Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1877)
- Date
- 1877-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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6 das hier bestehende Seperatminjan der Orthodoxen lediglich durch die Herren Bernhard Jsaac, Jsaac Leven und David Löwenthal eingerichtet worden ist und auf gemeinschaftliche Kosten aller Interessenten unterhalten wird. Um ..Jedem das Seinige" zu lassen, werden Sie dieser Notiz gewiß aerne Aufnahme gewähren. Fulda, Hl. Dec. 1876. Ein schwerer Verlust hat nicht allein unsere Gemeinde, sondern das gesammte Judenthum betroffen. Herr Provmzial- Rabbrner ur. Envch j?'1: ist gestern am Sabbat von dem Schauplätze seiner ird'schen Thätigkeit abberufen worden. Zu schmerzlich ergriffen, um heute mehr zu berichten, werde ich nächstens ausführliche Mittheilungen machen. W. O c ft e r r. ll n g a r. Ai o n a r ch i e. Wien. Es kommt vor, daß Juden aus Galizien, Die zumeist der ärmeren Klasse angehören, wenn sie mit Augenleiden behaftet sind und in der Heimath keine Heilung finden, oft unter den bittersten Entbehrungen nach Wien ziehen, hier fiilfe zu suchen. Jltzt verweigert der galizische andesausschuß die Bezahlung der dafür auftaufenden Kosten an das allgemeine Spital. Wie man uns mittherlt, hat sich der berühmte Ocnlrft Professor v. Stellwag in einem Memoire an die Direktion des Krankenhauses veranlaßt gesehen, diese Frage zu beleuchten. Er weist zunächst nach, daß in Galizien vom Statthalter abwärts alle Jene, die einen Werth auf ihre Gesundheit legen und sie nicht in der Hcima h ei langen können, dasselbe thun, was die Juden daselbst thun. Er schildert, in welchem wahrhaft bejammernswerthen Zustande die Juden nach mühevoller Reise, die sie oft zu Fuße machen müssen, hier ankommen. und daß thaisächlich der weitaus größte Theil derselben Heilung und Genesung findet, da sie sich willig den ärztlichen Anordnungen fügen; schließlich conftatirt er, das; die Verpflegungskosten hier geringer als in der Hermath sind, da in den dortigen Spitälern der Kranke täglich 90 kr. und hierblos 86 kr. kostet. Vielleicht finden diese Gründe von Seiten des galjzischen Landesausschusses Berücksichtigung. Feuilleton. Der Königliche Resident. (Eine historische Erzählung.) HI. Nabbi Bärmann führte seinen vornehmenGast in das Speisezimmer. Der Gesang verstummte, und alle Anwesenden erhoben sich von ihren Sitzen. „Laßt Euch nicht stören," sagte der Graf, „ich werde an Eurem Mahle Theil nehmen!" Schnell wurde ihm ein Sessel hingestellt und ein Couvert nebst Speisen vvrgesetzt. Beichlingen langte zu und ließ es sich wohl schmecken. Nachdem er seinen Hunger gestillt hatte, sagte er: „Ich hörte singen; es war eine angenehme Stimme. Wer ist der Sänger?" Nabbi Bärmann winkte seinen Sohn herbei. ..„Ich habe die Ehre,"" sagte er, „„Eurer Excellenz meinen Sohn. Lehmann Behrendt, vorzustellen." " „Was, Ihr heißt Behrend Lehmann und Euer Sohn heißt Lehmann Behrend?" ,.„Cs ist bei uns Juden Sitte, daß der Sohn den Namen des Vaters als Zunamen führt."" „Singt uns noch etwas, junger Manu!" „„Singe: Jom seh Lejisrröl, mein Sohn; es ist eine Hymne zur Verherrlichung des Sabbats, gnädiger Herr!"" Der Sohn folgte der Aufforde:nng. Auf einen Wink Rabbi Bännann's sangen Alle den Refrain mit. „Die Melodie ist nicht übel," sagte der Graf, „und der Gesang nicht schlecht. Aber Euch fehlt die Schule. Ihr müßtet Unterricht in der Musik nehmen, junger Mann." „..Wenn Eure Excellenz erlauben, so wollen wir jetzt noch einen Psalm singen und dann das Tischgebet sprechen. Der Psalm ist der i2G[te; er enthalt die freudige Versicherung, daß Gort uns in Jubel ernten lassen wird, was wir in Thränen säen und daß Er uns zurückführen wird in das Land unserer Väter."" „Hofft Ihr noch immer darauf, sehnt Ihr Euch noch immer danach?" „„Wie sollten wir uns nicht danach sehnen? Hat man doch hier unsere Synagoge zertrümmert und verweigert uns beharrlich, schon bald dreißig Jahre, den Wiederaufbau derselben! " „So etwas kann in Sachsen nicht Vorkommen." „„Weil -man die Pforten deS Sachsenlandes beharrlia; meinen Glaubensgenossen verschließt, wie wenn sie Leprosen oder Pestkranke wären."" „Nun, nun, werdet nicht bitter; es beginnt eine neue Zeit. Der alte, finstere Glaubenshaß wird verschwinden. Mein allerguüdigster Herr selbst wrrd das Signal dazu geben. Doch jetzt singet Euer Lied!"