Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1877)
- Date
- 1877-01-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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4 „zuweilen auf wunderbarer Weise rette, helfe, lenke, „denn Sie wissen ja, wie in diesem Zusammenhang das „Wort wunderbar zu verstehen ist. Damit stimmt „denn der gewöhnliche Sprachgebrauch und so zu sagen „die tägliche Erfahrung überein .... wir sagen, es „ist ein wahres Wunder geschehen." . . . Ein Mann, der so fein mit den Worten zu spielen weiß, wie Herr T. hat hier einen groben Schnitzer gemacht; denn er hat einen Beweis gegen seine eigne Behauptung gebracht. Warum sagt man denn bei einem solchen Fall, wenn z. B ein vom Arzt Aufgegebener sich wieder erholt, es sei ein wahres Wunder? Grade um aus- Zudrücken, es sei fast ein Wunder geschehen, also sieht, doch Herr T., daß der gewöhnliche Sprachgebrauch Wunder in Wirklichkeit anerkennt und merkwürdige, aller Erwartung und Wahrscheinlichkeit entgegentretende Erscheinungen durch das Prädikat „ein wahres Wunder" fast den wirklichen Wundern an die Seite stellt, ohne jedoch dadurch anzuerkennen, daß eine Heilung von ciucr gefährlichen Krankheit eine Aufhebung der Naturgesetze bedinge. — Eine andere Stelle lautet: „Dagegen können wir mit berechtigtem Stolze darauf „Hinweisen, daß die großen Lehrer Israels im Mittel- „alter erkannt haben, daß Gott die Gesetze seiner „Schöpfung nicht ändere." .... Wir sind doch neugierig diese Gesetzeslehrer kennen zu lernen, ob das etwa auch Hörer des Breslauer Seminars waren? Denn uns ist keine jüdische Ansicht bekannt, die das Wunder nicht als eine Aenderung der Naturgesetze betrachtet. — Im Moreh 11., 29 den Herr T. als Beweis für seine Ansicht, anführt, finden wir nun das grade Gegentheil 1^220 *12-1 xiv 21 nox djox s-yx '2 rvtos:n io norn1? tonn 'uwn 8y IVO'I Dooyn omN no^nno rüD ’rtoo '121 noon is.-ij» *12’, also der ü'2'cn erklärte die Wunder der Schrift als nicht im Zusammenhang mit den Naturgesetzen stehend, sondern dieselben überragend und aufhebend; nur seien sie nicht dauernd, sondern die Natur trete wieder in ihre früheren Rechte ein und darauf bezöge sich vovn nnn tcnn >2 (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten Sf Correspondenzen. Deutschland. Mainz. 1. Jan. Im ersten leitenden Artikel der Nummer 52 v. wird gesagt, daß die Unterrichtsanstalt der isr. Religionsgesellschaft zu Mainz bie_ einzige jüdische Schule im Großherzogthum Hessen fei; wir erinnern uns soeben, daß auch in Pfungstadt .bei Darmstadt und in Biblis bei Worms sehr gute und tüchtige jüdische Schulen existiren. Wie wir vernehmen, soll es auch in Oberhessen noch einige kleinere Anstalten geben. Berlin, 11. Dez. Die Gedächtnißfeier für den verstorbenen Professor Traube hat gestern, Sonntag, Mittag in der Aula der Universität stattgefunden. Eine ebenso zahlreiche, wie vornehme Gesellschaft von Herren und Damen hatte sich zu dieser Feier eingefunden. Die Koryphäen der Berliner medicinischen Wissenschaft, die hervorragendsten Aerzte, viele Schüler, Freunde und Verehrer Traube's füllten die Aula. Cultusminister Falk war mit den beiden Ministerial-Directoren Sydow und Greiff erschienen; außerdem bemerkten wir den Rector magnificus Bardeleben mit der großen goldenen Amtskette, Professor Dubois-Reymond, Geh. Obermedicinalrath Toussaint, Dr. Virchow, die Geheimen Räthe Frerichs, Kersand, Göppert, die Directoxen der Charite. Das jüdische Krankenhaus hatte sich durch eine Deputation vertreten lassen, ebenso die Berliner medicinische Gesellschaft. Die ernste Feier wurde mit dem Gesang eines vom Domchor vorgetragenen Liedes eröffnet, worauf Professor Leyden hinter die an der Ostseite des Saales aufgestellte, von Palmen umgebene Büste Traube's trat und die Gedächtnißrede hielt In beredter, schwungvoller Sprache entwarf er ein Bild von dem Ringen, Streben und Schaffen des Meisters der Medicin, der unter unsäglichen Entbehrungen und schweren Kränkungen seinem Ziele, der Reform der medicinischen Wissenschaft, nachhing. Wir, so meinte Redner, erfüllen nur die Pflicht der Dankbarkeit, wenn wir in Bewunderung und Verehrung des Mannes gedenken, der gleich groß als Physiologe, Kliniker und Arzt in erster Reihe die medicinische Wissenschaft in Berlin gehoben und veredelt hat. Weit über die Grenzen unserer Stadt erstreckte sich sein Wirken, trotzdem er Berlin ausschließlich angehört; hier hat er begonnen, hier hat er seine glänzende Laufbahn, freilich leider viel zu früh, beendet. Die exacte Wissenschaft war sein Streben, und so war er zum Förderer der Physiologie geworden, die er auch in die Pathologie hinübertrug; an Virchow und Reinhardt fand er Verbündete, und im rastlosen Eifer, nicht ohne oft verkannt und tief gekränkt zu werden, verfolgte er sein Ziel, das er endlich erreichte. Vorzeitig gealtert, starb Traube am 8. April dieses Jahres im Alter von nur 58 Jahren. Sein Name gehört der Geschichte an, die ihn stolz neben dem eines Skoda nennen wird. (Isr. Wchschrft.) Berlin, 27. Dez. Der Vorstand und die Repräsentanten'der Breslauer Synagogengemeinde haben, wie die „Tribüne" mittheilt, unterm 12. ds. Mts. eine Vorstellung an den Reichskanzler gerichtet, welche bereits unterm 20. d. M. eine ebenso freundliche wie in der Sache überaus günstige Erwiderung gefunden hat. Die interessanten Aktenstücke lauten: