Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1877-01-03 · Heft 1 (3.1.1877) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 1 (3.1.1877)
Date
1877-01-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447695-2447697--13270-2469130
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12 Um der Fürsprache der Vertreter Europas zu entgehen, hütete man sich von jetzt an, die Israeliten in den nur gegen sie gerichteten Gesetzen zu erwähnen. Man machte Gesetze gegen die Ausländer, und die als solche angesehenen Juden verloren durch eine Reihe von Gesetzen, die mörderischer waren als die Gewalithätigkeiten des Pöbels, das Recht, sich in den Landgemeinden niederzulassen, .Ländereien — selbst pachtweise — zu erwerben, Eigenthümer in den Städten zu werden, an öffentlichen Rechtserkenntnissen, an der Fabrikation und dem Verkauf von Tabak Theil zu haben, Getränke in den Landgemeinden auszuschenken. Ist ihre Rechtlosigkeit nicht vollständig, nachdem man ihnen die Freiheit sich zu bewegen und Handel zu treiben und das Eigenthumsrecht entrissen hat?" Trotzdem werden ihnen alle öffentliche Lasten auferlegt, selbst der Militärdienst, den sie aber, durch eine spitzfindige Ungerechtigkeit, nicht als Rumänen zu leisten haben — eine Eigenschaft, die ihren Anspruch auf den nichtchristlichen Moldo- Wallachen bewilligten Rechte begründen könnte — — sondern als in Rumänien geborene oder sich aufhaltende Ausländer. Können in Europa solche von einem kleinen Staate, der seine Existenz eben diesem Europa verdankt, herbeigeführte Zuständen geduldet werden? Die gewährleistenden Machte haben nie ausgehört sich darüber zu beklagen. Ihre Reclamationen sind allzu oft erfolglos geblieben. Zum ersten Male seit dem Vertrag von 1858 versammelt, haben sie eine feierliche Gelegenheit, ihren Willen kund zu thun, Serbien und Rumänien zur Achtung des Vertrags zu zwingen, unter dessen Schutz alle Einwohner des Landes stehen, und den Israeliten die ihnen geraubte Rechte zurückzugeben. Europa kann nicht schweigen: kann es, im Augenblick, wo es einstimmig sociale und politische Gleichheit des Orients verlangt, in Rumänien eine Bevölkerung von 250,000 Menschen einer beispiellosen Verfolgung ausgesetzt lassen!? Durch Beschützung der Juden in Rumänien, wie der Nichtmuselmänner in der Türkei, wird es kund thun, daß es überall die religiöse Freiheit vertheidigt, die über den Glaubensbekenntnissen, überden Religionen schwebt. Die Conferenz von Constantinopel wird (wie schon mehrere frühere europäische Congresse) durch die Anerkennung der Religionsfreiheit als Regel des internationalen Rechts eine für die Menschheit nützliche Wahrheit, einen neuen Fortschritt für die Civilisation zu Tage fördern." (Jud. Pr.) Feuilleton. Mrosrlytkn. Von Friedrich Rott. XXXIII. Nahezu zwei Jahre waren verstrichen. Nach Ablauf des ersten hatte Werner, getreu seinem der sterbenden Schwester geleisteten Versprechen, den Grafen Staremberg abermals dringend ersucht, Herminens Sohn ihm zu übergeben. Freundlich, aber entschieden, hatte der Graf auch diesesmal sich geweigert Werner befand sich auf einer Geschäftsreise; schon seit mehreren Wochen von der Heimath entfernt , öffnete er soeben mit sichtlichem Interesse das Schreiben eines seiner intimsten Freunde. Der Freund, ein junger Rechtsanwalt, erging sich zuerst in rein geschäftlichen Angelegenheiten, doch dann auf Anderes übergehend, fuhr er fort: „,... Doch nun genug von Geschäften; wenn man so lange von unserem schönen M. entfernt ist. da muß man sich, denke ich mir wohl, nach Neuigkeiten von hier sehnen, und beeile ich mich daher, Ihre präsumtive Sehnsucht zu stillen. „Als interessanteste aller Neuigkeiten theile ich Ihnen vor Allem mit, daß vor ungefähr sechs Wochen der Commerzienrath Mühlheim mit feiner jungen Frau heimgekehrt ist. Ich glaube, Sie waren mit ihm bekannt; ob sie seine junge Frau kennen, weiß ich nicht. Sie ist eine geborene Baronesse von Mosbach und Mühlheim war ihr Vormund; ihre Vermählung hat vor ungefähr zwei Jahren enormes Aufsehen erregt. Sie, lieber Freund, waren damals, wie ich glaube, ebenfalls auf Reisen; sobald Sie aber heimkehren, müssen Sie Ihre Bekanntschaft mit dem Commerzienrath erneuern und sich seiner Frau vorftellen lassen. Das lohnt sich der Mühe, ich gebe Ihnen mein Wort darauf, der Frau Commerzienrath Mühlheim werden Sie ein lebhaftes Interesse nicht versagen können. Die ganze Residenz huldigt der jungen anmuthigen Frau, und was das Merkwürdigste ist, die Damen kaum weniger als die Herren. Zwar ist sie keine Schönheit ersten Ranges, aber ein unnennbares Etwas, das von allem Gewöhnlichen vollständig abweicht, verleiht ihrer Person, ihrem Wesen, ihrer Unterhaltung einen so bestrickenden Reiz, daß — doch ich sehe, Sie lächeln, Sie glauben, ich hätte mich in die junge Frau verliebt. — Nun,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.