Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1877)
- Date
- 1877-01-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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97 solche Funktionen vorzunehmen, die sowohl vom religiösen wie politischen Gesetze anS nur autorisirten Rabbinern zustehen. Unter diesen jüdischen Religionslehrern giebt es viele Abstufungen: 1) Mit und 2) ohne Lehrbefähigungszeugniß. Zu Nr. 1 zählen alle jene, welche ihre Lehrbefähigung an einer k. k Lehrerbildungsanstalt erlangt haben. Unter diesen gibts einzelne recht brauchbare Lehrer, die auch in V'jn mit Commentar bewandert sind und den Unterricht in den ebräischen oder vielmehr in den religiösen Lehrobjekten gut zu leiten verstehen. Doch werden diese wenigen Auserkorenen dieses Vorzuges wegen nicht im geringsten mehr oder besser beachtet, als ihre auf religiösem Gebiete ganz unwissenden Collegen, ja es gibt Beispiele, wo sogar von zwei gleich tüchtigen Lehrern derjenige zum Unterrichte in der Religion ausersehen worden ist, der in Hebräisch vollkommen unwissend war' Unter Nr. 2 rangiren sich alle Arten und Formen dem Gewerbe, dem Handwerke wie dem Handel entnommenen Individuen, die auf einem dieser Lebenswege Schiffbruch erlitten haben, um dann das Joch der Thora auf ihre Schulter zu laden. Es ist unbeschreiblich, mit welcher Kühnheit diese Art Leute auftreten. Ihre Unwissenheit ist bodenlos. Den noch so vortrefflich gedruckten und interpunktirten Siddur vermögen sie nicht fehlerfrei zu lesen. Sie selbst haben nie einen regelrechten Unterricht genossen und haben aus irgend einem deutschen Büchel nothdürftig die ritt'ritp no^n gelernt. So boar alles Wissens wie auf diesem Gebiete sind sie natürlich auch in profanen Disciplinen^ Sie sprechen außer Jargon keine lebende Sprache correct; thun aber ihren Committenten gegenüber oft sehr gelehrt. Je nachdem es Zeit und Umstände erfordern, sind diese Art Fehlgeburten oder wenn Sie wollen auch Ausgeburten heute orthodox bis zum Extrem, morgen wieder Vollblut-Reformer, daß Geiger und Consorten hinter ihnen weit Zurückbleiben. Für sich wie für andere ist ihnen Ehre und Charakter gar nichts; sie suchen einen or6 noo, den sie auf jedem andern Wege nicht mehr finden, also muß Las Judenthum herhalten. Da wird das Unwesen auf die äußerste Spitze getrieben. Das ist beiläufig der äußere Umriß von dem Cultus der jüdischen Gemeinden Böhmens. Nächstens mehr darüber. ye"y'K. Rumänien. Bukarest. Deutlicher, als folgender, aus Kalafat, 31. v. M., datirter Brief spricht, kann man wohl kaum die Judenverfolgungen in Rumänien charakterisiren. Die wirklich haarsträubenden Details lauten: In Folge der starken Truppenkonzentrirungea wurden die jüdischen Geschäftsleute, hauptsächlich der ärmeren Klasse angehörig, aufzefordert, sich als Marketender den Truppen anzuschließen. Doch als die Leute mit ihren Vorräthen eintrafen, wurden die ihnen versprochenen Fuhrwerke nicht beigestellt. Es sollte noch ärger kommen. Sämmtliche Offiziere richteten sich so ein, daß, wenn sie keine Provision von den Händlern erhielten, sie ihren Leuten verboten, bei denselben einzukaufen; Andere forderten ihre Leute auf, die Juden durchzuprügeln, wenn sie ihnen nicht Alles umsonst geben; die Dorobanzen ließen sich das nicht zweimal sagen, entrissen dem armen Teufel (sein Name ist Salomon Wolf, österreichischer Untenhan) seine Waare und als derselbe sich dem Beginnen der Soldaten widersetzen wollte, wurde er und sein Weib in furchtbarer und empörender Weise mißhandelt; Ersterer ward durch Bajonnetstiche und Kolbenhiebe lebensgefährlich verwundet. Reklamationen, die der österreichische Konsul allerdings in sehr zahmer Weise machte, blieben erfolglos; in Calaraß, einem an der Donau gelegenen Städtchen, wurde der Kantineur des zweiten Rosciori-(Husaren)-Regiments in grausamer Weise von den hierzu durch die Offiziere aufgereizten Kavalleristen erschlagen, und zwar zu einer Zeit, wo der Kommandant der Militär- Division, General Buscinsky, persönlich in Calaraß verweilte und der Leichnam vor seinem Fenster von der berauschten Soldateska im Kothe vorübergezerrt wurde; ähnliche, wenn auch nicht so tragisch endende Excesse wiederholen sich im ganzen Lande; was Wunder, wenn die armen Juden, Alles im Stiche lassend, sich eiligst aus dem Bereich des Truppenkörp . rs, dem sie engagirt sind, flüchten, wobei ihnen allerdings das Fatale passirt, daß sie als Deserteure betrachtet werden und unerbittlich auf sie Jagd gemacht wird, und da die Prügelstrafe in Rumänien abgeschafft ist, mit dem Steigbügelriemen halbtodt geprügelt und dann von einem Gefängniß in's andere geschleppt werden. (Polit. Volksbl.) Serbien. Wahrscheinlich um das Gleichgewicht zwischen Serbien und Rumänien herzustellen, werden nun auch im erstern Lande Judenhetzen arrangirt. Man meldet darüber aus Semlin, 16 Jan.: „In Semendria hat die dortige Stadt-Vertretung noch im Juni des vergangenen Jahres auf Grund veralteter Gesetze die Abschaffung aller dort domicili-