Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1877)
- Date
- 1877-01-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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24 Meister der Stadt Cöthen, als Vorsitzenden, dem Vorsitzenden der Armendeputation des Gemeinderathes, dem Archediaconus an der reformirten Gt. Jacobskirche und dem Geistlichen der hiesigen israelitischen Gemeinde. — Der Gemeinderath hat diese Stiftung bestens und einstimmig acceptirt und den Gemeinde-Vorstand beauftragt, dem Stifter den wärmsten Dank der Stadt Cöthen auszusprechen. (Isr. Wchsch.) Wallenburg 19. Dec. Eine abscheuliche Rohheit, die man kaum ganz ungebildeten Menschen Zutrauen kann, wurde jüngst in unserer Stadt von einem Manne begangen, der den log. besseren Ständen anzugehören den Anspruch macht. Drei Jagdfreunde sprachen bei ihrer Heimkehr von der Jagd in einem öffentlichen Lokale ein, in welchem sich auch ein junger Mann jüdischer Confession befand. Alsbald wurde derselbe die Zielscheibe der Witze der Herren. Einer der Jagdgenossen äußerte unter anderm, em Jude sei viel zu feig, als daß er das Pulver auch nur riechen könne. Und um diese Behauptung zu beweisen, lud er das eine der Gewehre mit Pulver, setzte ein Zündhütchen auf das Piston und rief dem jungen Manne zu, jetzt solle er zeigen, daß die Juden sich nicht vor Pulver fürchten. Kaum hatte der so Aufgeforderte das Auge in die Nähe des Laufes gebracht, als der Jäger abdrückte. Die ganze Pulverladung flog dem armen Menschen in's Gesicht; dasselbe ist dick verschwollen, und die Befürchtung liegt nahe, daß der Verletzte die Sehkraft vollständig verlieren wird; eine genaue Untersuchung der Augen läßt die starke Geschwulst noch nicht zu. Der rohe Mensch rühmte sich hinterher noch des gelungenen „Spaßes", den ihm das Gericht hoffentlich gründlich versalzen wird. Würzburg. Zu den Gründern der hiesigen D'-on pnn man gehörte, wie uns berichtet wird, auch derverstorbene Rabbi Samuel Kurzmanns. A. von hier. Gailingen, 5. Jan. Gestern wurde Herr H. L. Gugstenheim von hier, nachdem seil« 6jährige Amtsdauer abgelbufen, zum zweiten Male als Bürgermeister der hiesigen Gemeinde erwählt. Abgesehen von der Seltenheit dieses Ereignisses berührt uns dasselbe um so freudiger, als der Gewählte ein religiöser Mann ist, der in jever Weise seiner Stellung entspricht und es aufs Beste versteht. ees Vertrauens sich würdig zu zeigen, das in ihn gesetzt wird. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien, 3. Han. Der Vorstand der „Wie^ ner Israelitischen Allianz" übermittelte am 31. v. M. dem Minister des Aeußern, Grafen An- Vrassy, ein Memorandum des Inhalts, daß in der Türkei und ihren Vasallenstaaten die Grundsätze politischer und bürgerlicher Gleichheit für alle Unterthanen ohne Unterschied der Konfession zur Geltung gebracht werden sollen. Das Memorandum wurde mit einer speciellen Adresse begleitet, der wir folgende Stellen entnehmen: „Die Gfahr liegt nahe, daß, während für einen Theil der nickt-mus"lmanischen Unterthanen der Pforte — die Christen — Verbesserungen Der volitischen und bürgerlichen Stellung erzielt würden. die nicht-christlichen ottomauiichen Unterthanen außer Berücksichtigung blieben. In dieser Richtung hat Rumänien ein erschreckendes Beispiel gegeben. Gründe der Gerechtigkeit und der gesellschaftlichen Ordnung erheischen es, daß in den neuen, in Konstantinope' eventuell zu treffenden Abmachungen der Großmächte der im europäischen Rechte allgemein acceptirte Grundsatz der Gleichheit nach allen Richtungen hin vollständig gewahrt werde, weil nur hierdurch allein eine Verschlimmerung des Zustandes einer (der jüdischen) Klasse von Staatsbürgern vermieden werden kann. Thatsache ist es. daß bisher in der Türkei alle Nichtmuselmanen in einem gleichen Verhältnisse sich befanden. Wenn nun durch die neuen Einrichtungen, welche die Mächte etwa zur Geltung brächten, nur Ne christliche Bevölkerung mit neuen Rechten bekleidet würde, die jüdische jedoch im alten Zustande verbliebe, so würde dadurch ein neuer Rechtsunterschied geschaffen, die jüdische Bevölketung stigmatisirt, und würden durch diese Stigmatisirung und Jsolirung politische und gesellschaftliche Zustände geschaffen werden, welche für die Juden schlimmer wären, als die bisherigen, wobei wir wiederum auf Rumänien hinzuweisen uns erlauben. Gestützt auf die liberalen Grundsätze. die im österreichisch - ungarischen Staate herrschen, erlaubt sich der Vorstaud der „Israel. Allianz zu Wien", die ganz ergebene Bitte zu stellen: Eure Exeellenz geruhe, den bei der Konferenz in Konstantinopel beglaubigten hohen österreichisch-ungarischen Vertretern die Ermächtigung zu ertheilen, den vorstehend ausgesprochenen Wünschen, sowie den Wünschen, die in dem abgeschlossenen Memorandum zur Kenntniß der hohen Konferenz in Konstantinopel gebracht werden, namens der hohen k. und k. österreichisch-ungarischen Regierung eine kräftige Unterstützung zuzuwenden." Graf Andraffy soll versprochen haben, dem Gesuch zu willfahren." »