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Der Israelit · 1877-01-17 · Heft 3 (17.1.1877) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 3 (17.1.1877)
Date
1877-01-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVIII. Jahrgang. Erste SeUage)« tlr. 3 des Israelit. ZeiN'naSnachricbten und Correfpondenzcn. Deutschland. Aus Thüringen. Aus Thüringen dringt von den israel. Gemeinde - und Cultuszuständen selten Etwas in die Oeffentlichkeit. Wenn man, gestützt auf den Ausspruch Schillers, daß der Staat und die Frauen die besten seien, welche am wenigsten von sich reden machen, jene Zustände dieserhalb für vollkommen und in jeder Beziehung mustergiltig halten wollte, so dürfte das doch nicht ganz zutreffend sein. Der Hauptgrund liegt wohl darin, daß Thüringen bis jetzt nur wenig jüdische Gemeinden zählt. Das Wohnrecht der Juden war dort bis vor dem Eintritte der Freizügigkeit auf nur wenige Orte beschränkt. Das Freizügigkeitsgesetz hat diesen Wall durchbrochen. Seitdem haben sich Juden auch in solchen Ortschaften niedergelassen, welche früher keine hatten, aber nur vereinzelt , so daß neue Gemeindebildungen daraus noch nicht hervorgehen konnten. Daß solche Vereinzelung dem religiösen Leben nicht förderlich ist, dasselbe vielmehr erschwert und schädigt, ist begreiflich. Nur einige größere Städte. 'welche bereits bestehende Gemeinden hatten, haben diese durch Zuzug schnell anwuchsen sehen. Zu diesen gehört auch Eisenach, mit welchem wir heute unsere Thüringer Umschau eröffnen wollen. Bor circa 25 Jahren wohnten in Eisenach nur zwei jüdische Familien, deren Wohnberechtigung daselbst noch viel weiter zurückdatirt. Vor 60 Jahren durfte außer diesen kein Jude in der Stadt übernachten. Im Jahre 1864 war die Zahl der hier ansässigen Familien bereits auf l2—14 angewachsen , da von Seiten der Stadt dem Zuzuge keine großen Schwierigkeiten entgegengesetzt wurden. Diese constituirten sich um diese Zeit als selbstständige Gemeinde. Der jetzt hier noch amtirende Lehrer und Vorbeter, Herr Heidingsfeld, ein Schüler des hiesigen Schullehrerseminars, war vor der Constituirung der Gemeinde hier schon wohnhaft und hat daher bei derselben mit zu Gevatter gestanden. Für den Aufbau und die friedliche Weitergestaltung der jetzt bis zu 60 Familien angewachsenen Gemeinde war es sicher ein Glück, daß dieser in religiöser Beziehung der conservativen Richtung angehört. Er bildete dadurch für einen großen Theil der Zugezogenen, welche, im Gegenj satze zu den ursprünglichen Mitgliedern, der ortho»? doxen Richtung angeboren, einen conservativen Mittelpunkt und das Bindemittel, den friedlichen Zusammenhang der Gemeinde zu ermöglichen, da er durch friedliches Wesen und richtigen Takt jede Collision zu vermeiden und den Ansprüchen Aller die unter den obwaltenden Umständen möglichste Befriedigung zu verschaffen weiß. Die Gemeinde hat seine Leistungen auch bereits durch mehrmalige, ihrer jeweiligen Mitgliederzahl entsprechende Gehaltssteigerung anerkannt. Die Gemeinde hat kurz nach ihrer Constituirung ein eigenes HauS erworben, in welchem sich die Lehrerwohnung, sowie auch das Betlokal, ein geräumiger Saal, befinden. Eine eigentliche Synagoge besitzt sie noch nicht. Das Bedürfniß zum Bau einer solchen ist in höchst dringender Weise vorhanden, da der jetzige Betsaal an den Festtagen die Besucher nicht mehr zu fassen vermag und an 2"''. n"n ein Theil der Gemeinde ausquartirt werden muß. Die Mehrzahl der Gemeinde dürfte auch wohl für den Synagogenbau gestimmt fein; aber' man hat diese Frage bis jetzt noch nicht vor die Gemeindeversammlung gebracht. Man scheint diesen Punkt gern so lange als möglich unberührt lassen zu wollen, weil es eben ein — Geldpunkt ist. Wir halten diesen Punkt nicht für so unwesentlich , daß man ihn nicht sehr reiflich zu erwägen hätte; aber eine Gemeinde von 60 fast lauter wohlhabenden, ja sogar einigen sehr reichen Mitgliedern hat wahrlich nicht Ursache, vor demselben so sehr zurückzuschreckcn, daß sie nicht einmal an die gemeinsame Erörterung desselben gehen dürfen. Wie beschämend ist diesem gegenüber das Beispiel so mancher kleinen Landgemeinde! Als David zur Ruhe gelangt war und sich ein prächtiges Haus gebaut hatte, fühlte er sich innerlich beunruhigt durch den Gedanken: 3ten' ojn nj nm njr-rn iTü nm ernten D’nx nOD, d. h. „Siehe doch! ich wohne in einem Hause von Cedern und die Lade Gottes wohnt unter dem Teppich." (2. Sam. 7. 2.) Möchten die reichen Mitglieder der Eisenacher Gemeinde, wenn sie in ihren Prunkzimmern sich bewegen und behaglich fühlen, auch zuweilen eine ähnliche Beunruhigung empfinden! Der Gottesdienst findet noch ziemlich in althergebrachter Weise statt, so daß auch der orthodoxen Richtung Angehörige in demselben Befriedigung suchen und finden können. Die crors und nnstr für die Samstage sind indessen völlig,, die

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