Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1877)
- Date
- 1877-01-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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96 werthe Initiative unseres ehrwürdigen Oberrabb. in's Leben gerufen worden. Die hiesige vierklasstge Talmud-Thora-Schule leistete unstreitig seit ihrem langjährigen Bestände Großes, jedoch trat insbesondere in den letzteren Jahren die Nothwendigkeit immer mehr und mehr in den Vordergrund, daß, da die die Talmud - Thora - Schule frequentirende Schüler nicht jene genügende Reife im Talmud erlang, ^n, um in die hiesige öffentliche RabbinatSschule ausgenommen zu werden und den ny»» unseres ehrwürd. Oberrabbiners mit Erfolg anhören zu können, eine Schule errichtet werde, welche die TaKnudschüler bis zur Reife für den -»jrtp unseres Oberrabbiners vorzubereiten hat. Unser unvergeßlicher früherer Oberrabbiner rief kurz vor seinem Tode einen minn niO' - Verein in's Leben, welcher diesen Zweck verfolgen sollte. Auf Anregung unseres jetzigen ehrw. Oberrabbiners wurde eine Schule, .iunn'iD'-Schule genannt, gegründet, in der von drei der besten Lehrer nicht nur hiesig gen, sondern auch fremden subsistenzlosen Zöglingen gründlicher und ausführlicher Talmudunterricht unentgeltlich ertheilt wird. Jecheskel David Oesterreicher. Pretzburg, 10. Januar. Donnerstag den 19. Tebeth sind es fünf Jahre geworden, daß on"jo vrri ->did po\o DmsN 'n rosten -isiD ~iro rvowm, Oberrabbiner zu Preßburg, vom Schauplatz seiner rastlosen Thätigkeit abgerufen wurde. Schon beim Ergrauen des Morgens strömte eine große Anzahl seiner Schüler der Stätte zu, um dort ihre Erinnerungsthränen zu vergießen, welche Scene bis zur Mittagsstunde andauerte. Sodann wurde in dem großen, meistens von Schülern und Talmudisten überfülltem Hörsaale der Jeschibah von unserem ehrwürdigen Ober- Rabbiner in Gegenwart seiner fünf Brüder, welche aus ferner Gegend zum Jahrzeitstag ihres großen Vaters herbeigeeilt waren, ein geistreicher Vortrag abgehalten, welcher bis zur hereinbrechenden Nacht andauerte und mit größtem Enthusiasmus ausgenommen wurde. Wir können in Bezug auf diesen noch jungen aber hochgelehrten Rabbi die Worte anwenden: «in no*n njns n~o. Die Zahl seiner Schüler beträgt mehr als 200. wbwnn üinm prw »b mnos. S. Hallasch. Prag. Auf Antrag der hiesigen israel. CultuSvertretung wurde Herr vr. Adolph Ehrenthal, Rabbiner zu Horciz, als einer der drei vom Kriegsministerium ernannten israel. Feldprediger der österreichisch-ungarischen Armee, dem dritten Armeecorps als Seelsorger zugewiesen. (W. Jsr.) Aus Böhmen, 14. Jan. Es ist meines Erachtens sehr zuträglich für die Entwicklung geordneter Zustände, wenn von Zeit zu Z it der wahre Sachverhalt über das religiöse Leben und Wirken in einem Lande in die Öeffentlichkeit gelangt. Es sei daher mit wenigen Strichen hier der religiöse Zustand der Israeliten Böhmens dargelegt, damit daraus die Nothwendigkeit einer Bessergestaltung resultire. Im Allgemeinen ist zu bemerken, daß unter den Ländern dieswie jenseits der Leitha nirgends der JndifferentismuS und Nihilismus so sehr um sich gegriffen hat, wie in Böhmen. Der Jude betheiligt sich hier lebhaft an allen Fragen des socialen Lebens, nur an seiner Religion findet er kein Interesse. Der Boden ist hier für Reformatoren wie für Conservative ein steriler; und deßhalb finden sich die heterogensten Elemente nirgends so sehr vereint wie hier zu Lande, wo die orthodoxesten Leute mit iss')s G,yt£'s in Einer Gemeindevertretung wirken, ohne daß dieselben einander irgendwie irritiren. Eine gottesdienstliche Reform im weiteren Sinne ist nur in sehr wenigen Gemeinden Durchgeführt und diese wenigen sind zumeist sogenannte neue Gemeinden, welche durch die Freizügigkeit entstanden sind. Die Reform in diesen ist in den neuesten derselben folgende: Choralgesang, Eliminirung der nnsn» an sämmtlichen Sabbat- und Feiertagen und zum Theile auch an den hohen Festen n"“>. Deutsche Gebete sind noch nirgends eingeführt. Die Richtung der Rabbiner, namentlich derjenigen, die der Breslauer Schule 'angehören, ist nicht eine reformatorische, doch ist der Wirkungskreis ein äußerst beschränkter und von sehr geringem Einflüsse. Man kennt hier zu Lande das Bedürfniß eines Rabbiners nur bei einer einzigen Veranlassung, nämlich — bei einer Trauung. Aber auch in dieser Richtung wird ein gewaltiger Mißbrauch getrieben, wie er sonst in keinem Lande geduldet wird. Wirklich befähigte und mittelst Statthalterei-Decret bestätigte Rabbiner sind nur in sehr geringer Zahl vorhanden, so daß oft ganz ausgedehnte Bezirke keinen wirklich autorisirten Rabbiner aufzuweisen haben. Die Folge davon ist, daß Individuen verschiedenen Charakters eine Kutte umwerfen und den Rabbiner vertreten. Böhmen besitzt nämlich eine Unzahl kleiner Cultusgemeinden, die zur Roth einen Lehrer, der zugleich Cantor ist, erhalten können. Selten besitzt ein solcher Lehrer ein hinreichendes Ausmaß religiösen Wissens, um auch nur als Religionslehrer für die Jugend zweckentsprechend wirken zu können; ein ebräischer Thoracommentar ist diesen Leuten ein siebenfach versiegelter Brief. Dennoch sind diese ignoranten Persönlichkeiten kühn genug, selbst