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Der Israelit · 1877-01-24 · Heft 4 (24.1.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 4 (24.1.1877)
Date
1877-01-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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t - * 70 Uebles, alS dieser plötzlich v:rschwL"d DieOfficiere scherzten und plauderten beim Essen; Lieutenant Winsloe war eben im Begriff, nach den in einer Scheune abge stellten Pferden zu sehen, als in den Straßen Alarm entstand. Im Nu war das Haus umstellt; ma» eilte zu den Pferden, die nicht s"- tzleich zur Hand waren; bereits knallt n die Pistolen; es galt, sich durch eine feindliche Schwadron, welche von dem verratherrschen Judenherbstgerufen war, durchzuschlagm. Lieutenant von Wechmar s^otz den vordersten Angreifer, einen französischen Wachtmeister, vom Pferde, geieth aber bald ins Gedränge und ward gefangen; von Villers unterla, gleichfalls der Uebermacht, ebenso die verwundeten Dragoner. Winslo, ein kräftiger Mann, guter Reiter und Fechter, erlag nach verzweifelter G.'geawchr den Waffen der ihn umringenden Finde. Rar G af Zppstin schlug sich auf seinem kräftigen Thier glücklich durch; er erhielt zwar manchen Hieb, kam aber endlich glücklich bei den bäuerischen Vo Posten wieder an, wo er mit lautem Jabel begrüßt wurdet Was sagen unsre Leser, zu der Art und Weise, wie hier das Benehmen eines Juden den Kindern dargestellt wird? Man möge wohl erwägen: Die deutschen Reiter befinden sich in Feindesland, „um werthvolle Notizen über die Stellung des Feindes zu sammeln und ihren Heerführern mitzutheilen. Ein Jude, französischer Staatsbürger, was aber wohlweislich verschwiegen wird, erfährt davon; „die Offiziere scherzen und plaudern ja beim Essen " Er beeilt sich, diese sein Vaterland gefährdende Thatsache unschädlich zu machen. Ist das nicht eine patriotische That, die alles Lob verdient? Würde nicht jeder Deutsche, wenn feindliche Reiter in seinem Baterlande recognosciren, ebenso habe handeln müssen? Muß man denn nicht den Patriotismus auch bei den Feinden anerkennen? Aber, weil dieser Franzose ein Jude ist, da wird er sofort zum verrätherischen Juden! Den Kindern aber, die das lesen, die sich sogar eingehend mit den Lesestücken beschäftigen müssen, werden die Worte „verräterisch" und „Jude" als zusammengehörig eingeprägt! Daß aus solcher schändlicher Saat die Giftpflanze des rohesten Fanatismus emporsprießen muß, unterliegt keinem Zweifel. Die hohe Behörde, welche dieses Buch in die Schulen eingeführt, hat sicherlich dies wie noch viele andere Mängel desselben übersehen. Zweck dieser Zeilen ist, dahin zu wirken, daß dieses „deutsche Lesebuch für Volksschulen* einer gründlichen Umarbeitung unterzogen werde; es würden dann noch viele Lesestücke, die von Albernheiten, Aberglauben, Quacksalbereien, grammatisch^^, und ftylistischen Fehlern strotzen, durch andere zu** ersetzen oder zu verbessern sein. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Aus Mittelfranken Am 9. Januar d. I., als am Vorabende zur Reichstagswahl, fand in Mkt.-Einersheim eine Versammlung der conservativen Partei statt. Dortselbst trat der aufgestellte Candidat auf. Seine Rede war eine gediegene zu nennen und zeigte von einem echten Charakter. Nun nahm ein Gutsbesitzer aus Unterfranken das Wort. Er zog hauptsächlich gegen das Gründerthum los. Sein Vortrag strotzte von Rischus, indem er sich der gemeinsten Ausdrücke bediente, wie z. B. Spitzbuben, HalsabschneAer u. s. w. Und dies Alles gab er in solch^yumoristischer Weise her, daß die Lachmuskeln des anwesenden Publikums sehr in Anspruch genommen wurden. Endlich betrat ein Geistlicher die Rednerbüßne. Dieser hatte es besonders auf die confessiomSlosen und Communal-Schulen abgesehen. Es scheint ihm schon vor bn Stunde zu bangen, an welcher der Jude als Volksschullehrer angestellt wird. Unter Anderm drückte er daS Wort „Jüden" in solch langem Athemzuge aus, daß man besorgen mußte, eS könnte seinem Sprachorganismus üble Folgen bringen. Welche Eindrücke solche Vorträge auf das gemeine Publikum machen, und welcher Judenhaß dadurch auf das platte Land verpflanzt wird, bedarf keines weitern CommentarS. Wiesbaden, 18. Januar. Dem Bürgerausschuß lag ein Vertragsentwurf zwischen der Stadt und den Herren Abraham Stein und Meyer-Baum Namens der isr. Religionsgesellschaft über den Ver- resp. Ankauf von 1 Morgen städtischer Waldfläche im District Höllkund lediglich zur Anlage eines eigenen Begräbnißplatzes für die isr. Religions Gesellschaft (Preis 900) zur Genehmigung vor. Herr App.-Ger. Vicepräs. a. D. Bertram regte im städtischen Interesse die Eigenthumsfrage an, da die genannte Religionsgesellschaft keine CorporationSrechte besitze, die Stadt aber von ihrem Waldareal nichts an Privatleute verkaufen solle; behufs Erwägung dieser juristischen Frage schlug Redner vor. die Angelegenheit an eine Commission zu verweisen. Der Vorsitzende Herr Oberbürgermeister Lanz machte darauf aufmerksam, daß sich die isr. Religionsgesellschaft bezüglich des Begräbnisses ihrer Tobten in einem gewissen Nothstande befinde, und ersuchte, heute den Vertrag zu genehmigen. Herr Bär stellte das Vorhandensein eines Notstandes in Abrede, jeden Tag und jede Stunde könnten ja die Mitglieder der isr.

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