Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1877)
- Date
- 1877-01-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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3 Ein Rabbiner bcr Breslauer Richtung über die biblische» Wuubcr. Herr Vr. Treuenfels hat vor einiger Zeit einen Vortrag über das Wunder in religiöser Beziehung gehalten, und angegriffen darüber in der „Jüdischen Presse, hat er in seiner Vertheidigung versprochen, den ganzen Vortrag der Oeffentlichkeit zu übergeben, um ihn so dem Urheile Aller zugänglich zu machen. Dies ist nun im Literatur-Blatt der „Jsr. Wochenschrift" geschehen, und wir müssen gestehen, daß wenn Hr. T. die Absicht gehabt hatte, seine eigentliche Meinung über das Thema des Wunders zu verbergen, er dieselbe vollständig erreicht hat. Denn bei dem Durchlesen fielen uns unwillkürlich die Worte des Schülers im Faust ein...: „mir wird vor alledem so dunkel, als ging mir ein Mühlrad im Kops Herum." Wenn man zu Ende ist, dann frägt man sich: Glaubt der Redner nun an Wunder oder nicht? Es erinnert uns dies an einen jetzt nicht mehr unter den Lebenden weilenden Gelch ten, der auch befragt über gewisse Glaubens - Grundsätze statt einer kurzen, bündigen, bejahenden oder verneinenden Antwort, eine so gewundene und geschraubte Erklärung adgab, daß man sah, er wolle wie die Katze um den heißen Brei herum gehen. Herr T. möge es uns daher nicht übel nehmen, wenn wir ihn um sein Glaubensbekennmiß befragen, ob er an die in der min und cwaj erzählten Wunder glaubt, mit anderen Worten, ob. er glaubt, daß Gott zu den an den beregten Stellen erwähnten Zeiten die Naturgesetze aufgehoben und die daselbst erzählten Wunder wirklich gethan habe oder nicht. Herr T. würde uns sehr verbinden, wer n er sich entschließen könnte, diese Antwort klar und bündig mit wenigen Worten zu geben, so daß wir ganz klar sehen können. Nicht etwa, um unsere Kenntniß der heil. Schrift zu bereichern, denn unsere Ansicht darüber steht, gestützt auf die Autorität unserer Weisen, fest, sondern nur um unsere Kenntniß von den Charakteren der sich conservativ nennenden Rabbiner Breslauer Richtung zu erweitern. Doch zur Sache. Wir heben natürlicr, nur Einzelnes hervor. Herr T. stellt ein für allemal iu Abrede, daß etwas gegen die Naturordnung geschehen könne, auch Gott könne dies nicht wollen, denn so sind seine Worte in der Vertheidigung gegen die „Jüd. Presse", „daß Gvtt die Naturgesetze, die „er in seiner Weisheit geordnet für alle Ewigkeit, „umstoßen, corrigiren und nach Willkür am Weit- „gebäude herumschieben werde, das habe ich freilich „bestritten". Also auch nicht für den Moment aufheben wird er sie. Da sei uns denn die Frage erlaubt: was fangen wir nun tnit pyaaa wum T'D n> rynp u. dergl. an? Sind das Naturerscheinungen oder Uebernatürlichcs? Der n«a allenfalls ließe sich noch erklären, indem Herr T. vielleicht zu denjenigen gehört, die wie ncr"a zur Stelle bemerkt, gesagt hätten, mp nrs er vn rwpo, aber das Uebrige? Jedoch, Herr T. weiß sich zu helfen, er führt Autoritäten an, „die sich auf die ältesten Lehrer derMischna, Talmud und Midrasch „stützen, daß die Wunder der Schrift Bedingungen „sind, die bei der Schöpfung festgestellt waren". Möge uns doch Herr T. erklären, ob das etwas anderes heißt, als daß der Schöpfer bei der Feststellung der Naturgesetze sich das Recht darüber Vorbehalten hat, sie zu beliebigen Zeiten zu ändern und in das Gegentheil zu verwandeln. Führen wir z. B. -pv cp’njmp an. Die Natur des Was» sers ist es, daß es immer eine ebene Fläche zu bilden sucht. Wenn nun im Gegensatz zu diesem Naturgesetz das Wasser sich zu Wänden aufthürmte, zwilchen denen der Boden trocken ward, wenn bei dem Durchganq durch den p~p das von der Quelle herkommende Wasser in die Höhe strömte, während das nach dem nta □’ hinströmende völlig abfloß, so nennen wir dies ein Wunder, d. heißt eine Erscheinung, die durch kein Naturgesetz sich erklären läßt, sondern einzig und allein ihren Grund hat in der Macht und dem Willen eines persönlichen, über der Natur stehenden und ihr gebietenden Gottes. Für die Worte des Herrn' T. sind nur zwei Erklärungen denkbar. Entweder er glaubt nicht an die wörtliche Wahrheit der in der mn erzählten Wunder, sondern will sie vielleicht allegorisiren und deckt sich den Rücken mit der Erklärung: „es gehen in der talmudischen „Literatur selbst zwei Richtungen, eine ratio- „nale und eine mystische nebeneinander her ... . „Die wörtliche Auffassung der Wunderbe- „richte der Agada wird zuräckgewi« sen". Aber letzteres findet nur bei dem in der Agada Erzählten statt, an der wörtlichen Auffassung der Wunder der Schrift haben nur gczweifelt. Oder Herr T. glaubt an die wörtliche Wahrheit der Wunder der Schrift, scheut sich aber vielleicht nach Breslauer Manier, dies tlar auszusprechen und escamotirt uns deshalb das Wunder unter unseren Händen fort, indem er cs mit allerlei Firlefanz umgibt, so daß man es ja nicht, als das erkenne, was es wirklich ist. Beide Ansichten verurthcilen sich selbst und bedürfen keiner Widerlegung. — Hören wir nun noch einige Aeußerungen des Herrn T. In Nr. 21 d. Lit.-Bl. kommt folgende Stelle vor: „Ich brauche „Ihnen ferner nicht zu sagen, daß es damit nicht in „Widerspruch steht, wenn die Religion lehrt, daß Gott