Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1877)
- Date
- 1877-01-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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46 England. London. In England wird gegenwärtig, besonders in militärischen Kreisen, für die türkischen Truppen, die, vieler nothwendigen Dinge entbehrend, große Noth leiden, Gelder gesammelt. Zu diesem Fond gab auch Sir Moses Montefiore 100 L., wovon 50 L. zur Erinnerung an seine verstorbene ^Frau. Bei dieser Gelegenheit richtete er an den türkischen Gesandten in London ein Schreiben, in welchem er der türkischen Regierung seinen Dank dafür oussprach, daß dieselbe zu jeder Zeit seine Glaubensgenossen in kräftigster Weise geschützt. „Ich werde niemals," schreibt Sir Moses, ,',den ruhmvollen Haiti - Sherif vergessen, den der verstorbene Abdul Medjid im Jahre 1840 zu Gunsten der Juden gegeben. in welchem er denselben die gleichen Rechte und Privilegien wie den übrigen Unterthanen des türkischen Reiches gewährte." Mit dieser Kundgebung wollte Sir Moses Montefiore nichts weniger als auf die politische Arena treten. Seine Zeit ist nur wohlthätigen Werken gewidmet, und nur eine echte Philantropie hat ihn zur Spendung dieser Gabe und zur Veröffentlichung obenbezeichneten Schreibens veranlaßt. Dabei schreibt Sir Moses nicht über ein ihm unbekanntes Land; viele Jahre seines werthvollen Lebens hat ./r im Orient verbracht, um persönlich die Lage seiner Glaubensgenossen zu prüfen und zu bessern. (Daily Telegraph.) London. Die Grausamkeiten, welche sich die Bewohner von Rumänien gegen die Juden zu Schulden kommen ließen, erregten in England ungeheures Aufsehen. Das Comitv der „Anglo Jewisb Assoc." trifft Vorbereitungen, um die Sache im Parlamente anzuregen, Meetings werden abgehalten und vorbereitet, um gegen diese christl. Greuel zu sprechen -und Abhilfe zu verlangen. — Dem Comite, welches Beiträge zur Unterstützung türkischer Soldaten sammelt, traten in den letzten Tagen einige Lords bei, und die hervorragendsten Mitglieder der „Anglo Jewish Assoc.", wie Sir Moses Montefiore, Sir Albert Sassoon und Baron Henry Worms. Die Beiträge belaufen sich bereits auf mehr als siebentausend Pfund. Türkei. Konftautinopel. Der Minister des Aeußern äußerte sich einem Diplomaten gegenüber, daß er! bereit sei, einen jüdischen und zwei christliche Gou-! verneure zu ernennen. Unser berühmter Glaubensgenosse Bukhud Effendi soll als Gouverneur nach Rustschuk geschickt werden. (Wiener Jsr.) Amerika. New-York. Mit'dem Dampfer „Alexandria" traf die Marmorgruppe, welche die „Religiöse Freiheit" verherrlichen soll und von dem jugendlichen Bildhauer M. Ezekiel zu Nom im Aufträge des israel. Ordens „B'nei Brith" angefertigt wurde, in New-Aork ein. Mau hatte gehofft, daß dieselbe noch vor dem Schluß *der Ausstellung anlangen würde, dies war aber nicht möglich, und deßhalb wird die Gruppe ern später enthüllt werden müssen. Das Postament, auf welches sie zu stehen kommen soll, ist bereits vor einiger Zeit, der Columbus-Statue gegenüber, aufgerichtet wordec. Die Gruppe besteht aus drei Figuren, von denen die mittlere Amerika darstellt, welche auf der Brust ein Schild mit den Sternen und Streifen trägt. In der Linken hat die prächtig ausgeführte weibliche Figur eine Papierrolle, die Constitution versinnbildlichend, und einen Lorbeeikranz, während der rechte Arm ausgestreckt ist und die Intoleranz von sich weist. Zur Rechten der Amerika steht ein nackter Knabe, welcher den Glauben darstellt, mit nach oben gewendetem Gesichte und zum Gebete erhobenem Arm, während er in der anderen Hand eine Lampe als Symbol der niemacs erlöschenden Flamme der Religion hält. Auf der linken Seite zur Mittelfigur sitzt ein Adler, welcher die Fänge tief in den Nacken der Schlange „Intoleranz" geschlagen hat. Die Gruppe wird eine Zeit lang im Fairmount Park ausgestellt und schließlich nach ihrem Endbestimmungsorte, Philadelphia, gebracht werden. (Ist inzwischen, wie wir bereits berichtet, geschehen.) Feuilleton. Der Königliche Resident. - (Eine^ historische Erzählung.) V. Rabbi Bärmann saß auf der hartenHolzbank in seinem engen Gefängnisse. Die Nacht war