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Der Israelit · 1877-01-03 · Heft 1 (3.1.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 1 (3.1.1877)
Date
1877-01-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7 Der Psalm wurde gesungen; dann wurde der künftige Schwiegersohn des Hausherrn beauftragt, das Tischgebet zu sprechen. Er that es, feierlich und mit Würde. llnterdeß war die Nacht herangenaht. „Gnädigster Herr," sprach Nabbi Bärmann, „wir werden jetzt das Abendgebet verrichten; nachher stehe ich Euch zu Diensten." Nach dem Abendgebet ergriff Rabbi Joel, der Senior des Hauses, den Becher, um „Hawdoloh zu machen", um das Scheidegebet für den Sabbat zu sprechen. Rabbi Bärmann erklärte dem Grafen alle Einzelheiten. Der alte Rabbi Joel trug, wie es damals Mode war, eine weiße, baumwollene Zipfelmütze. In der Aufregung, daß er vor einem so vornehmen Herrn sich hören lassen sollte, beugte er sich zu weit nach vorn; der Zipfel seiner Mütze kam mit der Kerze in Berührung und fing sogleich Feuer; auf dem Haupte des Greises brannte es lichterloh. „Was," rief Graf Beichlingen, „gehörtes auch zu Eurer Eeremonie, diesen alten Mann bei lebendigem Leibe zu verbrennen!" Doch schon war der junge Lehmann herbeigesprungen und hatte dem Großvater die Mütze vom Kopfe heruntergerissen. Rabbi Bärmann erklärte dem Grafen den unglücklichen Zufall, und Beichlingen lachte nicht wenig über das Mißverständnis. „Gnädigster Herr," sprach Rabbi Bärmann jetzt, „darf ich Eure Excellenz bitten, mit mir Sich in das obere Geschoß zu verfügen?" Ein Diener ergriff einen silbernen Armleuchter und leuchtete den beiden Männern die Treppe hinauf. In derü behaglich eingerichteten und wohldurchleuchteten Empfangszimmer nahm der Graf sofort in einem Lehnsessel Platz. Rabbi Bärmann stellte sich in gebeugter Stellung vor ihn und erwartete des Grafen Anrede. „Behrend," sagte dieser, „Ihr seid mir von meinem Freunde, dem Grafen Hoym, der hier in der Nähe begütert ist, sehr warm empfohlen. Hoym schildert Euch als einen ehrlichen, tüchtigen, und was die Hauptsache ist, als einen gewandten Geschäftsmann. Wir haben in unserm Sachsenlande keinen Juden. Deßhalb bin ich heute zu Euch gekommen , um Euch für den Dienst meines allergnädigsten Herrn, Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht von Sachsen zu engagiren." Rabbi Barmann verneigte sich. „Es freut mich, daß Ihr gleich zustimmt; mein Herr und ich wir lieben es nicht, wenn Jemand lange Umstände macht Frisch darauf los, ist unser Wablspruch. Und nun, Behrend, werde ich Euch wichttge Staatsgeheimnisse anvertrauen. Ihr seid von diesem Augenblicke an im Dienste Seiner Durchlaucht. W-nn Ihr Mißbrauch von den anvertrauten Geheimnissen macht, so gilt es Euren Kopf." „„Excellenz, ich bin ein Unterthan des Kurfürsten von Brandenburg. Staatsgeheimnisse, die mit den Interessen meines Landesherrn collidiren . . . „Seid ohne Sorge. Was ich Euch mitzuthei« len habe, gebt Kurbrandenburg rein gar nichts an. Also hört. Mein allergnädigfter Herr strebt nach der polnischen Königskrone und hat alle Aussicht, sie zu gewinnen." „„Wie, der Kurfürst von Sachsen, ein protestantischer Herr, soll König des katholischen Polenreichs werden!"" „Ihr seid ein feiner Politiker. Freilich, das ginge nicht — ein protestantischer Fürst könnte nicht König von Polen werden; aber mein allergnädigster Herr wird, ist vielleicht schon zum Katholicismus übergetreten." „„Wie, der Kurfürst von Sachsen, der Hort der protestantischen Kirche!"" „Er ist nicht der erste Prinz seines Hauses; sein Vetter von Sachsen-Zeitz ist ihm in dieser Beziehung vorangegangen und ist jetzt Cardinal der katholischen Kirche; in seine Ha de wird Kurfürst August sein katholisches Bekenntniß legen. Und ist dem nicht gut so? Ihr, als Jude, müßt Euch über solche Vorgänge freuen. Ein katholischer König von Polen, der zugleich Kurfürst vom fanatischprotestantischen Sachsen ist, der muß wohl in religiösen Dingen tolerant werden. , Habt Ihr doch schon den besten Beweis toleranter Gesinnung, da mich mein Herr mit seinen Aufträgen zu Euch, einem Juden, sendet! Ich glaube, meines Herrn Vater und Großvater wären lieber gestorben, ehe sie die Dienste eines Juden beansprucht hätten. Doch kommen wir zur Sache. Also, der Polenkönig, Johann Sobieski, ist todt, und die polnische Krone soll wieder vergeben werden, und zwar, hört genau zu, an den Meistbietenden! Kurfürst August hat alle andern Kronprätendenten überboten. Er wird 10 Millionen Gulden zahlen!" „"Zehn Millionen Gulden! Welche furchtbar große Summe! Excellenz, hat sich der Kurfürst wohl eine Vorstellung von der Größe dieser Summe gemacht? Die meisten Menschen reden von Millionen , ohne eine Idee von der Bedeutung des Wortes zu haben. Wie soll ich Ihnen einen Begriff davon geben? Hören Sie, gnädigster Herr, wenn man zehn Millionen weggibt, so ist das gleichbedeutend, wie man für ewige Zeiten täglich. Tag für Tag. 1700 Gulden bezahlt!"" „Ihr seid ein guter Rechner! Ihr rechnet

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