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Der Israelit · 1877-01-24 · Heft 4 (24.1.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 4 (24.1.1877)
Date
1877-01-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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76 „Meine Theure, das ist ein merkwürdiger, ein seltener Mann! Ha, ich vergesse," fügte er auf Deutsch hinzu, „daß Er des Französischen mächtig ist. Er ist ein feiner Politiker, Behrend! Schade, daß Er ein Jude ist, Er könnte Minister werden! Doch nun, laßt hören, was hat der polnische Königsthron mit Wettin und Quedlinburg zu schaffen?" „„Eure Durchlaucht wissen, wie die polnischen Großen die Krone zu verkaufen pflegen. Es sind zehn Bewerber da, und Kurfürst August ist der Meistbietende. Um die erforderliche Summe zu erschwingen, wollen Seine Durchlaucht von Sachsen Wettin und Quedlinburg verkaufen."" „Und da bin ich der einzige Käufer! Aber ich habe kein Geld zu solchen Käufen." „„Mögen Eure Durchlaucht mir allergnädigst gestatten, andrer Meinung zu sein. Drei deutsche Fürsten erlangen KönigSkronen. Euer Durchlaucht Nächster Verwandter, der Kurfürst von Hannover, wird König von Großbritanien und Irland werden, der Herzog Adolph von Holstein ist König von Schweden geworden, Kurfürst August von Sachsen wird die polnische Königskrone erhalten. Alle diese hohen Herren werden sich Deutschland mehr oder weniger entfremden. Auch auf Eurer Durchlaucht hohem Haupte wird einst die Königskröne prangen, aber Preußen ist ein Land, dessen Bevölkerung zum größeren Theile deutsch ist; der König von Preußen wird ein deutscher Fürst bleiben, er wird nicht nöthig haben, seine Residenz nach Königsberg zu verlegen; er wird nach wie vor in Berlin residiren."" „Jude, ist Er ein Prophet?" „„Lch bin kein Prophet, aber die Weisen des Talmud sagen, daß ein verständiger Mann in die Zukunft zu schauen vermag mehr als ein Prophet."" „Schon wieder der Talmud! Das soll ja ein Buch voller Fabeln und Ungeheuerlichkeiten sein. Doch sprecht Er, was will Er mit seinen Prophezeiungen besagen?" „ „Ich wollte mir erlauben, zu bemerken, daß Kur-Brandenburg keine Gelegenheit versäumen sollte, deutsches Land zu erwerben. Die Zukunft Brandenburgs liegt in Deutschland vorgezeichnet. Der deutsche Kaiser hat zu viele außerdeutsche Provinzen erworben, daher sieht er es gleichgiltig mit zu, daß der König von Frankreich ein Stück nach dem andern von Deutschland losreißt; es wird eine Zeit kommen, da der königliche Aaar der Hohenzollern mit seinem Herrscherblicke auf ganz Deutschland niederschauen wird. Euer Durchlauchst höchstseliger Vater hat das Werk begonnen, mögen Eure Durchlaucht sich nicht die Gelegenheit entschlüpfen lassen, es gedeihlich fortzuentwickeln."" „Was meint Er dazu, Ruck?" „„Mir deucht, Durchlauft, der Jude hat Recht,"" „Und was sagt meine Gemahlin?" „„Ich stimme dem Herrn Präsidenten von RuÄ vollkommen bei?" " „Und wie ist Seine Meinung, Dieterich?" „ „Durchlaucht sind zu gnädig^ nach meiner geringen Meinung zu fragen; ich verstehe nichts von der hohen Politik; aber das kann ich Eurer Durchlaucht versicheru, daß es in Halberstadt keinen gescheidteren Mann als den Juden Bärmann gibt." " „Was sagt Er? Bärmann!" „ „Durchlaucht verzeihen, die Juden nennen ihn Bärmann; er schreibt sich aber Behrend Lehmann." " „Nun gut, Behrend, ich will auf Seinen Vorschlag eingehen und die beiden Fnrstei thümer erwerben, vorausgesetzt, daß Er sie nicht zu hoch im Preise hält. Er mag das Weitere mit dem Präsidenten von Ruck besprechen. — Es freut mich. Ihn kennen gelernt zu haben, und deßhalb mag Er sich jetzt eine Gnade erbitten." „„EineGnade, Durchlaucht?"" rief Rabbi Bärmann, freudig überrascht. „Ja doch! Aber besinne Er sich erst, damit Er sich nicht übereile!"" ,,„O, ich brauche mich nicht zu besinnen; mögen Durchlaucht mir meinen heißesten Wunsch erfüllen und gnädiglich gestatten, daß die Juden- Gemeinde zu Halberstadt sich wieder eine Synagoge erbaue."" (Fortsetzung folgt.) Erklärung. Zur Ergänzung der in diesen Bl. veröffentlichten Annonce der Herren 'Viäal-M^uetk'ilo^.iuö in Montpellier bemerken wir, daß nach Vereinbarung mit dieser Firma der von uns gestellte Aufseher Herr David Bloch aus Strößburg jedezu versendende Slück mit seinem Siegel zn versehen hat und dieses von uns anerkannt wird. Dr. I. Hildesheimer. Dp. I. H. Dünner. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).

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