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Der Israelit · 1877-01-31 · Heft 5 (31.1.1877) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 5 (31.1.1877)
Date
1877-01-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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104 „Wie fühlst Du Dich, Anton?" fragte sie theilnehmend und nahm feine herabhangende Hand in ihre beiden. Er fuhr zusammen; es war zum ersten Mal seit jenem Tage, daß sie ihn, wie er es so gerne von ihr hörte, beim Vornamen nannte, zum ersten Mal, daß sie seine Hand nahm. Bebend drückte er die ihre: „O,mir istwohl," sprach er leise „so wohl —" „„Aber Du hast ja heute noch gar nichts zu Dir genommen. Mir zu Liebe, Anton, genieße ein wenig." " Er richtete sich hastig auf, seine Augen leuchteten. „Dir zu Liebe — was thäte ich nicht Dir zu Liebe?" Er wollte die vor ihm stehende Kaffeeschale zum Munde führen, sie hielt ihn zurück. „Dein Kaffee ist ganz abgekühlt, erlaube, daß ich Dir eine andere Tasse einschenke." Sie wußte, wie es ihm am besten mundete, füllte eine andere Tasse mit dem heißen duftenden Trank und bevor sie sie ihm reichte, kostete sie ein Löffelchen davon. Zitternd vor Schwäche und freudiger Erregung leerte er die Schale. Helene sah, wie schmerzlich er solch unbedeutende Aufmerksamkeiten entbehrt hatte und kam sich selbst Hassenswerth vor, denn an das, was er gegen sie verschuldet, hatte sie jetzt vergessen. Von diesem Tage pflegte sie ihn nicht nur mit der hingebendsten Treue, das hatte sie auch bisher nicht versäumt, aber sie erwies ihm auch alle jene kleinen an und für sich gar nichts bedeutenden Aufmerksamkeiten, die doch in den Augen des Liebenden den höchsten Werth erhalten. Und ihre Bemühungen waren nicht umsonst, allmählich kehrten die Kräfte des Leidenden zurück und die Aerzte sprachen die Hoffnung aus, er werde beim Eintritt der milderen Jahreszeit einen Curort besuchen können und darauf völlig genesen. Der Winter neigte sich zu Ende, es war ein milder sonniger Tag. Helene saß an des Gatten Seite, dem sie soeben die Zeitung vorlas. Voll inniger Liebe und innigem Danke hing sein Auge an ihren Lippen. Sie war schön, schöner als je; seitdem sie sich mit aufopferungsvoller Hingebung der Pflege ihres Gatten widmete, hatte sie den inneren Frieden wiedergefunden, und auch ihre bereits etwas schwankende Gesundheit hatte sich wieder gekräftigt, ihr Antlitz hatte die krankhafte Blässe verloren, ein rosiger Schimmer schien über dasselbe gehaucht. Sie hielt einen Augenblick im Lesen inne, das Zeitungsblatt umzuwenden, der Commerzienrath legte die Hand darauf. „Ich danke, liebe Helene, das weitere werde ich selbst lesen." ,.,.Wie?"" sprach sie scherzend, „„Du bist mit Deiner Vorleserin unzufrieden; habeich schlecht gelesen?"" „Wie Du so etwas fragen kannst! aber ich mache Dir ohnehin so viel Last und Mühe, daß ich Dich nicht auch noch durch das Vorlesen ermüden will." „„Was man gerne thut, ermüdet nicht, und weißt Du denn nicht, Anton, daß es meine größte Freude ist, mir einzureden, daß ich Dir unentbehrlich bin?" In den Augen des schwachen, in jüngster Zeit leicht erregten Mannes perlte eine Thräne. „„Glühende Kohlen auf mein schuldig Haupt" ", flüsterte er. „St ft!" rief Helene, ihre schmale Hand auf seinen Mund legend, „so darfst Du nicht reden, Anton, das ist wider unfern Vertrag." „ „Aber Deine Güte. —" Sie drückte ihre Hand noch fester auf seine Lippem „Jetzt sprich weiter, wenn Du kannst," rief sie lachend. Er nahm ihre Hand und drückte sie innig. „Helene, wenn ich Dir nur je genügend danken könnte." „„Das kannst Du, Anton, indem Du nie wieder so häßlich sprichst; denn Du weißt, das kann ich nicht hören, und Dich regst Du durch solch häßliche Gedanken auf und verzögerst dadurch Deine Genesung, und ich möchte so gerne recht bald einmal mit Dir ausfahren."" „Möchtest Du das wirklich so gern?" „ „Nein, jetzt fängst Du gar an, meine Worte in Zweifel zu ziehen, da laufe ich davon." Scherzend machte sie Miene, sich zu entfernen; er hielt sie zurück. „So hart wirst Du mich doch nicht strafen? aber ein bischen möchte ich das ^Davonlaufen Dir wohl gönnen, die Sonne scheint heute so schön und das Stück Himmel, das ich von meinem Lehnsessel aus sehe, ist klar und blau. Laß' anspannen, Helene, und fahre ein Stündchen mit Frida in's Freie." „ „Heute fahre ich nicht/'" erwiederte sie ernst, „„heute, ist Sabbat."" „Ach verzeih', ich hatte in der That nicht daran gedacht. Aber das Wetter ist so einladend und die schönen Tage sind noch so selten, willst Du nicht mit dem Kinde einen Spaziergang machen? Der Stadtpark ist so nahe." „„Möchte nur wissen, was Du heute vorhast, daß Du mich um jeden Preis Dir vom Halse schaffen willst. Am Ende erwartest Du gar

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