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Der Israelit · 1877-01-10 · Heft 2 (10.1.1877) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 2 (10.1.1877)
Date
1877-01-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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81 Majorität gewählt und ist dies daher als Vertrauensvotum für die Verwaltung anzusehen. Uerdingen, 19. Dec. Gestern Nachmittag wurde in der Nähe des Crefelder Thores, an einem Baume liegend, ein Mann aufgefunden, der anscheinend dem Tode nahe war. Eine benachbarte israelitische Familie bemerkte denselben, nahm ihn ins Haus und pflegte sein. Das ihm dargereichte Brod verschlang er mit Heißhunger. Nachdem er durch die Stärkung etwas zu sich gekommen, erzählte der Mann, er sei Bildhauer und aus Württemberg, habe in Trier zuletzt gearbeitet und das Nöthige für seine Familie erworben. Leider sei seine Frau vor einem Jahre gestorben und seine vier Kinder befänden sich seit dieser Zeit bei seinem Bruder in Minden. Die Sehnsucht nach seinen Kindern habe ihn zur Reise getrieben, und diese habe er aus Sparsamkeitsrücksichten zu Fuß machen wollen. Seit zwei Tagen habe er keinen Bissen über seine Lippen gebracht, weil ihm die Reisemittel zu früh ausgegangen, und zu betteln hätte er nicht vermocht. So habe er sich denn hier vor Mattigkeit an einen Baum gelehnt und sei zusammengesunken. Die Papiere des Unglücklichen bestätigten vollauf seineMi'tbeilungen. Obgleich seine Kleidung recht anständin schien, wurden ihm doch verschiedene Kleidungsstücke sowie einiges Taschengeld überreicht. Auch hinzugekommene Neugierige thaten ihre milde Hand auf. Zugleich beauftragte die Familie ihr Söhnchen, den Mann, aus dessen Papieren sie gesehen, daß er kein Confessionsgenosse war, zur Bahn zu begleiten und ihm ein Billet bis Minden zu kaufen. Bei solcher Theilnahme perlten dem Aermsten Dankesthränen die Wangen hinab. (C. Z.) Rumänien. Bukarest, 19. December. Die Mittheilung, daß die „Alliance Jsraelite" eigene Delegirte nach Konstantinopel geschickt habe, de die Mission haben, der dort tagenden europäischen Konferenz ein Memorandum über die sogenannte „Rumänische Inden-Frage" zu überreichen, und für die politische Gleichberechtigung der Israeliten in Rumänien zu wirken, hat hier Verdruß erregt. So oft dieses Thema aufs Tapet gebracht wurde, war in rumänischen Kreisen, ohne Unterschied der politischen Färbung, stets nur eine Stimme, die laut und energisch die Frage der Juden-Emanzipa-» tion in Rumänien als eine rein interne bezeichnte und jede fremde Einmischung in dieselbe mit der Motivirung entschieden zurückwies, daß diese Frage nur eine sociale sei, die auch nur auf socialem Wege ausgetragen werden könne. Man muß eben dem Gerechtigkeitssinne der Rumänen von außenher uachhelfen. Türkei. Konstantinopel, 23. Dec. Die ottoma- , nische Versagung, welche heute feierlich proclamirt j wurde, enthält unter Anderen folgende Bestimmungen: Die Unterthanen des Reiches werden Ottomanen genannt. Ihre Freiheit ist unverletzlich. Der Islam ist die Staatsreligion ohne theokratischen Charakter, und besteht keinerlei andere Unterscheidung. Die religiösen Privilegien der Gemeinden und die freie Ausübung aller Culte werden garantirt. Weitere Puncte sind: Preßfreih it und Lehrfreiheit, obligatorischer Elementar-Unterricbt, Vereinsrecht, Petitionsrecht an die Kammern. Gleichheit Aller vor dem Gesetze, Zugänglichkeit der öffentlichen Aemter für alle ohne Unterschied der Religion, gleiche Vertheilung der Steuern, deren Einhebung kraft eines Gesetzes Conditio sine qua non ist. Das Eigenthum wird garantirt, das Hausrecht ist unverletzlich. * P a l ä st i n a. Jerusalem. Der Kaiser von Brasilien, welcher bekanntlich für die hebräische Literatur großes Interesse zeigt, hat seine Anwesenheit im heil. Lande dazu benutzt um alle jüdiscken Alterthümer zu besichtigen. In Jerusalem nahm das Kaise-paar den Oelberg und andere Merkwürdigkeiten in Augenschein. ' Ein Israelit diente den hohen Herrschaften als Wegweiser. Feuilleton. Prosclyten. Von Friedrich Rott. XXXIV. Es war im Juli; die Saison in Baden-Baden war auf ihrer Höhe. Unter den angesehensten Gästen des Kurortes befand sich der Commerzienrath Mühlheim mit seiner Familie. Helene, im vierten Jahre ihrer Ehe, stand jetzt in ihrem einundzwanzigsten Lebensjahre, in der Blüthe ihrer Schönheit, und da der Commerzienrath seit seiner Verheiratung auf sehr großem Fuße lebte, so hatte

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