund sprachlicher Gesetze stets das Gepräge der Wahrheit in sich tragen. Die originelle und geniale Behandlungsweise bei derartigen Erläuterungen macht stets auf die Zuhörer einen erhebenden Eindruck, weil vom wissenschaftlichen Standpunkt aus dadurch ein tiefer Einblick in die Wahrheiten von ncmpn U'min ermöglicht wird. Nachdem die Rede in ihrer Einleitung die Berechtigung einer solchen Feier nachgewiesen, wenn dieselbe nämlich dazu beitrage, in den Grundlagen unseres Vereins, in mm und nDn rfrm zu erstarken, verbreitete sich die Rede über das Wesen von ~iDn im Allgemeinen, über dessen besondereBedeutung, wenn zur Förderung der mm angewendet, und wie "iDn endlich dann die höchste Bedeutung habe, wenn es, wie hier, von einer größeren Gefammtheit geübt wird. Die Rede verfehlte nicht, lebhaften Widerhall bei ihrern Hörern zu finden. Nachdem nun noch eine Anzahl Psalmen recitirt und nmo gebetet wurde, zerstreuten sich die Festtheilnehmer in verschiedenen Gruppen, um sich traulicher Unterhaltung hinzugeben, wobei manches alte Freundfchaftsband wieder neu geknüpft wurde. Abends 6V- Uhr hielt im prachtvoll decorirten und erleuchteten Festlocale der Vorstand des Fest- Comits's, Herr vr. G. Tachauer, die Festrede, welche sich eines ungetheilten und wohlverdienten Beifalles zu erfreuen hatte. Der Redner schilderte in beredten Worten die allgemeinen Jeschibah-Verhältnisse und speciell die hiesigen, während des letzten halben Jahrhunderts, wobei derselbe mit Wehmuth auch der bereits verlebten Mitglieder unseres Vereins gedachte. Ihr Andenken sei zum Segen! Sodann nahm das Festessen seinen Anfang, und ließen auch Küche und Keller nichts zu wünschen übrig. Dabei folgten Reden auf Reden, Toaste auf Toaste. Eingelaufene Briefe und Depeschen wurden verlesen und mit Applaus ausgenommen, namentlich ein Schreiben des ältesten Vereinsmitgliedes '"j, des Hrn. Distr. - Rabb. Weiskopf von Kleinerdlingen. Ihnen auch nun einen kurzen Auszug der vielen ernsten und heitern Tischreden mitzutheilen, hieße den Raum Ihres Blattes zu viel in Anspruch nehmen und beschränke ich mich daher ckuf Mittheilung der Namen der Redner, soviel solche noch in meinem Gedächtnisse geblieben. Den Reigen eröffnete Herr E. R. Rosenbaum von Zell. Im folgte Herr Rabb. Simon Bamberger von Fischach. Später sprachen noch die Herren: Rabb. Bamberger, Kissingen, Rabb. Hirsch, Burgpreppach, Herr Jacobsohn aus Hamburg, die Herren Rabb.-Cand. M. Unna und Nathan Bamberger von hier, Herr Lehrer Roos von Werneck, Herr Dr. Bloch von Fürth und das gegenwärtig jüngste Vereinsmitglied des onan pian - Vereins, Herr Juda Bamberger. Inzwischen wurde auch die Verloosung, aus deren Erträgniß die Festkosten zumeist gedeckt wurden — vorgenommen, wobei es nicht an heitern Episoden fehlte, und damit ein ein wohlthätiges Werk bei der Festfreude nicht fehlte, wurde das Vortragen des Tischgebetes zu Gunsten des Spitalbaues in a"am p"n"y versteigert und das schöne Resultat von Mark 85 erzielt. Erst gegen 4 Uhr trennte sich die Gesellschaft, von dem angenehmen Bewußtsein getragen, ein schönes nnd würdiges Fest gefeiert zu haben. Möchten doch all' die guten Wünsche für das Gedeihen des Oman p?arn-Vereins, der na*»», und das segensreiche Fortwirken ihres hochverehrten Leiters in Erfüllung gehen. Zum Schluffe sei noch des Verdienstes der Herren Jacob Bamberger dahier um das Fest rühmlichst Erwähnung gethan, denn derselbe war der treffliche Arrangeur des Ganzen. Ein eingebrachter Antrag, zur dauernden Erinnerung an diese Jubiläumsfeier einen weitern allgemeinen religiös-wohlthätigen Verein zu gründen, wurde zwar mit großem Beifalle ausgenommen, aber nicht zum Beschlüsse erhoben, wegen der vielfach in Vorschlag gekommenen Plane, und be-