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Der Israelit · 1877-01-24 · Heft 4 (24.1.1877) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 4 (24.1.1877)
Date
1877-01-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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81 zulegen. Noch viel weniger kann der Sinn jener Worte dahin gedeutet werden, daß da, wo der Unterricht als ein obligatorischer bereits eiageführt ist und als solcher ohne zu Bedenken Anlaß gegeben zu haben, sich vollkommen bewährt hat, derselbe dennoch in einen blos fakulativen umgewandelt werden solle. — Wir würden es auf's Schmerzlichste bedauern, wenn durch solche Deutung die dankbar anzuerkennenden Absichten, die dem hohen Erlasse vom 30. April 1875 im Allgemeinen zu Grunde liegen, gerade für Breslau, welches aus eigenster Initiative dem Princip der Parität auf diesem Gebiete die Bahn eröffnete, einen in vielen Beziehungen beklagenswerthen Rückschritt zur Folge hätten, der mit jenen wohlmeinenden Absichten in schneidendstem Widersvruch stände. Der Vorstand der Synagozen-Gemeinde. Während obiger Artikel sich im Drucke befand, erhielten wir die nachstehende Correspondenz, die unsre am Eingänge des Artikels in vor. Nummer ausgesprochene Ansicht bestätigt: Dnrmstadt. Vor 9 Monaten hat, wie ich aus sicherer Quelle höre, Hr. Dr. Landsberger von hier bei Großh. Ministerium des Innern eine Petition des Inhalts eingereicht, daß der isr. Religionsunterricht am Gymnasium und an der Realschule, der bis jetzt nur facultativ war, für obligatorisch erklärt werden möge. Die Absicht und der Zweck, die diese Petition verfolgten, liegen ziemlich offen. Wird der Religionsunterricht obligatorisch, dann sind alle Schüler gezwungen, L.'s — vorläufig wenigstens — Unterricht zu frequentiren. Jndeß die Besorgniß sollte rasch wieder verschwinden. Hr. Dr. Marx, der seit seinem Hiersein den Kindern gesetzestreuer Eltern, die Gymnasium oder Realschule besuchen, — und die die Majorität bilden — den Religionsunterricht ertheilt, ließ sofort ebenfalls eine Petition an die hohe Regierung abgehen, worin er Großh. Ministerium bittet, im Falle der Religionsunterricht obligatorisch werde, daß ihm vor wie nach das Recht gewahrt bleibe, den Schülern, die bei ihm den Religionsunterricht besuchen, ihn ertheilen zu dürfen. Schon nach zwei Tagen kam die Antwort, daß es nicht in der Absicht der Regierung liege, den isr. Religionsunterricht für obligatorisch zu erklären. Es bleibt also beim Alten, womit wir recht zufrieden sind. F e ti i t le ton. Vrosclytcii. Von Friedrich Rott. XXXVI. Die Zeit schritt vor, fünf Jahre waren seit dem Brande von Schloß Staremberg verstrichen. Seit jenem Tage war der Glücksstern des Grafen im Sinken. Das Stammschloß seiner Familie lag in Trümmern, die Geliebte seiner Jugend in der Gruft seiner Ahnen und von Jahr zu Jahr verschlechterten sich seine Vermögensverhältniffe. Denn das Spiel, zu dem theilnehmende Freunde ihn anfangs verleitet hatten, um ihn der Apathie, die nach Herminens Tode ihn ergriffen hatte, zu entreißen, war in Kurzem ihm zur Leidenschaft geworden , die zu wachsen schien, je mehr sie dem Ruin ihn zuführte. Trotzdem war er noch immer der stolze, vielbewunderte Cavalier und sein männlich schönes Antlitz hatte zwar die ehemalige Frische verloren, war jedoch dadurch nur noch interessanter geworden, und gar manche schöne Dame der höchsten Aristokratie hätte mit Freuden Herz und Hand ihm gereicht; doch seit Herminens Tode hatte das weibliche Geschlecht seinen Reiz für ihn verloren. Es war am Morgen, Graf Staremberg befand sich am Frühstückstisch. seine Zeitungen vor sich, als ein Diener die eingelaufenen Briefe der Morgenpost auf silbernem Teller seinem Herrn überreichte. Ohne sie mehr als eines flüchtigen Blickes zu würdigen, legte der Graf sie bei Teite und setzte seine Lectüre fort. Endlich waren Frühstück und Zeitungen zu Ende; der Graf war bereits im Begriff, sich andern Beschäftigungen zuzuwenden, als er sich noch rechtzeitig erinnerte, daß er die Post noch nicht erledigt. Er öffnete den ersten Brief, der ihm in die Hand fiel, doch kaum hatte er seinen Inhalt mit flüchtigen Blicken überflogen, als er ihn mit halblaut gemurmeltem Fluch zur Erde schleuderte. Er öffnete den zweiten Brief und verfärbte sich; er öffnete den dritten, den vierten, den fünften und einen nach dem andern zerknitterte, zerriß er und stampfte sie mit den Füßen. „Haben sich denn alleTeufel gegen mich verschworen? mit einem Mal verlangt die ganze Welt ihr Geld." Erregt schritt er einige Mal im Zimmer auf und nieder. „Ich werde dieser Tage dem H ... schreiben müssen, es geht nicht anders, es —" Er wurde unterbrochen, der alte Josef trat herein und überreichte seinem Herrn eine eben eingelangte Depesche. Der Graf erbrach sie und mit lautem Schreckensruf taumelte er zurück. Erschreckt wandte der alte Diener sich um unv wollte ihm zu Hilfe eilen, doch er winkte abwehrend und der Diener verließ das Zimmer. Wie vernichtet sank der Graf in einen Sessel; er hatte soeben Nachricht von dem Falliment des Handlungshauses erhalten, bei dem der letzte Rest seines einst fürstlichen Vermögens deponirt war. Verzweiflung erfaßte das stolze Herz des Mannes, dem einst Millionen zu Gebote gestanden, und der jetzt nichts sein eigen nennen konnte. — Und dazu Schulden. Schulden, drängende Gläubiger. — Was sollte, was konnte er beginnen?

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