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Der Israelit · 1877-01-03 · Heft 1 (3.1.1877) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 1 (3.1.1877)
Date
1877-01-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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11 milie auflösen und die sichere Austreibung der Juden im Laufe einiger Jahre bewirken. Die grausame Lage, in welche man die Juden brachte, wurde im Jahre 1861 Gegenstand eines Meinungsaustausches zwischen dem englischen auswärtigen Amt und dem Generalkonsulat in Belgrad und diese Correspondenz» die nicht weniger als 5 Jahre dauerte, wurde 1876 dem Unterhause vorgelegt. Der Generalconsul von England gab in einem Briefe vom 28. Juli 1863 folgenden Gedanken Ausdruck: „Welches, könnte matt fragen, sind die Verbrechen, deren sich die Juden schuldig gemacht haben können, um eine solche Behandlung zu verdienen; sie, die mit Ausnahmen des Militärdienstes denselben Lasten unterworfen sind und denselben Gesetzen gehorchen wie die Serben?" „Ich habe diese Frage vielen Personen vorgelegt, und alle stimmen darin überein, daß der Jude in diesem Lande sowohl wie in den meisten andern ein friedliches und arbeitsames Glied der Gesellschaft ist. Er verleiht allerdings Geld, aber zu dem gewöhnlichen, landesüblichen Zinsfuß, ein Zinsfuß, der wegen der Seltenheit des Metalls und der Schwierigkeit, es sicher anzulegen, überaus hoch ist. Er liefert ferner dem Bauer des Innern die Waaren, deren er bedarf. „Der Wohlstand, den die jüdischen Einwohner diesem Handelszweige verdanken, wird von den serbischen Handeltreibenden mit neidischem Auge angesehen, und viele von diesen, die sich nicht durch den Geist der Liebe auszeichnen, würden uur zu glücklich sein, die armen Juden alle aus dem Lande verjagt zu sehen. Obgleich diese Wünsche, (soweit ich darüber zu urtheilen im Stande bin), keineswegs mit den Ansichten des Fürsten übereinstimmen, so werden sie doch vollständig von vielen Beamten der Regierung und Mitgliedern des Senats getheilt, die mehr oder weniger mit vielen Handelsleuten in Berührung kommen. Diese nun üben einen gewissen Druck auf die Regierung aus, die sich der Gefahr, durch ein ihren Wünschen zuwiderlaufendes Handeln ihre Popularität zu verlieren. nicht aussetzen will oder kann. Es folgt aus dieser Lage der Dinge, daß die Juden ohne Beschützer sind. Man sieht nicht, wie die Israeliten daran denken können, von einem solchen Volke und einer solchen Regierung Rechte zu erlangen, welche sie nur allzu rechtmäßig beanspruchen." In Rumänien war die Verfolgung noch schwerer. Der Artikel 48 des Vertrags von 1858 hatte den Israeliten die Bürgerrechte' zugesichert, welcher sie allen nichtchriftlichen Moldo-Wallachen gab, und überließj der großmüthigen Initiative der Nation die Bewilligung der politischen Rechte. Die Anordnungen dieses Artikels sind folgende: Die durch den Vertrag geschlossene Ungleichheit zwischen den christlichen und den nichtchristlichen Moldo-Wallachen wurde durch die Gesetze des Landes schnell vergrößert. Um den Israeliten die Wohlthaten'der Anordnungen zu nehmen, die ihnen die Bürgerrechte bewilligten, leugnete man, daß die Juden, so sicher auch ihr Heimathsrecht war, Moldo-Wallachen wären, und um sie zu verhindern, es zu werden, gestand die Verfassung von 1866 den christlichen Ausländern allein das Recht zu, sich naturalisiren zu lassen. Durch solche Mittel des Schutzes des Vertrags von 1858 beraubt, waren die Israeliten zu gleicher Zeit der ärgsten Willkür der Gesetzgeber des Landes und den Ausschreitungen der Bevölkerung preisgegeben. Wer erinnert sich wohl der Reihe von Attentaten gegen die Personen, von Tumulten, Austreibungen, welche von 1866—1872 den Unwillen Europas erregt haben. Im Jahre 1866 wurde die Synagoge in Bukarest in einem Aufruhr zerstört. 1867 wurden die Juden mißhandelt, in Ulassa vertrieben und mehrere in Galatz in der Donau ertränkt. Dieselben Scenen erneuerten sich 1868 in den Districten Baceau und Vaslin, und das gesammte Corps der Consuln mußte in einer Erklärung vom 15. April 1868 die rumänische Regierung, welche die Verfolgung geleugnet hatte, förmlich Lügen strafen. Im Jahre 1869 fanden auf Befehl Cogalniceano's neue Massenaustreibungen in den Districtcn Baceau, Galatz und Baslui statt. Abgeordnete, denen dieses Verfahren nicht rasch genug zum Ziele zu führen schien, antworteten dem Ministerium auf die Frage, was man mit den Juden machen sollte: „Ertränkt sie in der Donau!" Im Jahre 1870 fanden Unruhen in Tecucz und Bottuschan statt; 1872 endlich in Jsmael, Cahoul und Vilcow, und die Unruhestifter wurden vom Gericht freigesprochen. — Schon 1866 sagte Lord Derby auf der Rednerbühne, daß er kern Beispiel von einer ähnlichen Reihe von Verfolgungen ohne den geringsten vernünftigen Grund anführen könnte. Da die Intervention der Eonsuln diese Ausschreitungen verhindern wollte, so wurden die unbilligsten.' gehässigsten Gesetzentwürfe in den rumänischen Kammern vorgeschlagen, um die Juden zu gleicher Zeit aus dem platten Lande zu vertreiben und ihnen die Existenz in den Städten unmöglich zu machen.

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