Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1877)
- Date
- 1877-01-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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100 erhält seinen Abschied. Wenn Er kein Jude wäre, würde ich Ihn für Seine muthige Thai in den Adelstand erheben; so aber geht das nicht. Oder, will Er sich taufen lassen?" Rabbi Bärmann erblaßte. ».„Kurfürstliche Gnaden!"" stammelte er. „Na erschreck' Er nicht; ich bin kein Freund von Proselyten. Da ich Ihn also nicht adeln rann, so will ich Ihm wenigstens ein adeliges Wappen verleihen. Der Dieterich nannte ihn vorhin „Bärmann". So mag Er denn in Seinem Jnsigillo einen Mann führen, der einen an den Bordertatzen gefesselten, aufrecht stehenden Bären am Stricke hält. Gehe Er jetzt mit dem Ruck nnd ordne den Ankauf von Wettin und Quedlinburg; und stelle Er uns günstige Bedingungen. Hört Er! Wir bleiben Ihm in Gnaden gewogen. Und nun, Dieterich, hat Er für einen Imbiß gesorgt?" Der Bürgermeister verneigte sich. Kurfürst Friedrich bot seiner Gemahlin den Arm, um sie in das Speisezimmer zu führen. In der Thüre drehte er sich noch einmal um und winkte dem sich tief verneigenden Juden freundlich mit der Hand. Auch die Kurfürstin hatte für ihn zum Abschiede ein gnädiges Lächeln. Die Geschäfte mit dem Präsidenten von Ruck fanden bald einen gedeihlichen Abschluß. Als Rabbi Bärmann die Wohnung des Bürgermeisters verließ, fand er die gesammteHalberftädterJudenschaft seiner harrend. Sein langes Ausbleiben hatte Alle mit Besorgniß erfüllt. Rabbi Bärmann trat mitten unter seine Glaubensgenossen, und sprach mit lauter Stimme: „Gelobt fei Gott, der Gütige, der es ermöglicht, Gutes zu thun." Dann trat er auf seinen Schwiegervater zu und sprach: „Beten wir für das Wohl unsres Allergnädigsten Kurfürsten, Seine Durchlaucht hat huldvollst gestattet, daß wir uns eine Synagoge erbauen!" Ein Jubelgeschrei erhob sich bei diesen Worten; die Jünglinge jauchzten, die Greise und Männer, die sich noch des Schreckenstages von 1669 erinnerten, weinten; aber es waren Freudenthränen. Rabbi Moscheh Kann, der Schwiegersohn Rabbi Bärmann's drängte sich herzu. „„Was thue ich mit einer Synagoge?"" sagte er, „„man kann auch im Zimmer beten. Hätten wir lieber die Erlaubniß, den Talmud drucken zu lassen, damit die Thora nicht vergessen werde in Israel!"" „Auch diese Erlaubniß habe ich erhalten, mein Sohn. Es wird künftig nicht mehr mangeln an Talmudexemplaren." Jetzt kamen Lehmann und Asarjah herbei. Rabbi Bärmann streckte ihnen seine beiden Hände entgegen: „Wettin und Quedlinburg", sagte er, „sind zu hohem Preise verkauft; der schwierigste Theil meines Geschäftes ist unter göttlichem Beistände erledigt." Auch der brave Peter, der sich seit gestern und heute versteckt gehalten hatte, kam jetzt herbei, seinen Herrn zu begrüßen. „Du hast nichts mehr zu befürchten, Peter," sagte Rabbi Bärmann, „der General von Marwitz erhält den Abschied, und mir hat Se. Kurfürstliche Durchlaucht em adeliges Wappen zu verleihen geruht. Eigentlich gehörte Dir, dem wirklichen Bärentödter, das Wappen. Nun, ich gebe Dir noch zehn Ducaten dafür." Der treue Diener küßte seinem Herrn dankbar die Hand. Wie in einem Triumphzug zog Bärmann nach seinem Hause, wo ihn Frau und Töchter jubelnd empfingen. Frau Mirjam hatte ein Mahl hergerichtet, an welchem die Freunde des Hauses Theil nahmen. Man war fröhlich und guter Dinge. Vor dem Tischgebete erhob Rabbi Bärmann einen mit Wein gefüllten Becher in die Höhe und sprach: „Den Becher des Heils hebe ich empor und den Namen Gottes rufe ich an. Heute ist der frohe Tag, an welchem ich das Versprechen erfüllen darf, das ich als kleines Kind meinen: Vater, sein Andenken sei zum Segen» gelobt habe. Zwar rufen mich wichtige Geschäfte in die Ferne; allein, ich lasse meine Kinder und Ascirjah reisen, ich entferne mi<H nicht von Halberstadt, bis ich sden Grundstein zu der neuen Synagoge gelegt habe." „„Rabbi Bärmann,"" rief der aus dem Anfang dieser Erzählung uns bekannte Samuel, „„dem Amtmann Reichert sein Grundstück in der Bakenstraße ist zu verkaufen. Das paßt für die neue Schul wie kein anderes; gut gelegen, großer Raum, und gar nicht theuer!"" „Gut, Samuel, kauft es, ehe der Reichert erfährt, wozu wir's wollen. Und nun, Freunde, schenkt die Gläser voll und trinket mit mir auf einen gedeihlichen, schönen, geräumigen Bau, in welchem zum Gott Israels gebetet werde, bis daß die Zeit kömmt der vollkommenen Erlösung." (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).