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Der Israelit · 1877-01-10 · Heft 2 (10.1.1877) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 2 (10.1.1877)
Date
1877-01-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVIIl. Jabr ^ng. Erste ScUagc)« tlr. 2 des Israelit. Leitender Artikel. Eia Nabbiacr -er Dreslaucr Richtung über die biblischtu Wunder. (Schluß.) Nachdem wir dies geschrieben hatten in der Meinung, daß das Glaubensbekenntniß des Herrn T bereits zu Ende sei, wurden wir durch einen Schluß des Vortrags im jüngsten L.-Bl. überrascht, und wir müssen gestehen, daß wir erstaunten. Herrn T. so unvorsichtig zu finden; denn da hat er mit einem Male die verschlungenen Pfade der Diplomatie verlassen und spricht wenigstens an einer Stelle seiner Herzensmeinung aus. so daß sie jedes gewöhnliche Menschenkind verstehen kann. Diese Stelle lautet folgendermaßen: „Zur erforderlichen Zeit ließ die Vorsehung jenes Naturprodukt Manna so massenhaft und andauernd sich „bilden, daß es zur Nahrung für ein Volk ausreichte, und Moses sagte dies Wunder voraus. Da haben „Sie die Merkmale des Nothwendigen, des zugleich „Natürlichen und Wunderbaren, des Glaubhaften, weil ,gar nicht anders Erklärbaren und die Voraussage „durch den Propheten." Hätte diese Erklärung gleich am Anfänge gestanden, so hätten wir unumwunden Hrn. T. gleich für ein -so an der Wahrheit der min erklärt. Es wird also hier allen Ernstes dem Allmächtigen die Möglichkeit abgesprochen, aus den beengenden Gränzen der Natur herauszutrcten; es wird vielmehr behauptet, auch er sei daran gebunden. Allerdings wird die Pille versüßt dadurch, daß gesagt wird, was gegen die Natur sei, müsse als widernatürlich, also unvernünftig gelten, und das könne ja von Gott nicht gedacht werden. Es ist das dieselbe Lehre, nach welcher die Heiden unter dem Vorgeben, daß es des Ewigen unwürdig sei, ihm die Kenntniß und Beaufsichtigung der irdischen Dinge absprachen. Nun seien uns nur einigeFragen an Hrn T. erlaubt, die auch theilweise schon in der Iüd. Presse gestanden haben. Was haben wir zu verstehen unter dem Ausdruck D’crn Dir? 03} “vood ’jjh V Was ferner unter der nooor, die den so bedeckte: Woher kam es, daß 40 Jahre lang sich dies wiederholte, und daß immer gerade am non kein da war? Daß eifrige und träge Sammler planmäßig für jede Person in ihrem Zelte einen am Freitag immer 2 ~>oiy an dem Gesammelten vorfanden? Daß das Uebrige am andern Tage in Fäulniß überging, ausgenommen am Freitag? Ferner, waren unsere Vorfahren! denn so unerfahren, daß sie Manna nicht kannten! und nitfD erst fragen mußten, was es sei? Was sagt die Schrift davon onvn nx irr-,' pah, da nach Herrn T.'s Meinung das;o selbst etwas ganz Einfaches und nur dessen Massenbildung ungewöhnlich war? Ist etwa letzteres weniger Wunder, als dasselbe überhaupt als durch Wunder erzeugt zu glauben? Sie sehen, Herr vr., wir halten uns nur an den Buchstaben der Schrift, und stützen unsere Fragen weder auf erleuchtete noch unerleuchtete Gelehrte. Wir sind begierig, die Antworten darauf zu vernehmen. Ein Freund aus Berlin schrieb mir damals, der Bortrag sei voller rrrsD gewesen. Er braucht dessen gar nicht voll gewesen zu sein, denn dieser eine Ausdruck verurtheilt ihn so hart, daß es eines Mehr gar nicht bedarf. Wir stehen nicht an, unumwunden zu erklären, daß, während wir Herrn T. bisher nur für einen schwankenden Charakter, der mit dem Breslauerthum liebäugelte, hielten, wir jetzt zu der Erkenntniß und dem festen Urtheil gekommen sind. derselbe stehe mit allen destructiven, an den Wahrheiten der nun zweifelnden Rabbinern auf einer Stufe. Während er in dem bei weitem größten Theile seines Vortrages nur über das Wunder schwadronirte, hat er in diesem allerletzten Theil durch die Erklärung des jo endlich Farbe bekannt. Allerdings war uns, abgesehen von der Liebedienerei gegen das Brest. Sem., schon der Umland verdächtig, daß er keine Gelegenheit unbenutzt vorübergehen ließ, wo er vr. Hildesheimer oder Rabb. Hirsch einen kleinen freundschaftlichen Seitenhieb versetzen zu können glaubte, aber wir hielten ihn doch nicht für so nahe der äußersten Link-n unter den radikalen Bibelerklarern. Nun es ist immer gut, wenn man seine Leute kennt, man läßt sich dann nicht mehr durch allerlei schöne Fanfaronaden, die ja so billig wie Brombeeren sind, irre machen. — Um nun aber, noch mit etwas Positivem zu schließen, erklären wir, daß unsere Ansicht über die Wunder der hl. Schrift in dem kurzen Ausspruch des tu'jn h mdn p zu finden ist: nox' pHrn p»} noxff ’D poirj}, „wer dem Oel die Eigenschaft der Brennbarkeit gegeben, kann dies ja auch dem Essig verleihen," d. h. also, Gott ist nicht an die Naturgesetze gebunden, er kann sie aufheben nach Gutdünken — allerdings thut er dies nur für eine bestimmte Zeitdauer, wie es die oben angeführte Stelle im Moreh lehrt — verändern, erweitern. Es ist dies weder zu nennen: widernatürlich noch widervcrnünftig (ein Ausdruck, bei dessen Geburt

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