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Der Israelit · 1877-01-17 · Heft 3 (17.1.1877) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 3 (17.1.1877)
Date
1877-01-17
Page
– (sequence 18)
Language
German
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58 Morgengottesdienste die Mitglieder seiner Gemeinde, sowie seine nächsten Verwandten, um dem Jubilar ihre Glückwünsche darzubringen. Nach einem gemeinschaftlichen vrnp und zur Ehre der Verwandten, welche einen prachtvollen Pokal überreichten, veranstalteten Festessen wurde der roff Nachmittag in geheiligter Stimmung verbracht und dem Jubilar durch Glückw.'.nschadressen aus der Nähe und Ferne die herzlichste Theilnahme bewiesen. Möge es dem Jubilar, den auch die Achtung und das Vertrauen seiner nichtjüdischen Mitbürger in den Gemeinderath seines Wohnortes berufen hat, und der das Glück hat, am 'rvi die nb’D rvso an einem Großneffen zu vollziehen, noch recht lange vergönnt sein, w mnaa wn D'jarfr «n"y L. Cohen, Lehrer. Rees a Rh. Die hiesige jüdische Schule wurde durch Verfügung der Königl. Regierung zu Düsseldorf zu einer öffentiichen Schule erhoben und dem Lehrer L. Cohen die Leitung derselben definitiv übertragen. Oe ft er r. -Ungar. Monarchie. Pefth. Ein Mortarafall en miniature ist dieser Tage in hiesiger Hauptstadt zu Tage getreten, der gewiß bej jedem wahren und humanen Glaubensgenossen nur gerechte Indignation Hervorrufen wird gegen Diejenigen, die den ganzen Fall hätten verhüten können und auch dazu berufen sind, ihn zu verhüten. Ein gegenwärtig 4V- Jahr altes Kind, Namens Joseph Fleischmann, ist der Sohn einer jüd Dienstmagd, der einem Bauern auf dem Lande zur Pflege übergeben wurde. Doch, da die saubere Mutter seit ungefähr Jahresfrist kein Lebenszeichen von sich gegeben und dem Bauern die Pflegegebühren nicht zugestellt wurden, machte sich der gute Mann auf den Weg nach der Hauptstadt, um da die Mutter des Kindes, das er mit sich führte, aufzusuchen. Die Mutter war spurlos verschwunden. Schon war der Bauer im Begriffe, das arme unschuldige Kind auf einer Pester Gasse einsam und verlassen seinem ungewissen Schicksal zu überlassen, als ein eben dazu kommender christl. Taglöhner aus Mitleid für das arme Wesen, sich erbötig machte, dasselbe in seine Behausung aufzunehmen. So blieb denn auch das Kind ca. 6 Monate bei dem guten armen Manne, der jedoch dieser Tage bei der betr. Bezirkshauptmannschaft erschien und dort die Geschichte des Kindes erzählte, für dessen weitere Existenz er aus'Mittellosigkeit nicht mehr sorgen kann, und verlangte demzufolge diegebührenden Verpflegungskösten,. sonst würde er das Kind auf's Stadthaus bringen-, und da zurück Lassen. Der gute Mann wurde auf kurze Zeit vertröstet. Mittlerweile wandte sich diebetreffende Behörde an die Pester Congreß-Gemeinde mit der Bitte, das Kind-, ins isr. Waisenhaus aufzunehmen, was aber dieselbe mit dem. Bemerken ablehnte, daß sie (man höre und staune)' die Aufnahme des Kindes deshalb verweigern, müsse, weil dasselbe in ihre Matrikel nicht eing - tragen wurde. Das also ist die Humanität und religiöse Pietät dieser Congreßgemeinde. Der Taglöhner, der vergebens auf' eine Austragung dieser leidigen Affaire wartete,, kam letzten Sams^ tag wieder aufs Amt, wo er das Kind auch wirtz lich sich selbst überließ. Der Husar des Vree» bürgermeisters begegnete auf dem Gange der betr. Sektion dem verlassenen Kind,, erbarmte sich seiner und erklärte im Amte, dasselbe zu adoptiren und auf seinen Namen römische katholisch taufen zu lassen, da doch die jüdische Gemeinde für das Kind nichts ttzun wolle. Gegen diesen Antrag hatte die Congreßgemeinde nichts einzuwenden» Nichts weniger als fthLn ist es, wenn der „Wiener Israelit" diese Mittheilung mit den Worten schließt: „Und die weltberühmte jüdischorthodoxe Partei in Pesth, die das Judenthum zu fördern sucht, wo bleibt denn die?" Warum macht dieses Blatt der Orthodoxie einen Vorwurf daraus, daß sie nichts für das Kind gethan? Der Redakteur hätte sich doch denken könne», daß die orthodoxe Partei von der ganzen Angelegenheit nicht unterrichtet sein mochte, wie dies auch wirk» lich der Fall war. Die Schmach trifft ausschließlich die Congreß-Gemeinde, die direkt aufgefordert worden war, für das Kind zu sorgen und durch deren Verweigerung eine Art Mortorageschichte in zweiter Auflage heraufbefchworen worden wäre, wenn nicht die orthodoxe Gemeinde die Angelegenheit in Angriff genommen hätte. Dem..Pesther Journal" vom 3. Jan. entnehmen wir nämlich, daß der Secretär der Pesther autom. orthodoxen jüd. Cultusgemeinde in deren Namen folgendes Gesuch beim Budapesther Magistrate einreichte: Löblicher Magistrat! Aus den Blättern haben wir erfahren, daß cieser Tage beim Magistrat ein 4^2 Jahre alter Waisenknabe, isr. Abstammung, zurückgelassen wurde. Da die Pesther isr. Cultusgemeinde auf Ansuchen der achten Bezirksvorstehung die Versorgung dieses Waisenknaben verweigert hat, so erklären wir uns bereit, obgleich die in unserem Budget für Waisenzwecke präliminirte Summe bereits erschöpft ist, den erwähnten Waisenknaben auf unsere Kosten zu versorgen. Ignatz Bil, l itz, Secretär u. s. w."

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