Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1877)
- Date
- 1877-01-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XV1H Jahrgang. Zweite Oeitage tlr. 3 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. D e u t f ch l a n d. Aus dem RabbinatSbezirke Lnn-gtt (Pfalz), Ihr sehr geehrter Correspondent im Elsaß wundert, sich in Mr. 50 dieser gesch. Blätter darüber, wie ein Mann wir Grünebaum, nach den Ungeheuerlichkeiten, die Ln dessen Familie vorgekommen, noch Wärter Rabbiner sein könne, oder, mit dessen eigenen Warten : Wie ikann eirr Gemeinde, wie ikann ein ganzer Rabbinatsbezirk so Unerhörtes -ruhig geschehen lassen?" Diese Frage zu beant^ Worten', ist der ganze Zweck Vieser Zeilen, die leider «den so ungehört und eben so unbeachtet, als alle -früheren Korrespondenzen in dieser höchst traurigen Angelegenheit verhallen werden. Unser Rabbiner weiß sehr wohl, was er den Pfälzer Glaubensgenossen bieten darf, und hat es darum auch bisher nicht einmal der Mühe werth gehalten, auch nur ein Wörther Erwiederung auf dic vielen an ihn ergangenen Anfragen in den Tagesblättern kundzugeben. Und er hat dies auch ganz und gar nicht nöthig! Bald darauf nämlich nahmen Andere — Ungefragte und Unberufene — für ihn das Wort, schimpften weidlich aus allen Tonarten auf die Fragesteller und priesen Grünebaum für sein Benehmen in den Himmel hinein. Was mögen das wohl für obscure Leute gewesen sein, die sich Solches unterfingen? werden Sie fragen. Nun, die wohllöblichen „Synagvgen-Ausschüsse" von Landau, Edenkoben und Germersheim. Glauben Sie mir, diese Vertheidigungsartikel jüdischer Gemeindevertretungen haben mein Herz weit mehr zerrissen, als das Handeln Grünebaums'! — Wie aber ist Solches erklärlich? Darauf gibt es nur eine Antwort: nur durch die unbeschreibliche Unwissenheit in allem Jüdischen, die, mit einer entsprechenden Keckheit verbunden, wie in der Pfalz, sich n"a weit und breit nicht mehr findet. Bei uns schämen sich nicht Leute, die schon Großstädter sind, zur Thora rufen zu lassen, ohne die n;n3 über's -120 zu kennen!!! Damit ist auch die andere Frage Ihres gesch. Correspondenten. im Elsaß beantwortet: wie nämlich unser Rabbiner sich nicht entbiödet, nachdem er doch öffentlich unsere heiligsten Religionsgesetze verleugnet, Trauungen twnr’i m: vorzunehmen? Je nun, wenn er zur Vornahme von Trauungen gerufen wird, >! wenn ihm die Leute damit indirect sagen, daß er! ihnen zum Ertheilen von prrpp gut genug ist, — warum sollte er darum nicht kommen?! Wurde er doch, nachdem das Unerhörte in der Familie eines im Amte stehenden Rabbiners in der ganzen Pfalz längst bekannt war, von einem Brautpaare aus Dürkheim nach dem von hier unweiten Dorfe Diedesfeld, wo kein einziger Jude wohnt, gerufen um in einem nichtjüdischeu Gasthause seine Trauung zu vollziehen! Nach genauester Information kann ich Ihnen versichern, daß der Vater des Bräutigams in Dürkheim zu den „sehr Religiösen" gezählt werde; jetzt zähle sich Einer an den Ringern ab, wie die „Neuen" bei uns beschaffen sind!!... Wie es unter solchen Umständen mit mpic, rmw jc. bestellt ist? Die Feder sträubt sich, es niederzuschreiben ... So lange unsere Kinder in der bejammernswerten jüdischen Unwissenheit erzogen werden, so lange wird keine That zu ungeheuerlich sein, um Jemanden dadurch bei uns zum Rabbiner, Lehrer oder Schochet für unfähig zu halten. Rees a. Nh., im Dec Am 2. Tage naun waren es 50 Jahre, nachdem Herr H. Löwenstein in Gemen bei Borken in W. zum ersten Male die Funktionen eines brno an einem Neffen vollzog. Während dieses Zeitraumes hat derselbe diese msD an Hunderten von Kindern ausgeübt, und war es stets seine hauptsächlichste Sorge, die sämmtlichen darauf bezüglichen Be immungen nach Vorschrift unserer beil. Religions-Codic. mit genauester Pünktlichkeit zu erfüllen. Herr Löwenstein gehört überhaupt noch zu den inWestphalen leider immer seltener werdenden wahrhaft frommen Jehudim, die ihre höchste Beseligung in der Ausübung unseres heiligen Gottesgesetzes finden. Der Kelch des Leidens wurde ihm zwar zum öftern gereicht. aber er leerte ihn mit ruhiger Ergebung in den heil. Willen Gottes. Bor 13 Jahren legte eine schreckliche Feuersbrunst in wenigen Augenblicken fein ganzes Hab und Gut in Asche. Mit Wehmuth schaute er an der Seite seiner tugendhaften Gattin und im Geiste der jüdischen Religion erzogenen Kinder auf das Grab seiner entschwundenen Erdenherrlichkeit — aber sein frommer Sinn und sein unbegrenztes Gottvertrauen erhielten ihn aufrecht und ließen ihn den Aufbau aus den Trümmern n"jn erleben. Zur Erinnerung an den Eingangs erwähnten Tag versammelten sich am rouni rar nach dem