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Der Israelit · 1877-01-03 · Heft 1 (3.1.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 1 (3.1.1877)
Date
1877-01-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8 fünf Procent. Ja, der Präsident unserer Rechnungskammer hat uns dasselbe gesagt. Doch, mag die Summe so groß sein wie sie will, sie muß herbeigeschafft werden. Kurfürst August ist der schönste »nd stärkste Mann unserer Zeit. Er will, daß sein majestätisches Haupt die Königskrone ziere. „Kurfürstliche Gnaoen" — wie häßlich das klingt für einen Herrn wie August. Er muß „Majestät" angeredet werden, er muß König sein, König eines großen und mächtigen Landes, damit er die Fülle feiner uberftrömenden Kraft verwerthen kann. An derThatfache ist Nichts zu ändern; es handelt sich nur darum, das Geld zu schaffen. Ich habe Euch hier ein Verzeichniß der He rschaften mitgebracht, die verpfändet oder auch verkauft werden sollen. Was liegt dem Kurfürsten an einigen Quadrat- Meilen deutschen Landes, wenn er unermeßliche Ländermassen für sich und seine Nachkommen in Polen erwirbt; denn August wird die Constitution des Landes ändern und die polnische Republik mit ihrem Wahlkönigthum in eine erbliche Monarchie umwandeln. Nun sagt, Behrend, nehmt Ihr den Auftrag an und fühlt Ihr Euch befähigt, ihn aus-- zusühren?" „„Ich nehme ihn an und fühle mich befähigt, ihn auszuführen. Ich habe Verbindungen mit den bedeutendsten Häusern in Amsterdam, in Hannover, in Wien, in Frankfurt am Main, die auf hinreichende Faustpfänder sich wohl bereit finden lassen, große Summen herzuleihen. Was aber den Verkauf der Herrschaften betrifft, so glaube ich. daß ich für einige derselben einen geneigten Käufer finden werde."" „Und dieser Käufer, wer, meint Ihr, wird das fein?" „„Kein Anderer als Kurbrandenburg. Der verstorbene Kurfürst Friedrich Wilhelm hat eine wohlgefüllte Staatskasse hinterlassen, und unser jetziger Herr, Kurfürst Friedrich Hl., wird gewiß gern die Gelegenheit ergreifen, soviel Land als möglich zu erwerben."" „Ich glaube, Ihr habt Recht; diese Brandenburger haben einen unersättlichen Durst nach deutschem Gelände; nun, uns kann's einerlei sein; uns dient jetzt dieser Durst, und Geld genug hat ja der Brandenburg'r. Trefft also Eure Maßregeln. Ich habe bereits, in der Voraussetzung, daß Ihr den Auftrag annehmet, eine Generalvollmacht für Euch mitgebracht. Sie ist von Seiner Durchlaucht allerhöchst-eigenhändig unterzeichnet und mit allerhöchstdessen Jnsigel versehen." Graf Beichlingen zog ein großes Aktenstück hervor, entfaltete es und reichte es dem mil Spannung danach schauenden Rabbi Bärmann. Dieser nahm es und las es mit Aufmerksamkeit zu Ende. „Ist es gut so?" fragte der Graf. „„Es entspricht vollkommen seinem Zwecke. Excellenz müssen mir nun gestatten, meine Leute, lauter eigene, zuverlässige Leute, mit in's Geheim- «iß zu ziehen, da ich natürlich nicht überall sein kann."" „Das ist selbstverständlich. Und nun, macht Eure Sache gut, Behrend. Gelingt's Euch. so seid Ihr geborgen für alle Zeit. August ist ein freigebiger Herr, ein echter Cavalier Und nun lebt wohl, morgen in aller Frühe reise ich nach Dr sden zurück, wo ich Eure Nachrichten erwarte. Ihr seid wohl so gut und lasset mir vorleuchten, bis ich das „Goldene Roß" auf dem „Breiten Weg"" erreiche, wo ich Absteigequartier genommen. Es ist ein sonderbares altes Nest, Euer Halberstadt. Eine Oberstadt und eine Unterstadt, und doch nur eine Halbe-Stadt! Ha, ha, ha! — also lasset mir leuchten, damit ich die alte Treppe mit ihren ausgeschliffenen Steinstufen nicht hinauffalle. —" Nabbi Bärmann ließ zwei Diener kommen und befahl ihnen, Seiner Excellenz mit Laternen vvranzuleuchten. Die Laternen wurden herbeigeholt, und Beichlingen verabschiedete sich. Rabbi Bärmann begab sich in das Familienzimmer. Die fremden Gälte hatten sich entfernt; neugierig umringten ihn die Seinigen. Er aber sprach: „Morgen, meine Lieben, morgen werde ich Euch wichtige Mittheilungen machen.'" Er ließ sich noch etwas zu essen bringen, um der Königin Sabbat gleichsam das Geleite zu geben*); dann ging er in sein Comptoir, schloß sich dort ein und rechnete und überlegte während eines großen Theils der Nacht. Erft lange nach Mitternacht suchte er sein Lager auf. *) Metaweh Malkcch. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).

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