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Der Israelit · 1877-01-03 · Heft 1 (3.1.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 1 (3.1.1877)
Date
1877-01-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 Ausgaben sollen die Mitglieder der Religionsgeseüschaft nicht herangezogen werden. Dagegen sollen sie das active und passive Wahlrecht einbüßen; sie sollen aber alljährlich sechs. Personen in Vorschlag bringen dürfen, von denen der Vorstand einen der Friedhofscommission und einen der Hospitalcommission beigesellen wird; im Hospital soll Jeder nach Belieben koschere oder trephene Kost verzehren dürfen; auf dem Friedhofe sollen die Leichen, je nach Belieben, in jüdischer oder in unjüdisüer Weise bestattet werden.*) Wir glauben kaum, daß irgend ein Mann von Selbstachtung ultd Selbstbewußtsein einem Gemeindeverbande weiter angehören wird wollen, der ihm das active und passive Wahlrecht nimmt, der ihn einem Vorstande unterordnet, den er weder das Recht zu wählen hat. noch das Recht, in ihn gewählt zu werden. Die einzige geziemende Antwort auf derartige erniedrigende Vorschläge wäre ein allseitiger Austritt der Mitglieder der isr. Religionsgesellschaft. Auch in Gemeinden, in welchen eine Trennung sich bis jetzt noch nicht vollzogen hat, wird das Gesetz eine wohlthätige Wirkung üben. Die bisher oft vorgekommene Vergewaltigung der Majoritäten wird aufhören, wenn die Minorität mit dem Austritte drohen kann. Ein ähnlicher Fall ist bereits in Aachen vorgekommen, wie wir zur Zeit berichtet haben. In politisch-socialer Beziehung ist wenig zu berichten. Die Fluth der Schmähschriften, wie sie die ultramontane und die feudale Partei im Jahre 75 gegen Juden und Judenthum vom Stapel gelassen, hat sich G. s. D. verlaufen, ohne irgendwie geschadet zu haben. Dagegen sind in dem nunmehr verflossenen Jahre eine Reihe gediegener Schriften von hervorragenden Persönlichkeiten herausgegeben worden, welche Juden und Judenthum volle Gerechtigkeit widerfahren lassen; wir erinnern nur an den gediegenen Aufsatz des weltberühmten Botanikers Professor Schleiden in den West-rmann'schen Monatsheften und an den Roman Daniel Deronda von der berühmten Schriftstellerin Lady George Elliot. Letzterer hat in England und America ungeheures Aufsehen erregt, und hat zugleich edle Glaubensgenossen veranlaßt, *) Dieser höchst beachtenswerthe H VI lautet wörtlich: VI. Die Verwaltung des Hospitals und des Friedhofes wird in der bisherigen Weise derart gesührt werden, daß einerseits den Mitgliedern des werteren Gemeinde-Verbandes deren Benützung nichr aus reli Dösen Bedenken unmöglich gemacht wird; dagegen auch andererseits dieserhalb die Gemeinde-Angehörigen abweichender religiöser Richtung in ihrer Freiheit nicht beschrankt werden und die ordnungsmäßige Fürsorge für die Zwecke dieser Anstalt nicht beeinträchtigt wird. daran zu denken, größere Gebiete im heiligen Lande anzukaufen, um sie durch Israeliten bebauen zu lassen. Dieses Projekt hat zu der irrigen Nachricht Anlaß gegeben, wie wenn englische Juden der Türkei Palästina abkaufen und eine jüdische Regierung dort gründen wollten. So lobenswerth das Erste ist, so phantastisch würde das Zweite sein, und gerade wir, vom orthodoxen Standpunkte aus, die wir die vollkommene Erlösung aus vollem Herzen ersehnen und erhoffen, haben die Pflicht, vor derlei Hirngespinnsten zu warnen. Die vo" der „Alliance Jsravlite universelle" zu Paris veransta'tete Versammlung hat den Baron Henry von Worms als Delegirten nach Constantinopel geschickt, um bei der dort tagenden Conferenz für die Israeliten in der Türkei und in Rumänien thätig zu sein*); für die Glaubensgenossen in Rumänien wäre ein Erfolg besonders wünschenswerth. Unsere Glaubensgenossen im heiligen Lande haben in dem sel. Rabbi Akiba Lehren von Amsterdam einen edelmüthigen, thätigen und aufopferungSfähigen Beschützer verloren. Das Comitö zu Amsterdam (Pekidim und Amarkelim) wird sich nächstens wieder durch die Vorstände der Gemeinden im heiligen Lande ergänzen lassen. Das Coinitä wird in demselben Sinne und Geiste, mit derselben Sorgfalt und Hingebung seine Thätigkeit sortsetzen. Wir hatten bei unserer Anwesenheit in Amsterdam Gelegenheit genommen, der Verwaltung für die palästinensischen Angelegenheiten einige Stunden zu widmen; man war so freundlich, uns sammtliche Bücher rc. vorzulegen, und wir waren hocherfreut, einer musterhaften Ordnung, Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit unsere Anerkennung aussprechen zu können. Die seit einem halben Jahrhundert bewährte, erfolgreiche Thätigkeit des Central ComitL's wird auch ferner eine stets segensvolle sein. Es ist dies eine sehr wichtige Institution, außer den Humanitären Zwecken dient sie dazu, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit mit dem Lande der Verheißung stets aufrecht zu erhalten, bis daß die Zeit kommen wird, von der es heißt: «"3"3 ';>«u jist> *) Neuesten Nachrichten zu Folge ist der Plan einer Ueberreichung des betr. Memoires durch Baron Worms aufgegcben und ist der englische Minister ersucht worden, das Lchriftstück nach Konstantinopel an die (lonfcrenz übermitteln zu wollen.

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