Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1877)
- Date
- 1877-01-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Aleppo 1× ep/1047811
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98 Lenden Juden, ohne Unterschied der Staats-Angehörigkeit, mit dreißigtägigem Termin vom Zustellungstage des Edictes an, bei Geldstrafe und Transportirung auf Kosten der Ausgewiefenen beschlossen. Als der Krieg ausbrach, und man die hiesigen Juden serbischen Unterthanenverbandes zum Ausmarsche verhielt, eilten diese zum Nacalnik (Bürgermeister) und remonstrirlen, daß sie nicht gezwungen werden könnten, für jenes Land zu kämpfen, welches sie hinausjage. Der Nacalnik beruhigte sie, daß der Beschluß bereits wieder aufgehoben sei, und die Juden zogen mit in den Kampf. Vor einigen Tagen wurde der erwähnte Beschluß aber plötzlich reactioirt und den Juden ohne Unterschied, ob sie Serben oder österreichisch-ungarische Unterthanen sind, zugestellt. Am 13. d. überreichten die auf diese Weise arg bedrohten ungarischen Juden beim Generalconsul Fürsten Wrede ein Gesuch, um schleunige Abhilfe bittend. Auch in den übrigen Städten, namentlich in Schabatz und Pozarevac, werden ähnliche Beschlüsse vorbereitet." England. London, 16. Jan. Der Ober-Rabbiner von London, vr. Adler, hat, wie wir der „Times" entnehmen, aus dem District DaSlui in Rumänien einen Brief vom 3. d. M. erhalten, in welchem weitere Einzelheiten über die Judenverfolgung mitgetheilt werden. Darnach sind 400 Familien, bestehend aus 1500 Personen, durch den Befehl des Präfecten Nero Lupasca von Haus und Hof vertrieben worden. Die Mehrzahl der Unglücklichen besteht aus Frauen und Kindern und es ist nur zu begreiflich, daß dieselben ohne Wohnung und Nahrung furchtbar bei 22 Gr.Kälte leiden. Erstaunlich ist nur, daßman noch nichts über diplomatische Schritte der englischen Negierung in Bukarest gehört hat. S y r i e Aleppo. Die Juden in Syrien befinden sich tu schlimmer Lage. Mann befürchtet, daß die Folgen des in Aussicht stehenden Krieges für dieselben «achtheilig sein werden; wer auch den Sieg davon tragen werde — Muhamedaner oder Christen — wird dies zur Unterdrückung der Juden benützen. Vor zwei Monaten wurden zwei isr. Jünglinge von zwei Christen in heimtückischer Weise ermordet und ihres Geldes beraubt. Obgleich die Mörder kurz nach der That gefangen genommen wurden, sind sie noch nicht verurtheilt und auch das geraubte Geld ist den betr. Familien noch nicht zurückgegeben worden. In der Nacht von rmnnnote' beschimpften einige Muhamedaner den Oberrabbiner in Gegenwart vieler Juden. Die Juden leben in großer Angst und wagen nicht gegen diese und Ähnliche Thatsachen aufzutreten, obgleich die meisten derselben angesehene und reiche Kaufleute und vielederselben Consuln fremder Mächte sind. Die Consuln haben vor ihren eigenen muhamedanischen Kawassen Angst. Vor drei Wochen steckte ein Muhamedaner auf öffentlicher Straße einem Juden ein kleines Kind in den Sack. Nicht lange dauerte es und der Jude wurde von einer ihn umgebenden Volksmenge beschuldigt, daß er das Kind zu schlachten beabsichtige, um Blut zur Mazzoihbereitung zu haben. Er wurde schrecklich mißhandelt und wäre wohl auf der Stelle ermordet worden, wenn ihn nicht das Militär gerettet und in's Gefängniß gebracht hätte. Die ganze jüdische Gemeinde stand in Gefahr; da bezeugte der Vater des Kindes, daß er sein Kind nur zum Spaß in den Sack des Juden gethan, um einmal die Juden recht in Angst zu treiben; die Richter lachten zu diesem Spaß und entließen den Juden aus seiner Haft. (Libanon.) Feuilleton. Der Königliche Resident. (Eine historische Erzählung.) VII. „Er ist ein merkwürdiger Mensch, Behrend!" sagte der Kurfürst. „Ich erlaube Ihm, sich eine Gnade zu erbitten, und Er verlangt nichts für sich, sondern nur die Erlaubniß. eine Synagoge für die Gemeinde erbauen zu lassen." „„Ich hab's einst versprochen, Durchlaucht, als ich ein Kind war von acht Jahren, an jenem trüben Tage, da die Stände unrechtmäßiger und gewaltsamer Weise gegen den Willen des höchstseligen Kurfürsten unser Bethaus zertrümmern ließen. Damals habe ich's versprochen, die Synagoge wieder aufzubauen, und ich danke Gott, wenn Eurer Durchlaucht Gnade mir heute verstauet, mein kindliches Versprechen zu erfüllen."" „Sei's darum; doch nun muß ich Euch schon noch eine Gnade gewähren, damit auch Ihr etwavon meinem Wohlwollen genießet." „„Kurfürstliche Durchlaucht find wie die Sonne, deren Strahlen Licht und Warme geben. Haben Kurfürstliche Gnaden gestattet, ein Gotteshaus für die Andacht, für die Wärme des Gefühls zu bauen, so erbitte ich als ein Zweites die Erlaubniß für das Licht der Gotteslehre zu sorgen."" „Ich verstehe Ihn nicht." „„Durchlaucht, die Lehre, die uns Gott gegeben, sie gleicht dem Licht, sie erhellet die Geister;