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Der Israelit · 1877-01-10 · Heft 2 (10.1.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 2 (10.1.1877)
Date
1877-01-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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28 i Rabbi Bärmann war in sein Haus zurückgekehrt. „Peter!" rief cr seinem Bedienten zu, der ihn auf seinen vielen Reisen zu begleiten pflegte, „Peter, sind meine Pistolen in Ordnung? Ich muß heute noch nach Berlin reisen!" „„Ja, Herr, sie sind in Ordnung."" „Peter. Du bist ein trefflicher Schütze; willst Du durch einen wohlgezielten Schuß auf ein gemeingefährliches Unthier 10 Ducaten verdienen?" Peter sah seinen Herrn fragend an. „Der Bär des Generals von Marwitz hat soeben ein Kind getödtet. Es ist dies schon das zweite Menschenleben, das dieses Thier dahingerafft hat. Nimm meine Pistolen, schieße cs nieder, und ich schenke Dir 'e;n Ducaten." „„Aber Herr, der General von Marwitz."" „Ich übernehme die Verantwortung. Du bist mein Diener und thust cs auf meinen Befehl; es ist meine Hand, die durch Dich das gefährliche Thier lödlet." Peter nahm die Pistolen seines Herrn, lud sie scharf und ging dem Bären nach; er fand ihn bald, und zwei wohlgezielte Schüsse streckten das mächtige Thier todt nieder. Unterdessen war die Kunde von dem getödteten Kinde zu dem General von Marwitz gedrungen; dieser sandte seine Diener aus, die den Bären heimsührcn sollten; siefanden eine große Menschenmenge, welche den getödteten Bären umstand. ,Wer hat es gewagt," fragte einer der Bedienten, „das Lieblingsthier Seiner Excellenz nied-rzuschießen?"- „Der Jude Behrend Lehmann,"" war die Antwort, „„hat es erschießen lassen, weil ein Judenkind von dem Bären ist erdrückt worden."" Als der General den Hergang erfuhr, schäumte er vor Wuth. Er gab sogleich Befehl, daß ein Piquct Soldaten ausrücke, um Rabbi Bärmannzu verhaften. Dieser aber hatte vorausgesehen, was kommen würde. „Kinder," sagte er zu den Seinen, „unterlasset alle die Reisen, bis diese Bärenangelegenheit geordnet ist.. Ich begNie mich sofort zum Bürgeimeister Dieterich und verlange dessen Schutz gegen den General von Marwitz." „ „Was hast Du gethan?"" sprach seine Gattin weinend „„und gerade jetzt, da Dich so wichtige Geschäfte in Anspruch nehmen!"" ' „Ich habe kein wichtigeres Geschäft, als die Unterdrückten gegen die Gewaltigen zu beschützen. Gott wird es zum Guten lenken." Rabbi Bärmann begab sich zum Oberbürgermeister. Lhr kommt." redete ihn dieser an, „um gegen den General von Marwitz Klage zu führen. Sein Bär hat ein Judenkind erdrückt." „„Nicht doch, Herr Oberbürgermeister, ich komme, um mich in Ihren Schutz zu begeben. Ich habe den Bären erschießen lassen.^" Der Bürgermeister erblaßte. „Was habt Ihr gethan, Bärmann," rief er; „der General ist der Commandant unsrer Stadt; er kann Euch sofort erschießen lassen." „„Sie werden mich ihm nicht ausliefern."" „So wird er Gewalt anwenden." „"Herr Oberbürgermeister, ich erwarte, daß Sie mich beschützen. Sollten Sie es nicht thun, so setzen Sie sich großer Gefahr aus. Sie wissen, der Fürst von Dessau iß mein gnädiger Gönner, die G äsen von Stolberg, von Affenburg, von Hoym sind mir befreundet. Und lesen Sie diese Vollmacht: Seine Kurfürstliche Durchlaucht von Sachsen haben mich zu Allrrhöchstdero General- Bevollmächtigten ernannt; ich bin im Begriff nach Berlin zu reisen, um mit unserm Allergnädigsten Kurfürsten wichtige Geschäfte zu entriren." Der Oberbürgermeister rannte voller Verzweiflung im Zimmer umher. Unterdessen waren die Soldaten unverrichteter Sache zurückgekehrt. Der General ließ die Thore der Stadt schließen, und befahl, die ganze Stadt nach dem Bärenmörder durchsuchen zu lassen. Der Oberbürgermeister wußte keinen anderen Rath, als den Deliquenten in das feste Gefängniß am Domplatz führen und dort einschließen zu lassen. Dann ließ er dem Stadtkommandanten sagen, der Verbrecher befinde sich in bürgerlicher Haft und Gewahrsam. General von Marwitz verlangte die Auslieferung des Juden, welche der Bürgermeister standhaft verweigerte. Da gab ihm der General 24 Stunden Bedenkzeit. Wenn der Jude nicht binnen 24 Stunden in seiner Gewalt sei, so werde er das Gefängniß erbrechen und nölhigensalls mit Kanonen zusammenschießcn lassen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. * Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger)

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