Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1877)
- Date
- 1877-01-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447699--13310-2469172- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
50 ür die Festtage theilweise abgeschafft. Eine durch, aus durch nichts zu rechtfertigende, mit der Schrift in geradem Widerspruche stehende Reform besteht darin, daß am Sukkothfeste nicht einmal der Borbeter ESrog und Lulaw beim Gottesdienste in die Synagoge bringen darf. In dieser Hinsicht ist die Eisenacher Synagoge sicher ein Unicum. Und dabei betet man das Jozer, welches auf diese Handlung Bezug hat, und lies't die betreffende Vorschrift aus der Thora vor! Sieht das nicht wie Spott aus? Der Landrabbiner hat es bis jetzt noch nicht vermocht, eine Aenderung herbeizuführen. Als eine erfreuliche Thatfache ist zn berichten, daß sich hier schon vor etwa sechs Jahren zwei Chebro's gebildet haben, eine Mann er- Che bro, deren Zweck sich auf allsabbatliches „Lernen" beschränkt, und eine Frauenchebro, welche wohlthätige Ziele verfolgt. Der vor mehreren Jahren als Landrabbiner in's Großherzogthum Weimar berufene und in Stadtlengsfeld wohnhafte Herr Or. Croner, früher Semi'nardirector in Münster, gehört der orthodoxen Richtung an. In Folge dessen hat er mit den auf der entgegengesetzten Seite Stehenden schon manchen Kampf zu bestehen gehabt. Dieselben verhalten sich zum Theile ihm gegenüber immer noch abwehrend; doch hat die in der That sehr bedeutende Rednergabe dieses noch jungen Mannes ihn schon viel Boden innerhalb seiner Gemeinden gewinnen lassen und ebnet ihm die.Herzen der seinen Seelsorge Unterstellten mehr und mehr, so daß sich mit der Zeit auch von dieser Seite ein freundliches Entgegenkommen hoffen läßt. In Stadtlengsfeld selbst hat sich seit dem Dortsein des jetzigen Landrabbiners wieder ein echtes K'-hillaleben zu entwickeln begonnen. Ueber die äußern Verhältnisse der Israeliten in Eisenach und im Großherzogthum überhaupt im nächsten Artikel. Amerika. New-Nark. Bei dem schrecklichen Theaterbrande in Brooklyn sind auch viele Israeliten um's Leben gekommen. Eine garne jüdische Familie, aus fünf Mitgliedern bestehend, Namens Salomons, fand dabei ihren Tod. Philadelphia. Zur Erinnerung an die hundertjährige Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten Nordamerika's haben die in diesen Staaten wohnenden Israeliten eine Statue ausarbeiten lassen. Die Statue, das Werk des Herrn M. Ezekiel (Israelit), wurde am30. Nov. v. I. unter großer Betheiligung seitens des Publikams, besonders Israeliten, und unter großen Festlichkeiten in Philadelphia auf dem Weltausstellungsplatz aufgestellt. Die Statue trägt die Inschrift: „Zur Erinnerung an den hundertsten Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit. Gewidmet der Sache der Religionsfreiheit von dem Orden B'nai B'rith und den Israeliten Amerikas." Feuilleton. Prosclytcn. Von Friedrich Rott. XXXV. Er setzte sich wieder zu ihr und bot all seine Beredsamkeit auf, sie zur morgigen Abreise zu bewegen, doch umsonst. Vergebens stellte er ihr vor, daß seine Ehre seine Abreise heische, sie zuckte die Achseln, vergebens stellte er ihr vor, daß es doch von jedem Standpunkt aus als lächerlich erscheinen müsse, wolle man von allen den dreihundertfünfundsechszig Verboten, die die sog. frommen Juden beobachten, sich grade an eines klammern. Helene, obgleich üllerrafcht durch die hohe Zahl, versicherte, daß sie es innig bedauere, nicht alle beachten zu können; doch dieses sei unmöglich, da sie nur das eine kenne, aber weil sie es kenne und weil die Erläuterung, die ihr darüber geworden , sie so innig angesprochen habe, darum habe sie sich gelobt, es nimmer zu übertreten und sei gewohnt, zu halten, was sie sich gelobt. Das wußte der Commerzienrath und gerieth nahezu in Verzweiflung, als er die Unmöglichkeit erkannte, sie zum Nachgeben zu bewegen; er verlor endlich so sehr alle Besonnenheit, daß er zu einem geradezu verzweifelten Mittel griff, sie seinem Verlangen geneigt zu machen; bei ruhiger Ueberlegung hätte er es vermuthlich vorgezogen, die Hälfte seines Vermögens auf's Spiel zu setzen, als das zu thun. Er theilte ihr nämlich mit, daß sie in Wirklichkeit gar nicht Jüdin sei. Mit weit aufgecissenen Augen schaute Helene zu ihm auf, sie schien im ersten Moment nicht im Stande, es zu fassen. Doch allmählich gelangte sie zum Verständniß. alle Farbe wich aus ihrem Antlitz, selbst ihre Lippen waren weiß. Der Commerzienrath hatte bereits seine entsetzliche Unbesonnenheit erkannt und hätte Welten darum gegeben, hätte er seine Worte ungesprochen machen können — doch