Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1877)
- Date
- 1877-01-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Istanbul 1× ep/1044827
- Oran 1× ep/1048048
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26 England. London, 28. Dec. Eine Deputation des Englisch-jüdischen Vereins (Anglo-Iewish Association) machte gestern unter Führung des Barons Henry de Worms dem Carl von Derby im auswärtigen Amt ihre Aufwartung und überreichte ihm eine Denkschrift der israelitischen Conferenz, welche Mitte December in Paris versammelt war. In derselben wird die britische Negierung ersucht, durch die in Konstantinopel versammelte internationale Conferenz ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß keine Lösung der orientalischen Frage erfolge, welche nicht die sociale Lage der Juden in Rumänien und Serbien in Betracht ziehe und die denselben gewährte bürgerliche und religiöse Freiheit vervollkommne. Nachdem Baron Worms sowie die Parlamentsmitglieder Serjeant Simon und Goldsmid den Anschauungen der Deputation Ausdruck gegeben, ergriff Lord Derby das Wort zu einer längeren Erwiderung. Sie mögen, so sagte er, überzeugt sein, daß unter der jetzigen Regierung und ohne Zweifel auch unter irgend einer andern Regierung, die in diesem Lande gebildet werden dürfte, die Politik Englands stets die Beseitigung aller Unterschiede zwischen den Bekennern der »inen oder anderen Religion begünstigen wird. Wir wissen, daß das, was über die Verfolgung — es verdient diesen Namen — gesagt worden ist, welcher die Juden in Serbien und Rumänien ausgesetzt worden sind, nicht unwahr ist. aber Sie dürfen es für gewiß erachte--, daß der Einfluß dieses Landes in einer Weise ausgeübt werden wird, die uns als die räthlichste und praktischste erscheint, um die Wiederkehr ähnlicher Handlungen in Zukunft zu verhindern. (Beifall.) Was die Denkschrift betrifft, die Sie in meine Hände gelegt, so habe ich dieselbe heute Morgen zum ersten Male gesehen. Ich habe noch keine Gelegenheit gehabt, dieselbe sorgfältig zu lesen und will daher keine detaillirte Meinung darüber abgeben, aber ich werde sie der Botschaft in Konstantinopel übersenden, damit dieselbe dieserhalb die geeigneten Schritte thun kann. Die Frage Rumäniens und Serbiens einerseits und die Frage der türkischen Provinzen andererseits stehen auf einer verschiedenen Grundlage mit Bezug auf irgend etwas, das für die innere Administration der Türkei gethan werden dürfte. Ich würde sicherlich nicht irgend welchen Maßregeln administrativer Reform zustimmen, die nicht dazu bestimmt sind, gleiche Anwendung auf alle nichtmuselmännischen Unterthanen zu finden. (Beifall.) Was Serbien und Rumänien betrifft, so macht ihre halbunabhängige Position direkte Schritte gegen dieselben zu einer sehr schwierigen Sache. Wir wollen sehen, was in dieser Beziehung gethan werden kann. Ich kann Ihnen keinen besseren Rath ertheilen, als beständig und bei allen geeigneten Geleaenheiten an dasjenige zu appeliren, was, wie Sie finden werden, eine stärkere Unterstützung bietet als die, welche irgend eine Negierung Ihnen gewähren kann, nämlich die Unterstützung der öffentlichen Meinung. (Beifall.) Welche Akte der Intoleranz in irgend einem abgelegenen Winkel Europa's auch ausgeübt werden mögen, so finden sie nicht die Sympathie der öffentlichen Meinung Europa's. Ich brauche mich nicht weiter über die Angelegenheit zu verbreiten. Ich kann nur wiederholen, daß es mir Vergnügen machen wird, durch alle mir zu Gebote stehenden Mittel die Zwecke zu fördern, die Sie und ich gleich im Augenmerk haben. (Beifall.) Frankreich. Paris. Bei den letzten am 10. Dec. siattgehabten consistoriellen Wahlen scheinen einige Unregelmäßigkeiten vorgekommen zu sein, die zu energischen Protestationen Veranlassung gegeben haben. Mehrere Wähler haben einen diesbezüglichen Protest bei dem Seinepräfecten eingereichk. (Un. Jsr.) Versailles. Herr Charleville, Oberrabbiner zu Oran, wurde zum Rabbiner der hiesigen Stadt erwählt. Paris. Bor Kurzem starb in noch jugendlichem Älter Frau Baronin Horace Günzberg. Sie war im wahren Sinne des Wortes rrüy, die Krone ihres Mannes, der schützende Engel ihrer Kinder, der Lrtolz der israel. Gemeinde. Sie kannte gründlich unsere heilige Religion, liebte sie mit Aufrichtigkeit und erfüllte mit Liebe und Treue die Gesetze. Außerdem war sie wohlwollend, gu5, wohlthätig und besonders liebevoll gegen alle Unglückliche, denen stets ihr Haus offen war. n"3"sj"n.* (Un. Jsr.)