Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1877)
- Date
- 1877-01-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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32 auch hier, wie überall, die Anmuth und Liebenswürdigkeit seiner Frau allgemeine Bewunderung erregt, und diese Bewunderung schmeichelte dem alternden Gatten, der seine jugendliche Frau fast vergötterte, und wenn die Huldigungen der eleganten Herren ein Gefühl der Eifersucht auch zuweilen in ihm erweckten, Helenens ruhiges, sicheres Benehmen, ihr kühles, abwehrendes Lächeln beruhigten ihn vollständig, aber trotzdem hätte er sie um keinen Preis auch nur für einen Tag in dem Strudel des eleganten Lebens allein lassen mögen. Erfühlte sich unaussprechlich glücklich, und auch Helene, seitdem sie Mutter war, empfand eine Art von Glück. In der sogenannten Welt hatte sie sich imnur heiter und glücklich gezeigt, längst bevor sie e in Wirklichkeit war; kein Mensch sollte ahnen, daß es nicht wirkkliche Neigung gewesen, die sie veranlaßt hatte, dem Commerzienrath ihre Hand zu reichen, und sowohl ihre Heiterkeit als auch die freundliche Achtung, mit der sie ihm stets begegnete, hatte rasch jedes mitleidige Flüstern zum Schweigen gebracht. Es war gegen Abend, ein Gewitter schien im Anzuge und hatte die Familie an's Haus gefesselt. An dem offenen Fenster des Salons saß Helene, ihr Töchterchen, ein wunderschönes Kind von ungefähr einem Jahre, auf demSchooße haltend, ihr gegenüber ein junger Mann, Alfred Mühlheim, ein Neffe ihres Mannes, der seit einigen Tagen die Gastfreundschaft seines Onkels genoß. Helene hatte sich anfangs recht gern mit dem muntern, witzigen, jungen Mann unterhalten; doch bald glaubte sie zu bemerken, daß der unbefangen vertrauliche Ton, den sie gegen einen so nahen Verwandten ihres Gatten annehmen zu müssen geglaubt, diesem mißfiel, und war ihr deßhalb ein töte ä töte mit ihm keineswegs willkommen. Die dunkeln Wolken am Himmel zogen sich noch dichter zusammen, einzelne Blitze zuckten durch die Luft, jauchzend streckte die Kleine die Händchen danach aus. „Sehen Sie doch, liebe Tante," rief bewundernd der junge Mann, „wie Frida's Augen leuchten und wie seltsam sie jener Wetterwolke gleichen, ganz dieselbe Farbe, nur blitzt es in ihnen häufiger als dort am Himmel." „„Sie fangen zeitig an, Ihrer Cousine den Hof zu machen,"" erwiderte Helene lächelnd; doch unwillkürlich gedachte sie jenes dunkeln Augenpaars, bei dessen Anblick sie einst eine ähnliche Bemerkung gemacht und unwillkürlich athmete sie tief auf. In diesem Augenblick fuhr ein greller Blitz durchs Zimmer, dem ein furchtbarer Donnerschlag fast unmittelbar folgte. Die Kleine schrie laut auf, und barg das rosige Gesichtchen an Helenens Busen. Alfred eilte zum Fenster, es zu schließen. Frida hatte jedoch den momentanen Schrecken -ald vergessen und amusirte sich königlich bei dem ihr ganz ne :en Anblick eines Gewitters, denn trotz der ziemlich vorgerückten Jahreszeit war es das erste in diesem Sommer. Je heller die Blitze, je stärker der Donner, desto lauter jauchzte die Kleine. „Komm, Frida, komm, wir holen noch mehr Blitze her-Mer," rief Alfred scherzend. Die Kleine streckte ihm die runden Aermchen entgegen, er mußte sie nehmen und tänzelte singend mit ihr im Zimmer umher. Heiter lächelnd schaute die junge Mutter auf das seltsame Paar. Da trat der Commerzienrat!) in's Zimmer, er sah erregt aus. „Das ist ja ein entsetzliches Gewitter, fürchtet das Kind sich nicht?" „„Durchaus nicht, sieh nur, wie sie nach den Blitzen greift."" Zerstreut blickte der Commerzienrath auf die beiden Tänzer und nickte ihn n zu. „Was ist Dir, Anton?" fragte Helene, „Du bist so echauffirt." Der Commerzienrath fuhr sich mit dem Tuche über die Stirn. „„Es war heute entsetzlich schwül und außerdem habe ich wichtige,Nachrichten von zu Hause erhalten. Ich kam Dir Zusagen, liebes Kind, wir muffen morgen Vormittag abreisen."" Eine leise Röthe färbte Helenens Wangen. „Morgen," wiederholt sie zögernd, „morgen sollen wir abreisen? Du würdest mich sehr verbinden, wenn Du die Reise auf übermorgen verschieben wolltest." „„Unmöglich, liebes Kind, rein unmöglich. Meinst Du denn, ich würde Dir eine so übereilte Abreise zumuthen, wenn nicht zwingende Gründe sie veranlassen? Aber ich muß absolut morgen Abend um sechs Uhr zu Hause sein."" „Kann ich Ihnen, lieber Onkel, vielleicht in irgend welcher Beziehung von Nutzen sein, so bitte über mich zu verfügen." „„Ich danke Dir, Alfred, Du bist sehr freundlich und will ich Dein gütiges Anerbieten in Erwägung ziehen, aber im Augenblick —"" „Verstehe, verstehe lieber Onkel," fiel lachend der junge Mann ein, „im Augenblick würde ich Sie sehr verpflichten, wenn ich mich zurückziehe. Nun, Sie wissen, welchen Werth ich darauf lege,meinem Schwiegervater in 8pe zu gefallen und darum eile ich, Ihren freudlichen Wink zu vollziehen. Aber wie ist's, soll ich mein süßes Bräutchen mit in's Billardzimmer nehmen oder wollen Sie, liebe Tante, es hier behalten?" „„Wollen Sie ihr vielleicht die Billardkugeln