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Der Israelit · 1877-01-24 · Heft 4 (24.1.1877) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 4 (24.1.1877)
Date
1877-01-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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73 ligen gelingen, der rumänischen Regierung in dieser Beziehung richtigere Begriffe beizubringen, als jene find, welche bisher in dem Vorgehen ihrer Organe zum Ausdruck gelangten." Ein von kompetenter Stelle ausgehendes Communique in den Pesther Blättern bezeichnet die Nachrichten über die Judenverfolgungen aus Rumänien als übertrieben. Es wurde im Districte Vaslui mehreren Juden die Ausübung der Schankgerechtigkeit verboten. Außerdem sei in Bukarest von der Ausweisung einer gewissen Janel Finkelstein die Rede gewesen. Von Seiten Oesterreichs sind beim Consulat bezüglich beider vertragswidrigen Verfügungen bei der rumänischen Regierung Schritte eingeleitet worden. — lieber einen empörenden Auftritt inKrajowa berichtet das „N. W. T.": Am Weihnachtsabend waren sechs Kompagnien Infanterie, welche zur Division des General Lupu nach Cetate nächst Calafat bestimmt waren, zum Abmarsche bereit und schickten sich eben an, die Stadt zu verlassen, in welcher sie einigeWochen in Garnison gelegen und bei den dortigen Jaden zahlreiche Schulden contrahirt hatten, als der kommandirende Offizier ohne jeglichen Grund seine Mannschaft haranguirte, zuvor den Juden die Fenster einzuschlagen. Kaum war das Commando den Lippen des Edlen entflohen, als die Abtheilungen sich lösten und unter wüstem Gejohle die ohnehin stark illuminirten Krieger in die Häuser der jüdischen j Bevölkerung drangen, dort alles zerstörend und! demolirend, nachdem sie zuvor alle Fenster durch Steinwürfe zertrümmert, alle Victualiengewölbe geplündert. Sämmtliche Inwohner, die sich zur Wchr setzen wollten, wurden gröblich isultirt, selbst Mißhandelt, desgleichen friedliche Passanten, wenn dieselben wagten, den Unholden ein scheeles Gesicht zu zeigen. Die Excedenten nahmen weder auf Alter noch Geschlecht die mindeste Rücksicht; die Regierung verhält sich in diesen scandalösen Fällen den militärischen Exzedenten gegenüber nicht nur passiv, sondern bestraft oft noch Die Klage Führenden, wenn selbige der mosaischen Religion angehören. Bukarest, 9. Jan. Heute aus directer Quelle hier eingetroffene Nachrichten bestätigen und illuftriren in trauriger Weise die abscheulichen Vorgänge im Districte Vaslui. Hienach haben sich allein nach der Stadt Vaslui sechszig der vertriebenen Judenfamilien geflüchtet, woselbst sie von der Mildthätigkert ihrer dortigen Glaubensgenossen leben. Eine Commission unter dem Expräfecten Protopopescu, welche der Minister behufs Constatirung des Vorfalls beordert, hat sich damit begnügt, natürlich aus Höflichkeit für den in der Sache verwickelten Präfecten Lupaschcu, ein von diesem designirtes Dorf zu besuchen, woj raus blos ein Theil der israelitischen Bevölkerung! bis jetzt vertrieben ward. Herr Protopopescu sowoht wie Lupaschcu haben sich sodann, der Eine! im Vollgefühle der erfüllten Pflicht, der Andere! stark in seiner Unschuld, über Jassy wieder hierher verfügt, um wahrscheinlich den verdienten Lohn! zu empfangen. > Welcher Werth auf das bereits in ausländii schen Blättern erschienene abschwächende Dementi und auf das nunmehr sicherlich noch zu gewärtigende zu legen ist, mag außerdem noch dadurch bewiesen werden, daß zwei der Unglücklichen bereits der Verfolgung und den erlittenen Mißhandlungen erlegen sind, und daß gestern eine Mißhandlung von Juden in der Stadt Vaslui selbst stattgefunden hat. Das ist als die erste Frucht der Aufhetzungen und der Brandartikel anzusehen. Es dürfte demnach durchaus nicht Wunder nehmen, | wenn auch andere Ortschaften dem Beispiele Va-! luis sich anschlössen, umsomehr, als die jetzigen i Zeiten sehr schlecht sind, der Handel gänzlich dar-! niederliegt, demnach das bischen ersparte Geld der wehrlosen Juden nicht zu verachten ist. Die rasch unter den Juden des Landes, die der Hauptstadt nicht ausgeschlossen, sich verbreitende Angst ist daher sehr begreiflich. Die Drohung eines Journals, daß man alle Juden des Landes auf den Friedi Höfen „einbürgern möchte", hat zu dieser Angst viel beigetragen. Frankreich. Parts. (Monatsbericht sDec.j der „All.JSr. Univ.") (Brief an H. Prof. Schleiden.) Paris, 27. Nov. 1876. Mein Herr! Man hat uns Ihren Artikel in der Westermann'schen illustrirten Monatsschrift über die Bedeutung der Juden für die Erhaltung und Belebung der Wissenschaften im Mit-! telalter mitgetheilt; wir haben mit dem lebhaftesten j Interesse diese liebenswürdigen Blätter gelesen, j auf denen Sie mit einer so großen Genauigkeit und einer so hohen Competenz die geistige Ge-! schichte unserer Vorfahren erzählen. Sie waren, j indem Sie dieselben schrieben, von den bestenGe- I fühlen des Wohlwollens und der Gerechtigkeit be-! feclt Wir sind von diesen Beweisen Ihrer Sym-! pathie tief gerührt und haben die Ehre, Ihnen j hierfür unsere volle Erkenntlichkeit auszudrücken.! Genehmigen Sie, mein Herr, die Versicherung unserer hohen Achtung. Für das Central-Co mite: Der Präsident: Ad. Cremieux. (Der Handelsvertrag mit Rumänien.) Verj schiedene Zeitungen haben vor einiger Zeit berichtet, daß Frankreich und England den von Ruj mänien beantragten Handelsvertrag unterzeichnet I hätten. Diese Nachricht ist durchaus falsch; ein

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