Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1877)
- Date
- 1877-01-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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üereingeörocfjen, und finstere Gedanken bemächtigten sich seiner. Der Oberbürgermeister war bei ihm gewesen und hatte ihm die Drohung des General» berichtet. Rabbi Bärmann hatte den Oberbürgermeister gebeten, einen Courrier mit Depeschen an die Regierung und an den Höchst-Commandirenden in Magdeburg zu senden, um von dem Vorfälle Kunde zu geben. Es unterlag keinem Zweifel, daß die hoben Behörden den Gewaltact des Generals von Marwitz verhindern würden, wenn die Hilfe nicht zu spät kommen möchte. Und wenn die Hilfe zu spät käme? Dann war Alles aus; der wüthendej General kannte kein Erbarmen; dann würde Rabbi Bärmann den Märtyrertod sterben. Doch ein Trost wenigstens — einen Tod für eine gute That! Aber war die That so ganz gerechtfertigt, war sie nicht doch unbesonnen? Durfte er Gewalt mit Gewalt bekämpfen? Wäre es nicht angemessener gewesen, sich in Berlin zu beschweren und den Schutz des Kurfürsten gegen den Bären des Herrn von Morwitz anzurufen? Freilich, wenn der Kurfürst auch befohlen hätte, j der General hätte dennoch nicht gehorcht. In da- | maliger Zeit waren die Entfernungen noch sehr j groß, und es gab weder Zeitungen noch Parlamente, durch welche die Beschwerden des Volkes hätten zum Ausdruck kommen können. — Der Tod; „In Deine Hand, mein Gott, befehle ich meine unsterbliche Seele!" Rabbi Bärmann hatte schon einmal dem Tode ins Auge geschaut. Das war schon lange her. Rabbi Bärmann hatte seine Jugend in Hannover zugebracht; zuerst als Talmudjünger; er hatte aber auch in anderen Dingen sich dort Kenntnisse erworben. Der große, weltberühmte Philosoph Leibnitz, den er durch Zufall hatte kennen lernen, haste ihm Unterricht in der Mathematik ertheilt. Spater war der Jüngling in das Geschäft des Oberhoffactors Liepmann eingetreten; dieser hatte den geistvollen, tüchtigengewandten jungen Mann bald lieb gewonnen, und verwandte ihn zu den wichtigsten Geschäftsunlernehmungen. Namentlich sandte er ihn gern an Fürsten und andere hohe Herren. Einst hatte der junge Bärmann dreißigtausend Thaler an den Fürsten von Dessau zu bringen. Er fuhr im Wagen seines Prinzipals; zwei bis an die Zähne bewaffneten Diener begleiteten ihn. Plötzlich, auf! offener Landstraße, am Hellen Tage ertönte der! Ruf: „Halt, halt, wenn Euch Euer Leben lieb ift!" j Der Kutscher peitschte auf die Pferde los, aber j ein Trupp Reiter versperrte den Weg. An V-r- > theidigung war nicht zu denken. Die Kutsche > hielt; die Insassen wurden entwaffnet.! „Wie heißt Du, Jude?" schrie einer der j Reiter den zitternden Bärmann a".! „„Behrend Lehmann."" stammelte dieser. „Woher bist Du?" ,, „Aus Halberstadt." " j „Schreib's auf, Fritz! Behrend Lehmann j aus Halberstadt, Du hast viel Geld bei Dir." „ „Geld? Nein, gnädiger Herr, nur fünfzig! Ducaten!"" „Ha ha, und zum Schutze von fünfzig Ducaten j zwei bewaffnete Diener?" Der Reiter zog eine Pistole hervor, spannte den Hahn und hielt sie auf Bärmann. „Jude," schrie er. ..wenn Du mir nicht die j volle Wahrheit sagst, schieße ich Dich nieder wie; einen Hund. Wie viel Geld hast Du im Wagen?" j „„Dreißigtausend Thaler in Gold.""! „Soviel kann ich gerade brauchen. Höre,! Behrend Lehmann aus Halberüadt, ich will eine j Anleihe bei Dir machen. Ich werde Alles zurückbezahlen, mit Zinsen und Zinseszi sen; aber ich kann noch nicht bestimmen, wann. Heraus mit dem Gelde! ‘ „„Gnädiger Herr, ich bin ein armer Commis, ich habe kein Geld auszuleihen. Das Geld gehört meinem Herrn."" „Gilt mir gleich." „„Aber ich gebe das Geld meines Herrn nicht her."" „So schieße ich Dich nieder und nehme das Geld doch. Sei kein Narr, erhalle Dir das Leben und erspare mir das unnöthige Blutvergießen." Dies Argument war unwiderleglich. — Bärmann gab das Geld, und der fremde Reiter war noch so freundlich, ihm fünfzig Ducaten als Reisegeld zurückzugeben. Bärmann fuhr dennoch nach Dessau und machte beim Fürsten die Anzeige. Dieser schäumte vorWuth, daß Solches am Hellen Tage in seinem Lande hatte passicen können. Die ganze Militärmacht des Landchens wurde anfgeboten; jedes Fleckchen wurde durchsucht: von den Räubern wurde keine Spur gefunden. Schweren Herzens kehrte Bärmann nach Hannover zurück. Dreißigtausend Tbale r sind noch heute viel Geld; vor zweihundert Jahren aber war das eine ganz enorm hohe Summe, deren Verlust selbst dem reichen Oderhoffactor Liepmann gar sehr empfindlich war Man kann sich denken, welchen Empfang Bärmann hatte. Dazu kam noch, daß feine N ider die Möglichke t ansspcachen, daß die ganze Raubgeschichte fingirt sei, nichts als ein Complvtt zwischen Bärmann, dem Kutscher und den beiden Dienern, die dann das Geld vergraben hätteil und es schon unter sich theilen.würden. Es war doch gar zu auffallend, auf offener Heerstraße,